Primäre Osteoporose
Synonyme: idiopathische Osteoporose, juvenile Osteoporose, postmenopausale Osteoporose, senile Osteoporose
Definition
Primäre Osteoporose
Die primäre Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die mit niedriger Knochendichte und vermehrtem Auftreten von Knochenbrüchen einhergeht. Es wird unterschieden zwischen primärer Osteoporose Typ I (postmenopausale Osteoporose), Typ II (senile Osteoporose), sowie der seltenen idiopathischen juvenilen Osteoporose.
Primäre Osteoporose
Ätiologie
Primäre Osteoporose
Ursachen einer primären Osteoporose sind:
Die Ursachen der postmenopausalen Osteoporose sind:
- Spongiosaverlust
- Verlust an Knochendichte, Knochenmineralisation
- kulturelle Lebensänderung (Automobile Büroarbeitergeneration der Industriestaaten mit medienabhängiger Freizeitgestaltung)
Risikofaktoren (für eine Osteoporose bzw. Stürze)
- Alter - Verdopplung des Frakturrisikos mit jeder Dekade (Frauen > 70, Männer > 80) und Geschlecht (Frauen mit doppeltem Risiko)
- frühere Wirbelkörperfrakturen
- Immobilität
- Brüche nach dem 50ten Lj.
- multiple Brüche
- frühe Menopause < 40 Jahre
- Niedriger Body-Mass-Index < 20
- Gewichtsverlust von > 10%
- vorausgegangene "Low-trauma"-Fraktur
- proximaler Femurbruch der Eltern
- Rauchen
- Alkoholismus
- Steroidtherapie systemisch/inhalativ
- Kalzium - / Vitamin D3 Mangel
- Hyperhomozysteinämie
- Vitamin B12 - / Folsäuremangel
ausserdem wird die Osteoporose durch folgende Grunderkrankungen begünstigt:
- Cushing - Syndrom
- primärer Hyperparathyreoidismus
- Hypophyseninsuffizienz oder Wachstumshormonmangel
- Hyperthyreose
- Diabetes mellitus Typ1
- rheumatoide Arthritis
- B II -Magenresektion oder Gastrektomie
- Epilepsie
- Hypogonadismus beim Mann (Serumtestosteron < 200ng/ml)
Medikamentöse Therapien, die die Ausbildung einer Osteoporose fördern:
- Antiandrogene Therapie
- Aromatasehemmer
- orale Glukokortikoide
- Glitazone (nur bei Frauen)
- Sedativa
- Orthostase - auslösende Medikamente
- Neuroleptika
- Antiepileptika
- Antidepressiva
- mehrjähriger Gebrauch von Protonenpumpeninhibitoren
Primäre Osteoporose Epidemiologie zu:
Primäre Osteoporose
Epidemiologie
Primäre Osteoporose
Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter:
- Prävalenz Postmenopausale Osteoporose:
- Frauen > 55 Lj.: 7%
- Frauen > 80 Lj.: 19%
- 7,6% der Frauen und 4,9% der Männer leiden an einer senilen Osteoporose (EVOS-Studie zur Prävalenz nicht bekannter Wirbelkörperfrakturen)
- 95% primäre Osteoporosen
- die idiopathische Osteoporose junger Menschen ist selten.
