Präklampsie

Synonyme: Hypertensive Schwangerschaftserkrankung, Gestose, Toxikose, Schwangerschaftstoxikose, EPH-Gestose

Definition

Präklampsie

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Präeklampsie (früher EPH- Gestose):

  • Schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck (Blutdruck >140/ 90mmHg in zwei Messungen im Abstand von 6 Stunden)
  • Meist nach der 20. Schwangerschaftswoche
  • Proteinurie ≥ 300mg/24h
  • Ödeme der nichtabhängigen Körperpartien (Gesicht, Hände)

Schwere Präeklampsie:

Zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien [1]

  • Nierenfunktionseinschränkungen (Kreatinin ≥ 0,9g/l oder Oligurie
  • Leberbeteiligung , (Anstieg der Transaminasen und/ oder schwere Oberbauchmerzen)
  • Zyanose oder Lungenödem
  • Hämatologische Störungen (Hämolyse, Thrombozytopenie)
  • Neurologische Symptome (Kopfschmerzen, Sehstörungen)
  • Fetale Wachstumsverzögerung
  • Blutdruck ≥ 170/110mmHg

Ätiologie

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Prädisponierend für die Präeklampsie:

  • Genetische Faktoren (Mutter schon erkrankt)
  • Diabetes mellitus Typ I
  • Chronische Hypertonie
  • Chronische Nierenerkrankung
  • Erstgebärende
  • Präeklampsie/ Eklampsie/ HELLP- Syndrom in vorangegangener Schwangerschaft

Epidemiologie

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Bluthochdruck:

  • In 6-8% aller Schwangerschaften treten hypertensive Erkrankungen auf,
  • sie tragen zu ca. ¼ der perinatalen Morbidität bei [1] und
  • stehen auf den ersten drei Plätzen der mütterlichen Todesursachen [1][2]

Präeklampsie ist verantwortlich für:

  • weltweit mindestens 50.000 Todesfälle pro Jahr [1][2]
  • jeden dritten Fall schwerer Geburtshilflicher Erkrankungen
  • eine um das Fünffache gesteigerte Morbidität

Schwangere Frauen mit schwarzer Hautfarbe, sowie Inderinnen sind stärker gefährdet an Präeklampsie/ Eklampsie zu erkranken als z.B. Europäerinnen.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Generell sollte in jeder Schwangerenvorsorge an die Möglichkeit einer Präeklampsie gedacht werden.  Besteht der Verdacht sollten folgenden Fragen gestellt werden:

Spezielle Anamnese

  • Erste Schwangerschaft?
  • Bestanden irgendwelche Erkrankungen während vorheriger Schwangerschaften?
  • Welche Schwangerschaftswoche?
  • Mehrlingsschwangerschaft?
  • Seit wann besteht der Bluthochdruck?
  • Bestand schon vor der Schwangerschaft ein Bluthochdruck?
  • Treten zentralnervöse Störungen auf? (z.B. Augenflimmern, Kopfschmerzen -> evtl. Hinweis auf gesteigerten Hirndruck)
  • Wassereinlagerungen in den Beinen?
  • Wassereinlagerungen in Händen oder Gesicht?
  • Gewichtszunahme über 1kg pro Woche?
  • Oberbauchschmerzen?
  • Übelkeit?
  • Erbrechen?
  • Besteht ein Diabetes mellitus Typ I?
  • Besteht ein bekannter Gestationsdiabetes?
  • Seit wann besteht der Gestationsdiabetes?
  • Wird er behandelt? Wie wird behandelt?

Diagnostik

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Häufig kann schon durch das klinische Bild und den bisherigen bekannten Krankheitsverlauf die eindeutige Diagnose Präeklampsie gestellt werden.

Laborparameter, die einen Hinweis auf das Bestehen einer Präeklampsie geben können sind (Working Group on High Blood Pressure in Pregnancy 2000,8; [1]:

Auf eine Sonographie sollte nicht verzichtet werden.

Fragestellung:

  • Ist die Versorgung des Fetus gewährleistet? (Aa. uterinae?)
  • Beurteilung der Fruchtwassermenge
  • Mehrlingsschwangerschaft?
  • Intrauterine Wachstumsrestriktion?
  • Blasenmole?
  • Hydrops fetalis?
  • V.a. eine Trisomie (v.a. Trisomie 13)?

