Postpartale Infektionen

Synonyme: Puerperalfieber , Wochenbettfieber, postpartale Endometritis, Endometritis puerperale

Definition

Postpartale Infektionen

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Postpartale Infektionen/ Wochenbettfieber [1;2]

  • Hierunter werden alle Infektionen zusammengefasst, die von den Geburtswunden oder den Genitalien ausgehen.
  • Unter diesen Begriff fallen Erhöhungen der Temperatur ab 24 Stunden post partum bis zum 10. Wochenbettag.

Fieber im Wochenbett bezeichnet dagegen Erkrankungen, die per se nichts mit der Entbindung zu tun haben, extragenital auftreten und deren Beginn nur „zufällig“ in die Zeit des Wochenbettes fallen.


Ätiologie

Postpartale Infektionen

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Ursachen/ Disponierende Faktoren postpartaler Infektionen/ Wochenbettfieber [1;2]

  • Lochialstauung
  • Ulcus puerperale/Wundheilungsstörungen (Infektion der Scheiden-, Damm-, Vaginalwunden)
  • Endometritis puerperalis (Infektion der Gebärmutterschleimhaut)
  • Pelveoperitonitis
  • Diffuse Peritonitis
  • Puerperalsepsis (lebensbedrohlich!)
  • Protrahierter Geburtsverlauf
  • Häufige vaginale Untersuchungen (Infektionsgefahr)
  • Amnioninfektionssyndrom
  • Sectio caesarea
  • Anämie oder starker Blutverlust (geschwächte Abwehr)

Epidemiologie

Postpartale Infektionen

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Epidemiologie Postpartaler Infektionen/ Wochenbettfieber [1;2]

  • Häufigkeit: ca. 5% (2-8%)
  • Häufigste Todesursache im Wochenbett
  • Endometritis puerperale ist häufigste Infektion im Wochenbett; tritt meist frühestens 48h post partum auf
  • Puerperalsepsis in 20-50% der Fälle letal

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnese bei Postpartalen Infektionen/ Wochenbettfieber

  • War eine Erhöhung der Körpertemperatur bei der Patientin festzustellen?
  • Wie hoch ist die Temperatur aktuell? (DD: Sepsis)
  • An welchem Tag nach der Entbindung trat diese auf? (DD: anderer Ursachen, die nicht mit Geburt in Verbindung stehen)
  • Dauerte die Entbindung länger als 18 Stunden?
  • Wurden im Verlauf der Geburt häufig vaginale Untersuchungen durchgeführt?
  • Kam es zu einem vorzeitigen Blasensprung?
  • Wurde ein Kaiserschnitt durchgeführt?
  • Wurden andere vaginal- operative Eingriffe, z.B. Saugglocke, Dammschnitt, durchgeführt?
  • Hatte die Patientin einen starken Blutverlust während oder nach der Geburt?
  • Wie ist der Wochenfluss aktuell? (Im Verhältnis zum postpartalen Tag!)
  • Ist der Wochenfluss, weniger oder übel riechend?
  • Ist der Uterus druckschmerzempfindlich?
  • Hat die Patientin starke Schmerzen im Vulva- Damm- Scheidenbereich? (evtl. entzündete Geburtswunde)
  • Wie fühlt die Patientin sich allgemein?
  • Besteht Übelkeit? (DD: Peritonitis oder Puerperalsepsis → lebensbedrohlich!)
  • Muß die Patientin Erbrechen? (DD: Peritonitis oder Puerperalsepsis → lebensbedrohlich!)
  • Ist die Ausscheidung vermindert? (DD: Peritonitis oder Puerperalsepsis → lebensbedrohlich!)
  • Bestehen Schmerzen beim Wasserlassen? (DD: Harnwegsinfekt)

Diagnostik

Postpartale Infektionen

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Diagnosestellung bei Postpartalen Infektionen/ Wochenbettfieber [1;2;4]

Lochialstau

  • Lochienfluß beurteilen
  • Stau?
  • Geruch?
  • Farbe?

Wundheilungsstörungen

  • Wunden im Vulva- Damm- Scheidenbereich untersuchen
  • Gerötete Wundränder?
  • Eitriges Sekret?
  • Schmierige, gelbliche oder grüne Beläge?
  • Vulva geschwollen?

