Postpartale Depression

Synonyme: Wochenbettdepression, Baby blues

Definition

Postpartale Depression

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Definition Baby blues [1]

  • „Heultage“
  • 3.- 5.Tag nach Geburt
  • Frauen sind emotional sehr empfindlich
  • Geht meist schnell vorüber
  • Mutter- Kind- Beziehung meist nicht gefährdet

Definition Wochenbettdepression/ Postpartale Depression [1]

  • Dauert länger als Baby blues
  • Meist 6- 12 Wochen nach der Geburt
  • Rasche Stimmungswechsel
  • Emotionale Empfindlichkeit größer als bei Baby blues
  • Mutter- Kind- Beziehung gefährdet oder gestört

Ätiologie

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Risikofaktoren Wochenbettdepression/ Postpartale Depression [1;2;3]

  • Durch schnellen Abfall von Östrogen und Progesteron nach der Geburt
  • Veranlagung für ängstliche, zwanghafte, depressive Reaktionen
  • Schlafmangel durch Ängste, Sorgen, seelische Nöte
  • Rhythmusumstellung
  • Psychische Vorerkrankungen in der Verwandtschaft
  • Schwierige Paarbeziehung
  • Ungewollte Schwangerschaft
  • Wenig Unterstützung durch Partner/Familie
  • Erkrankungen des Kindes
  • Materielle Belastungen
  • Traumatische Geburtserlebnisse
  • Substanzanbusus vor/während Schwangerschaft und Geburt

Epidemiologie

Postpartale Depression

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Wochenbettdepression/ Postpartale Depression[2;1]

  • Baby blues: 20- 80% der Mütter
  • Depression: Schwangerschaft bis Kleinkindalter: 8-12%
  • Wochenbettdepression/ Postnatale Depression: 10- 15% der Wöchnerinnen
  • Störungen der Mutter- Kind- Beziehung in 10% der behandlungsbedürftigen Störungen nach der Geburt

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnese Wochenbettdepression/ Postpartale Depression nach Edinburgh Postnatal Depression Skala (EPDS, Cox et al., Brit. J Psychiatry 1987) [3;4;5]:

  • Wie fühlt sich die Patientin?
  • Kann sie sich an Dingen erfreuen?
  • Kann sie sich an ihrem Kind erfreuen?
  • Fühlt sich die Patientin wegen irgendetwas schuldig?
  • Ist die Patientin besonders besorgt, ängstlich?
  • Ist der Patientin „alles zu viel“?
  • Bestehen Schlafprobleme (über das Maß hinausgehend)?
  • Weint  die Patientin häufig?
  • Gibt es Probleme in der Partnerschaft vor und/ oder nach der Geburt?
  • Hat die Patientin je daran gedacht sich etwas anzutun (Selbstmordgedanken)?
  • Hat die Patientin je daran gedacht, ihrem Kind etwas anzutun?

Diagnostik

Postpartale Depression

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Die Diagnose Wochenbettdepression/ Postpartale Depressionkann am besten nach der Edinburgh Postnatal Depression Skala (EPDS, Cox et al., Brit. J Psychiatry 1987) [3;4;5] gestellt werden.

Die Folgenden Fragen dazu wurden modifiziert und entsprechen nicht dem original Fragebogen:

  • Wie fühlt sich die Patientin?
  • Kann sie sich an Dingen erfreuen?
  • Kann sie sich an ihrem Kind erfreuen?
  • Fühlt sich die Patientin wegen irgendetwas schuldig?
  • Ist die Patientin besonders besorgt, ängstlich?
  • Ist der Patientin „alles zu viel“?
  • Bestehen Schlafprobleme (über das Maß hinausgehend)?
  • Weint  die Patientin häufig?
  • Gibt es Probleme in der Partnerschaft vor und/ oder nach der Geburt?
  • Hat die Patientin je daran gedacht sich etwas anzutun (Selbstmordgedanken)?
  • Hat die Patientin je daran gedacht, ihrem Kind etwas anzutun?

Anhand der Antworten der Patientin kann dann die Diagnose einer Depression gestellt werden.