Klinik

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Zeichen der Präeklampsie:

  • Hypertonie (Blutdruck >140/ 90mmHg in zwei Messungen im Abstand von 6 Stunden)
  • Ödeme der nicht abhängigen Körperpartien (Gesicht, Hände)
  • Proteinurie
  • Kopfschmerzen

Zusätzlich bei schwerer Präeklampsie:

  • Ohrensausen/ Schwindelgefühl
  • Augenflimmern, Visusstörungen (Gesichtsfeldeinengung)
  • epigastrische Schmerzen
  • Übelkeit und Erbechen
  • Motorische Unruhe
  • Hyperreflexie
  • evtl. Bewußtseinstrübung
  • Prodromalstadium des eklamptischen Anfalls: starre Blickrichtung, weite Pupillen, Zuckungen der Gesichtsmuskulatur

Therapie

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Einzige kausale Therapie der Präeklampsie ist die Entbindung.

  • Nach abgeschlossener 37. SSW ist die sofortige Entbindung anzustreben.
  • Ab vollendeter 34. SSW sollte möglichst bald entbunden werden.
  • Ab 24.-34. SSW: Verlegung in ein Perinatalzentrum. Es muss immer die Abschätzung des Risikos gegenüber dem Nutzen zum Erhalt der Schwangerschaft erwogen werden. Dies sollte nur dem erfahrenen Facharzt obliegen.

Bei stabilem Zustand der Mutter und des Kindes kann die Entbindung vaginal erfolgen.

Prävention (ambulant)bei Schwangeren mit Präeklampsie /Eklampsie /HELLP- Syndrom in vorhergehenden Schwangerschaften vor der 34. Schwangerschaftswoche (SSW) und /oder schwerer intrauteriner Wachstumsrestriktion, oder anderen mütterlichen Risikofaktoren:

  • Gabe von 75-150mg Acetylsalicylsäure pro Tag ab der Frühschwangerschaft [1]
  • In Deutschland wurden die besten Erfahrungen mit einer Dosierung von 100mg/d erzielt [1]
  • Es sollte spätestens mit der 16. SSW begonnen werden
  • besondere Überwachung des Schwangerschaftsverlaufes alle 1-2 Wochen

Behandlung der Präeklampsie

Allgemeine Maßnahmen:

  • Intensivmedizinische Überwachung bis keine Krampfbereitschaft mehr registriert wird, Blutdruck abfällt und Nierenfunktion sichergestellt ist
  • Venöser Zugang
  • Sedierung, z.B. mit Diazepam 10mg, langsam i.v.
  • Reizabschirmung
  • Volumentherapie
  • Vorsorgemaßnahmen für einen Epileptischen Anfall treffen (Gummikeil, Intubations- und Beatmungsgeräte in Bereitschaft, evtl. Op- Vorbereitungen treffen, um die Schwangerschaft jederzeit beenden zu können)

Antihypertensive Therapie [4][1][5] bei anhaltenden Blutdruckwerten ≥ 170/110 mmHg oder bei vorher schon bestehendem Bluthochdruck ab ≥ 160/100 mmHg:

  • initial 5 mg Nifedipin oral, ggf. Wiederholung nach 20 Min.
  • ODER initial Urapidil 6,25-12,5mg i.v. über 2 Min. als Bolus; dann Perfusor mit 3-24 mg/h
  • alternativ Dihydralazin 5mg alle 20 Min. oder 5mg i.v. als Bolus; dann Perfusor 2-20mg/h
  • Therapie unter CTG- Überwachung!
  • engmaschige Blutdruckkontrollen, Blutdruck unter 90-105 mmHg diastolisch sollte vermieden werden

Lungenödem / Herzinsuffizienz:

  • Furosemid 10-20 mg i.v.; ggf. mit höherer Dosis wiederholen

Komplikationen

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Die schwerwiegendste Komplikation der Präeklampsie ist der Tod der Patientin oder ihres ungeborenen Kindes!

Weitere Komplikationen bei Status eclampticus:

  • Vorzeitige Planzentalösung
  • Nierenversagen
  • HELLP- Syndrom
  • Lungenödem
  • Verbrauchskoagulopathie
  • Apoplektischer Insult
  • Amaurose
  • Aspiration
  • Laryngospasmus
  • Atemstillstand
  • Komatöse Zustände

Zusatzhinweise

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Aktuell sind keine Zusatzinformationen zur Präeklampsie vorhanden.


Literaturquellen

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  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Schwangerschaftshochdruck/ Gestose der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.; AWMF- Leitlinienregister Nr.015/018, 10/2010

2.   New England Journal of Medicine, Explaining and Predicting Preeclampsia by Lindheimer and Umans, N engl J Med 2006; 355: 1056-1058

3.   ÄP Gynäkologie 5/2010, Prof. Dr. med. Werner Rath, Universitätsklinikum Aachen

4.   Report oft he National High Blood Pressure Education Programm Working Group on High Blood Pressure in Pregnagncy, 2000, EL IV, Redman, Sibai, Leveno

5.   Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main


Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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