Prostatakarzinom Stadium T3 N0 M0

Synonyme: Prostatakrebs (lokal fortgeschritten)

Definition

Prostatakarzinom Stadium T3 N0 M0

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Das Prostatakarzinom ist ein Adenokarzinom mit Ursprung in den Epithelzellen der Vorsteherdrüsen. Ein "lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom" hat die Kapsel der Prostata durchbrochen und umliegende Strukturen infiltriert.Dies wird in der TNM Klassifikation mit den Stadien T3 und T4 beschrieben.


Ätiologie

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  • Die Ursache des Prostatakarzinoms ist immer noch unbekannt. Nach der gängigsten These verläuft die Entstehung in zwei Phasen:
  • nicht androgensensible Phase: Entzündliche, kanzerogene, sowie epigenetische Prozesse führen zur Ausbildung einer intraepithelialen Neoplasie
  • Androgensensible Phase

Risikofaktoren für die Ausbildung eines Prostatakarzinoms:

  • Alter
  • positive Familienanamnese bei Verwandten ersten Grades (2-faches Risiko)
  • Sozio - Ethnische Herkunft: höheres Risiko von Nord - gegenüber Südeuropäern; Europäern gegenüber Asiaten, schwarzen gegenüber weissen Nordamerikanern.
  • Vorerkrankungen: sexuell übertragbare Erkrankungen(Risiko x 1,48) und Prostatitis(Risiko x 1,6)

Mögliche protektive Faktoren:

  • Phytoestrogene - z.B. aus Soja
  • Lyconpene - z.B. in Tomaten

Epidemiologie

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  • Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und
  • führt zu 54.000 Neuerkrankungen/Jahr deutschlandweit.
  • Mit ca. 10% an dritter Stelle der zum Tode führenden Tumorerkrankungen;
  • Mittleres Erkrankungsalter: 69 Jahre;

Weltweite Inzidenzunterschiede:

  • Spanien 35,9:100.000/Jahr;
  • Schweden 90,9:100.000/Jahr;
  • USA 124,8:100.000/Jahr;
  • afroamerikaner 185,5:100.000/Jahr

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Folgende Informationen sind beim Prostatakarzinom von Bedeutung :

  • keine Frühsymptomatik → Frage nach Interesse an einer Früherkennungsuntersuchung bei Männern > 40 Lj. mit Aufklärung über die Aussagekraft und Konsequenzen positiver und negativer Testergebnisse
  • roter Urin?
  • Probleme beim Wasserlassen?
  • Rückenschmerzen? (bei Metastasen in der LWS)

Diagnostik

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Klinik

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Das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom kann folgende Symptomen zeigen :

  • Hämaturie, Obstruktion der Harnwege
  • Rückenschmerzen bei Metastasen in der LWS

Therapie

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Therapie des Prostatakarzinoms hängt von Patientenwunsch, Stadium und Operabilität ab:

Watchfull Waiting

Therapieverzicht bis zum Auftreten von Symptomen

  • Bei einer Lebenserwartung < 10 Jahre
  • Treten Symptome auf → palliative Behandlung

Radikale Prostatektomie

Vorraussetzungen

  • Lymphadenektomie zur Beurteilung des N - Stadiums

Bei biochemischem (PSA -) Rezidiv

  • perkutane Salvagestrahlentherapie mit ≥ 66 Gy bei pNx oder pN0 und PSA < 0,5 ng/ml

Perkutane 3D - komformale Strahlentherapie

  • Bestrahlung mit 70 - 72 GY, zusätzliche (neo-)adjuvante hormonablative Therapie für 2-3 Jahre

Bei Biochemischem (PSA-) Rezidiv:

  • Salvageprostatektomie durch möglichst erfahrenen Operateur

Adjuvante perkutane Strahlentherapie

  • Nach Totalresektion mit PSA im Bereich um Null;
  • 60 - 64 Gy Bestrahlung.

Empfohlen bei

  • pT3N0 R1 Resektion(A)
  • PT3 R0 Resektion mit Risikofaktoren (Samenblaseninfiltration) (B)
  • pT2 R1 Resektion (0)

Low - Dose - Rate - Brachytherapie

  • Stellenwert momentan schlecht einschätzbar, da unzureichende Studienlage.
  • In kontrollierten Studien in Kombination mit oben genannten Therapieverfahren zur Behandlung von Hochrisikokarzinomen im Einsatz.

Bei biochemischem (PSA-) Rezidiv:

  • Salvageprostatektomie durch möglichst erfahrenen Operateur.

High - Dose - Rate - Brachytherapie

  • Primäre Therapieoption bei Stadium cT3 in Kombination mit perkutaner Strahlentherapie

Lymphadenektomie

  • Entfernung von mindestens 10 Lymphknoten, um die Wahscheinlichkeit Metastasen zu finden zu erhöhen.
  • Maßnahme scheint progressionsfreie Überlebenszeit zu erhöhen.
  • Empfohlen bei Stadum T3 vor radikaler Prostatektomie

Hormontherapie

Primäre Therapie

  • Bei hormonsensiblem Tumor und Harnstauungsniere

Neo -/Adjuvant

  • bei fortgeschrittenen lokal begrenzten Karzinomen höheren Risikos kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie für mindestens zwei, besser drei Jahre (Risikobewertung s.o.)