Eine schwere Depression besteht auf jeden Fall bei [3]:

  • Depressiver Verstimmung und/ oder gesteigerter Reizbarkeit
  • Wenn das zuvor bestehende Interesse an Aktivitäten vermindert ist
  • Mindestens vier der o.g. Fragen mit „ja“ beantwortet werden

Klinik

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Baby blues [1]

  • Frauen sind emotional sehr empfindlich
  • Patientinnen weinen viel, meist grundlos
  • Sorge, ob die neue Situation zu bewältigen ist
  • Geht meist schnell vorüber
  • Mutter- Kind- Beziehung meist nicht gefährdet

Wochenbettdepression/ Postpartale Depression [1;3]

  • Dauert länger als Baby blues
  • Meist 6- 12 Wochen nach der Geburt
  • Rasche Stimmungswechsel
  • Emotionale Empfindlichkeit größer als bei Baby blues
  • Mutter- Kind- Beziehung gefährdet oder gestört
  • Veränderungen des Gewichts
  • Schlafstörungen
  • Patientinnen fühlen sich überfordert und wertlos
  • Evtl. Gedanken, sich oder dem Kind etwas zuzufügen



Therapie

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Baby blues:

  • vergeht meist von selbst
  • Unterstützung durch Partner und Familie wirkt hilfreich auf das Wohlbefinden der Patientin

Wochenbettdepression/ Postpartale Depression [2;3]

  • Behandlung evtl. körperlicher Symptome
  • Beruhigende Gespräche mit Arzt, Therapeuten, Hebamme („Nobody is perfect“)
  • Psychotherapie
  • Medikamentöse Therapie unter Vorbehalt, da fast alle Arzneistoffe in die Muttermilch übergehen [1;3]:wenn nicht gestillt wird, gelten dieselben Empfehlungen wie bei Depression. Bei Stillen: gut untersucht ist z.B. Fluoxetin, wobei keine negativen Effekte bei 180 von 190 untersuchten Babys festgestellt werden konnten (bei den restlichen 10 auch nur gering) [6]. In einer retrospektiven Kohortenstudie wurde ein signifikant geringeres Gewicht festgestellt, wobei dieses nicht unter der Altersnorm lag [7]. Die Therapiedauer sollte 12 Monate bis nach Remission betragen.
  • Elektrokrampftherapie (EKT): effektiv ohne große NW bei Mutter und Kind. Indiziert bei psychotischen Anteilen und schwerer Depression bzw. wenn Tötungsabsichten (Suizid oder Kind) bestehen. Die Anästhesie hat kaum Einfluß auf die Muttermilch und NW können durch einmalige Gabe der Muttermilch per Fläschchen danach weiter minimiert werden (vorher abpumpen) [8]. Anwendung 3x/Woche für 1-3 Wochen.
  • Selbsthilfegruppen
  • Kurse, die Mutter- Kind- Bindung fördern (Babymassage, Babyschwimmen etc.)
  • Finanzielle Probleme: Weiterleitung an Sozialberatung
  • Drogenabusus: Weiterleitung an entsprechende Beratungsstellen
  • Evtl. familiäres Umfeld einbeziehen

Komplikationen

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Wochenbettdepression/ Postpartale Depression

  • Kann in manifeste Depression oder Psychose übergehen
  • Risiko für spätere Depression erhöht

Zusatzhinweise

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Akteull liegen keine Zusatzhinweise zur Postpartalen Depression vor.


Literaturquellen

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  1. Artikel  des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. Postfach 20 03 63
    80003 München Präsident: Dr. Christian Albring in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) e.V. Robert-Koch-Platz 7
    10115 Berlin Präsident: Prof. Dr. Klaus Friese
  2. Was Mütter depressiv macht… und wodurch sie wieder Zuversicht gewinnen, Maria Hofecker Fallapour et al., Verlag Hanshuber 2005, Bern, aktualisiert 22.01.2007
  3. Klinisches Management für Depression in der Schwangerschaft und nach der Geburt, Mercé Gesellschaft, Psych. Zentrum Nordbaden, 69168 Wiesbaden
  4. Edinburgh Postnatal Depression Skala (EPDS, Cox et al., Brit. J Psychiatry 1987); Brockington, Oates, George, Turner, Vostanis, Sullivan, Loh, Murdoch, „A screening questionnaire for mother- infant bonding disorders“. Archives of Women´s Mental Healths, 2001; 3:133-140
  5. Post partum Support International 2010,  “ Perinatal Mood& Anxiety Disorders” ; 6706 SW 54th Avenue, Portland Oregon 97219, USA
  6. Burt VK, Suri R, Altshuler L, Stowe Z, Hendrick VC, Muntean E (2001): The use of psychotropic medications during breast-feeding. Am J Psychiatry. 158(7):1001.
  7. Chambers CD, Anderson PO, Thomas RG, Dick LM, Felix RJ, Johnson KA, Jones KL (1999): Weight gain in infants breastfed by mothers who take fluoxetine. Pediatrics. 104(5):e61.
  8.  Rabheru K (2001): The use of electroconvulsive therapy in special patient populations. Can J Psychiatry. 46(8):710.

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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