Endometritis puerperalis

  • Abstrich aus Zervikalkanal→ Erregerbestimmung; Antibiotikaresistenzen
  • Labor: CRP ↑; Leukozytose > 20.000/ml

Peritonitis

  • Klinik
  • Labor: Blutkulturen abnehmen, vor Antibiotikagabe
  • Röntgen: Abdomenleeraufnahme, Fragestellung: freie Luft?
  • Sonographie: Auschluss anderer Ursachen
  • u.U. Laparoskopie u. Lavage

Puerperalsepsis


Klinik

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Klinik Postpartaler Infektionen/ Wochenbettfieber [1;2;3;4]

Lochialstau

  • Uterus schmerzempfindlich
  • Wenig Ausfluss
  • Übel riechend
  • Temperaturanstieg
  • Stirnkopfschmerz (charakteristisch)

Wundheilungsstörungen

  • Gerötete Wundränder
  • Eitriges Sekret
  • Schmierige, gelbliche oder grüne Beläge
  • Vulva geschwollen
  • Schmerzen

Endometritis puerperalis

  • Lochien wieder vermehrt und blutiger
  • Gebärmutter druckempfindlich
  • Subfebrile Temperaturen
  • Ggf. Stirnkopfschmerz

Peritonitis

  • abdomineller Druckschmerz
  • Abwehrspannung
  • klingende oder fehlende Darmgeräusche

Puerperalsepsis

  • schwere Verschlechterung des Allgemeinzustandes
  • Unruhe
  • Kollapsneigung
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Septische Temperaturen
  • Schüttelfrost
  • Tachykardie
  • u.U. Herz- Kreislaufversagen
  • Gerinnungsstörungen

Therapie

Postpartale Infektionen

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Vorgehen und Behandlung bei Postpartalen Infektionen/ Wochenbettfieber [1;2;5]

Lochialstau

  • Zervikalkanal weitstellen: Spasmolytika, z.B. Butylscopolamin 20-40 mg i.v.
  • Ca. 30 Min. später: Kontraktionsmittel, z.B. Oxytozin 9-15 IE in 500ml physiologischer Kochsalzlösung i.v.
  • Körperliche Bewegung
  • Wenn möglich Stillen (Uteruskontraktionen)
  • u.U. alternative Heilmethoden (Tees)
  • Evtl. Kürettage

Wundheilungsstörungen

  • Antiseptische Behandlung
  • Evtl. Sanierung der Naht
  • Evtl. Antibiotische Behandlung; z.B. Ampicillin + Sulbactam 3-4 x 1,5-3g i.v.

Endometritis puerperalis

  • Oxytozin 9-15 IE in 500ml physiologischer Kochsalzlösung i.v.
  • Evtl. Kürettage nach Antibiose (Perforationsgefahr)
  • Antibiose: z.B. Ampicillin 3 x 5g + Metronidazol 2 x 500mg i.v.

Peritonitis

  • u.U. Laparoskopie u. Lavage
  • Kürettage nach Antibiose (Perforationsgefahr)
  • u.U. Hysterektomie
  • Antibiose: z.B. Ampicillin 3 x 5g + Metronidazol 2 x 500mg i.v.
  • Sepsis: 10.000-15.000 IE Heparin pro 24h , Betreuung auf Intensivstation

Puerperalsepsis

  • Antibiose: z.B. Ampicillin 3 x 5g + Metronidazol 2 x 500mg i.v.
  • Sepsis: 10.000-15.000 IE Heparin pro 24h , Betreuung auf Intensivstation
  • Gerinnungsstörung: FFP
  • Ggf. Laparoskopie/ Laparotomie
  • Meist Hysterektomie nötig

Komplikationen

Postpartale Infektionen

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Komplikationen bei Postpartalen Infektionen/ Wochenbettfieber  [1;2]

  • Sepsis
  • Gerinnungsstörungen
  • Tod der Patientin

Zusatzhinweise

Postpartale Infektionen

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Zusatzinformationen bei Postpartalen Infektionen/ Wochenbettfieber

Gründliche Händedesinfektion und allgemeine Desinfektion bzw. steriles Arbeiten können das Risiko von Infektionen vermindern!



Literaturquellen

Postpartale Infektionen

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  1. Das Hebammenbuch, Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe, 4. Auflage, Mändle, Opitz-Kreuter, Wehling, Schattauer Verlag 2003
  2. Gynäkologie und Geburtshilfe, Manfred Stauber, Thomas Weyerstahl, Thieme Verlag 2001 
  3. Klinikleitfaden Dermatologie, Altmeyer, Drschka, Hartwig, 2. Auflage, Urban& Fischer
  4. Chirurgie, Henne-Bruns, Dürig, Krämer, 2. korrigierte Auflage, Thieme Verlag
  5. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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