Palliativ

  • Bei einer Entscheidung gegen eine der kurativen Behandlungsmethoden.
  • Therapiebeginn aus dem Waitfull Watching heraus bei Symptomverstärkung und Patientenwunsch.
  • Bei einem metastasierten Karzinom
  • Möglichkeit der sekundären Hormontherapie mit entsprechenden Nebenwirkungen und unsicherer verlängerung der Überlebenszeit.
  • Möglichkeit einer Chemotherapie bei raschem PSA Anstieg, sichtbarem Fortschreiten in der Bildgebung und Patientenwunsch.

Bei progredienten Symptomen:

  • Docetaxel 75mg/m² alle 3 Wochen in Kombination mit
  • Prednisolon 5mg 2-mal täglich

weitere palliative Therapieoptionen:

  • Prednisolon, Dexamethason, Prednison;
  • Bisphosphonate;
  • zytostatische Chemotherapie;
  • lokale perkutane Strahlentherapie;
  • Radionukleotidtherapie;
  • Supportivtherapie.

Kyrotherapie und Hochintensive fokussierte Ultraschalltherapie

  • Zurzeit keine Therapieoption

Therapie von Knochenmetastasen:

  • Analgetikatherapie nach WHO Schema
  • perkutane lokale Strahlentherapie bei Frakturgefahr, Querschnittsgefahr, persistierenden Schmerzen unter systemischer Therapie
  • Bisphosphonate zur Hterapie von Knochenschmerzen
  • Zoledronsäure - zur Prävention von Komplikationen bei hormonrefraktären Knochenmetastasen
  • Radionuklidtherapie  bei hormonrefraktären Metastasen und Knochenschmerzen

Therapie der Harnstauung

  • Bei symptomatischem Harnstau bevorzugt perkutane Katheterisierung und monatliche Kontrolle.
  • Methode sollte unter Berücksichtigung des Patientenwunsches und der wahrscheinlichen Lebenserwartung gewählt werden.

Komplikationen

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Als Komplikationen des Prostatakarzinoms können auftreten:

  • Metastasierung (zunächst meist in die Knochen)
  • Obstruktion der Harnwege
  • postrenales Nierenversagen
  • Tod

Zusatzhinweise

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  • Vor einer Früherkennungsuntersuchung muss eine differenzierte Aufklärung über mögliche Folgen eines positiven Befundes und falsch negative Testergebnisse stehen.
  • Diese Aufklärung sollte die Möglichkeiten der weiteren Diagnostik (Biopsie) sowie Therapiemöglichkeiten wie WatchfullWaiting und Aktive Surveillance beinhalten
  • Vor jeder Therapiewahl steht die Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen, andere Therapieoptionen, wahrscheinliche Auswirkungen auf die Lebenszeit etc.

TNM Klassifikation des Prostatakarzinoms:

T - Beurteilung des Primärtumors

Tx - nicht beurteilbar

T0 - kein Tumor vorhanden

T1 - rein histologischer Tumor

  • T1a - inzidentieller Tumor: zufälliger Tumorfund in weniger als 5% des entfernten Gewebes
  • T1b - inzidentieller Tumor: zufälliger Tumorfund in mehr als 5% des entfernten Gewebes
  • T1c - durch Biopsie gefundener rein histologischer Tumor

T2 - auf die Prostata begrenzter Tumor betreffend:

  • T2a - weniger als die Hälfte eines Prostatalappens
  • T2b - mehr als die Hälfte eines Prostatalappens
  • T2c - beide Prostatalappen

T3 - Wachstum durch die Prosatakapsel

  • T3a - Ein - oder beidseitig
  • T3b - die Samenblase(n) infiltrierend

T4 - Befall anderer Organe als der Samenblase(n)

N - Regionaler Lymphknotenbefall

Nx - nicht beurteilbar

N0 - kein Lymphknotenbefall

N1 -Lymphknotenbefall

M - Fernmetastasen

Mx - nicht beurteilbar

M0 - keine Fernmetastasen

M1 - Fernmetastasen vorhanden

  • M1a - in nicht regionalen Lymphknoten
  • M1b - in Knochen
  • M1c - in anderen Organen oder Strukturen

Literaturquellen

Prostatakarzinom Stadium T3 N0 M0

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  2. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  3. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
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  5. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  6. (2009) Herold G - Innere Medizin - Herold, Köln
  7. (2009) Karow T, Lang R - Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie - Karow, Pulheim
  8. (2008) Sökeland J, Rübben H - Taschenlehrbuch Urologie - Thieme Verlag, Stuttgart/New-York
  9. (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
  10. (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  11. (2009) Schiergens T - BASICS Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  12. (2008) Berchtold R, Bruch H.-P, Trentz O - Chirurgie ,6. Aufl. - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  13. (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
  14. (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag, Berlin
  15. (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  16. (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
  17. (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag

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