Primäre Osteoporose Differentialdiagnosen zu:
Primäre Osteoporose
Differentialdiagnosen
Primäre Osteoporose
- Osteogenesis imperfecta
- Hyperkalzämie
- Chronische Niereninsuffizienz Stadium 4
- Multiples Myelom
- Osteomalazie
- Mit Osteoporose assoziierte Erkrankungen
- Endokrin bedingte Osteoporose
- Tertiärer Hyperparathyreoidismus
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus
- Hyperparathyreoidismus bei Kindern
- Sekundäre Osteoporose
- High turnover-Osteopathie
- Osteoporose und Osteomalazie
- Low turnover-Osteopathie
- Primärer Hyperparathyreoidismus
- Osteomalazie
- Plasmozytom
Primäre Osteoporose Anamnese zu:
Primäre Osteoporose
Anamnese
Primäre Osteoporose
Anamnestisch zu erhebende Informationen einer primären Osteoporose sind:
Indikation für eine Basisdiagnostik nach Vorgaben der DVO( A-D in Klammern = Empfehlungsgrad):
Frauen <50Lj; Männer < 60 Lj:
- Wirbelkörperfraktur 2.-3.Grades?(D)
- mehrfache Wirbelkörperfrakturen 1.-3. Grades?(D)
- Singuläre Wirbelkörperfraktur 1. Grades? (als Einzelfallentscheidung )(D)
- Cushing-Syndrom ?(B)
- Hyperkortisolismus diagnostiziert?(D)
- Primärer Hyperparathyreoidismus diagnostiziert?(B)
- Orale Kortisontherapie ≥7,5 mg? Prednisolonäquivalent täglich > 3 Monate (A)
Frauen 50 - 60 Lj; Männer 60 - 70 Lj.:
zusätzlich
- Fraktur(en) auserhalb der Wirbelsäule nach dem 50. Lebensjahr? (als Einzelfallentscheidung) (D)
- Wachstumshormonmangel bei Hypophyseninsuffizienz?(B)
- Orale Kortisontherapie für 3 und mehr Monate? (unabhängig von der Dosis)(A)
- Therapie mit Aromatasehemmern? (als Einzelfallentscheidung) (D)
- Antiandrogene Therapie? (als Einzelfallentscheidung)(D)
- Rheumatoide Arthritis diagnostiziert? (als Einzelfallentscheidung)(D)
- Bei Frauen: Einnahme von Glitazonen?(D)
Frauen 60 - 70 Lj.; Männer 70 - 80 Lj.:
zusätzlich
- Wirbelkörperfraktur(en)? (unabhängig vom Schweregrad) (A)
- Fraktur(en)ausserhalb der Wirbelsäule nach dem 50. Lebensjahr?(A)
- Proximale Femurfraktur eines Elternteils?(B)
- Mehrfache Stürze?(A)
- Fehlende Bewegung(Immobilität)?(A-B)
- Raucher(in)?(A)
- Diabetes mellitus Typ 1?(A)
- Zustand nach Magenentfernung? (B-II-Operation oder Gastrektomie)(A)
- Epilepsie diagnostiziert / Antiepileptikatherapie?(A)
- Sturzbegünstigende Medikamente (Sedativa, Orthostase-verursachende Medikamente, Antidepressiva, Neuroleptika)?(B-D)
Bei Frauen > 70 Lj. und Männern < 80 Lj. wird grundsätzlich zur Basisdiagnostik geraten.
Anamnese im Rahmen der Basisdiagnostik:
- Wo liegen Schmerzen vor? Seit wann? Intensität - gleichbleibend, schwankend?
- (Bewegungs-)Einschränkungen im täglichen Leben?
- Ausführliche Medikamenten - und Risikoanamnese.
Primäre Osteoporose Diagnostik zu:
Primäre Osteoporose
Diagnostik
Primäre Osteoporose
Zur diagnostischen Abklärung einer primären Osteoporose sind relevant:
Folgende Basisdiagnostik sollte bei einem 10 - Jahres - Frakturrisiko ≥ 20 % durchgeführt werden (siehe Anamnese)
- allgemeine körperliche Untersuchung - Kraft und Koordinationsmessung - Chair-Rising-Test + Tandemstandtest, Timed - up and go - Test
- Standardmethode der Knochendichtemessung: Dual Photon Absorptiometry (DXA) des Femurhalses oder des Gesamtfemurs
- Verzicht auf DXA bei multiplen typischen osteoporotischen Frakturen;
- konventionelles Röntgen der Wirbelsäule: Kasterahmenwirbel, Keil- und Fischwirbel, vorbestehende Frakturen;
- Labor (nach Frakturen; bei Hinweisen auf sekundäre Osteoporose oder laborchemische nachweisbare Risikofaktoren; bei T-Wert < -2,0):
Risikofaktoren:
- TSH ≤ 0,3mU/L
- Testosteronspiegel < 3,5 μg/l
- 25 - Hydroxyvitamin -D3 (in Einzelfällen; teuer und hohe Schwankug) ≤20 ng/ml (50nmol/l)
Differentialdiagnose:
- BSG ("alternativ" CRP - erfasst nicht das Plasmozytom) → entzündlihe Ursache
- Serum - Calcium → prim. Hyperparathyreoidismus ↑, sek. Hyperparathyreoidismus, Malabsoption ↑;
- Serum Phosphat → Niereninsuffizienz Grad IV, renaler Hyperparathyreoidismus ↑; Malabsorption ↓;
- Alkalische Phosphatase → Osteomalazie ↑;
- Kreatinin Clearance → renale Osteopathie ↓
- γ - GT → DD hepatische Erhöhung der alkalischen Phosphatase;
- Blutbild → entzündliche oder maligne Erkrankungen
- Serume Eiweisselektrophorese → Multiples Myelom
Primäre Osteoporose Klinik zu:
Primäre Osteoporose
Klinik
Primäre Osteoporose
Die Klinik der postmenopausalen Osteoporose wird durch die WHO-Kriterien definiert:
Referenz ist die Peak Bone Mass (PBM) junger gesunder Frauen
- Osteopenie: Knochendichte -1,0 bis - 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert der PBM
- Osteoporose: Knochendichte < 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert der PBM
- schwere (manifeste) Osteoporose: zusätzlich Frakturen
Bei den anderen Osteoporoseformen treten ausserdem folgende Symptome auf:
- Knochenschmerzen
- Rückenschmerzen
- Frakturen/Spontanfrakturen
- Rundrücken
- Gibbusbildung
- Reduktion der Körpergröße
- Tannenbaumhautfalten
- Stürze
idiopathischen Osteoporose junger Menschen:
- starke Rückenschmerzen
- Kompressionsfrakturen der Wirbelkörper
Primäre Osteoporose Therapie zu:
Primäre Osteoporose
Therapie
Primäre Osteoporose
Die Therapie der primären Osteoporose umfasst:
Primärprävention
Alle folgenden Maßnahmen bewirken einen verbesserten Knochenaufbau und -Stoffwechsel innehalb weniger Monate:
- Korrektur von Untergewicht
- Nikotinkarenz
- Bewegung
- evtl. Gehhilfen
- Ernährung 1000 mg Calcium/d
- evtl. /Calcium Supplementierung - Alfacalzidol 0,5μg 2-mal/d
- bei Vitamin D3 Mangel → 30 min Sonnenbelichtung/d für Arme und Gesicht oder Vitamin D3 Supstitution - 400-800-2000 IE Vitamin D3/d
- Programme analog zur spanischen Gesundheitsaufklärung in öffentlichen Verkehrsmitteln (nicht vom BuGMist 2002-2009 implementiert)
- strenge Indikation bzw. Umstellung von Osteoporose - fördenden Mitteln: Antiepileptika, Antidepressiva, Sedativa und andere Orthostase auslösende Medikamente, PPI, Glitazone bei Frauen Glukokortikoiden (volkstümlich abgeforderte Dexamethosonspritzen für Rückenschmerzen)
- Bei L - Thyroxin Therapie auf einen TSH Spiegel (≥0,3mU/l) hinarbeiten, sollte eine schwerere Krankheit (Schilddrüsenkarzinom) einen niedrigeren Spiegel nicht erforderlich machen.
Sekundärprävention
- Physikalische Medizin: Kraft - und Koordinationstraining zur Sturzprophylaxe
Tertiärprophylaxe
Nachgewiesene Senkung des 3 - Jahres - Frakturrisikos:
- Alendronat je nach Generika - 10 mg 1-mal/d p.o.; 70 mg 1-mal/w p.o.; auch als Kombipräparat mit 2800 oder 5600 IE Colecalziferol*
- Risendronat je nach Generika - 5 mg 1-mal/d; 35 mg 1-mal/w, evtl. + 500mg Calzium d1-6 oder + 800IE Colecalziferol d1-6*
- Ibandronat - 150mg 1-mal/m p.o. oder 3 mg i.v. 1-mal/3m
- Zoledronat bei systemischen Langzeittherapie mit Glukokortikoiden bei postmenopausalen Frauen und Männern im Risiko (09/2009) - 5 mg i.v. 1-mal/j*
- Hormonersatztherapie - Östrogene (Effektnachweis, bei KI gegen andere Medikamente; bei vasomotorisch begründeter HRT keine weitere Osteoporosetherapie)
- Raloxifen - 60mg 1-mal/d p.o.
- Parathyroidhormon - 100 μg/d s.c.
- Teriparatid (Schweiz: Label für den Mann) - 20μg/d s.c.*
- Strontiumralenat - 2g/d p.o.
* Auch für Osteoporose des Mannes zugelassen.
Differential- und Kombinationstherapie
- nicht belegt
- Verträglichkeit und Kontraindikationen führen zur in der Praxis über 3 Jahre durchführbaren Therapie
- begleitende Konzepte (Patientenführung) bestimmen nach praktischer Erfahrung ausschlaggebend die Adhärenz zu einem Therapeutikum (noch wenig explorierter Aspekt der Ergebnisqualität)
Primäre Osteoporose Komplikationen zu:
Primäre Osteoporose
Komplikationen
Primäre Osteoporose
Zu den Komplikationen der postmenopausalen Osteoporose zählen:
-
Brüche ohne adequates Trauma (bes. Wirbelbrüche) oder nach leichten Stürzen (bes. Schenkelhalsbrüche) - 30% der Brüche bei älteren Männern und Frauen gehen mit einer Osteoporose einher.
- Wirbelbrüche gehen mit einer erhöhten Mortalität einher.
- In der Folge Pneumonien durch Immobilisierung, bei älteren Menschen häufig letal.
- Minderung der Aktivitäten des täglichen Lebens
- Pflegebedürftigkeit
- nicht-natürlicher Tod in der Kausalkette von Stürzen ( 1- Jahres Mortalität nach Hüftfrakturen und Endoprothetik → 33%)
Primäre Osteoporose Zusatzhinweise zu:
Primäre Osteoporose
Zusatzhinweise
Primäre Osteoporose
Es liegen derzeit keine zusätzlichen Informationen einer primären Osteoporose vor.
Primäre Osteoporose Literaturquellen zu:
Primäre Osteoporose
Literaturquellen
Primäre Osteoporose
- (2009) AWMF-Stufe 3 - Leilinie 034/003 - Empfehlungen der DVO - Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen
- (2006) Pfeilschifter J - Evidenzbasierte Konsensus-Leitlinie zur Osteoporose - Prophylaxe, Diagnostik und Therapie - bei Frauen ab der Menopause, bei Männern ab dem 60. Lebensjahr - Schattauer
- (2009) Niethard F, Pfeil J - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
- (2010) Wülker Nikolaus - Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
- (2005) Rössler H, Rüther Wolfgang - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
- (1998) Krämer J, Grifka J, Hedtmann A, Krämer R - Orthopädie - Springer
- (1996) Zippel H - Orthopädie systematisch - Uni Med. Verlag AG
- (1989) Weber U., Zilch H - Orthopädie mit Repetitorium - Gruyter
Primäre Osteoporose
Assoziierte Krankheitsbilder zu Primäre Osteoporose
- Endokrin bedingte Osteoporose
- Hyperparathyreoidismus bei Kindern
- Mit Osteoporose assoziierte Erkrankungen
- Primärer Hyperparathyreoidismus
- Sekundäre Osteoporose
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus
- Senile Osteoporose
- Tertiärer Hyperparathyreoidismus
- Chronische Niereninsuffizienz Stadium 4
- High turnover-Osteopathie
- Hyperkalzämie
- Multiples Myelom
- Osteogenesis imperfecta
- Osteomalazie
- Osteomalazie
- Plasmozytom
- Low turnover-Osteopathie
- Osteoporose und Osteomalazie
- ...gesamte Liste anzeigen
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