Polyneuropathien durch Antirheumatika

Synonyme: Antirheumatika-Nebenwirkung Polyneuropathie

Definition

Polyneuropathien durch Antirheumatika

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Die durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien sind medikamentös bedingte Erkrankungen des peripheren Nervensystems mit gleichzeitiger axonaler Degeneration mehrerer peripherer Nerven


Ätiologie

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Die Polyneuropathie-Auslösende Antirheumatika:

Gold, Indometacin, Colchicin, Phenylbutazon, Mesalazin, Naproxen, D-Penicillamin, Salazosulfapyridin

  • primär axonale Schädigung, weniger demyelinisierend
  • jedes Medikament potenziell neurotoxisch
  • Ausprägung abhängig von Therapiedauer und Ausmaß einer etwaigen Überdosierung
  • keine selektive Schädigung des peripheren Nervensystems, sondern Mitbeteiligung des ZNS und des vegetativen Nervensystems

Epidemiologie

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Die durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien sind selten.

  • 2-4% aller neurologischen Patienten mit medikamentös bedingten Polyneuropathien

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • strumpf-/handschuhförmige Missempfindungen?
  • Muskelschwäche?
  • Schmerzen?
  • Bewegungsunruhe der Beine (Restless legs) mit mehrmaligem Erwachen nachts?
  • Blasen-/Mastdarm-/Potenz-/Schweißstörungen?
  • Medikamentenanamnese
  • Vorerkrankungen?
  • Berufsanamnese

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Muskeleigenreflexe abgeschwächt oder fehlend, Sensibilitätsstörungen, trophische Störungen der Beine, Bewegungsunruhe der Beine
  • Labor: BSG, Eiweißelektrophorese, Retentionsparameter: Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte, Bestimmung der Kreatinin-Clearance, Eiweißelektrophorese, TSH, Vitamin B12, Folsäure, evtl. CDT bei V.a. Alkoholabusus, Ausschluß anderer Restless-Legs-Formen wie bei Eisenmangel, Diabetes mellitus (HbA1c, BZ, oGTT)
  • Elektrophysiologie: ENG mit verminderter NLG bzw. Amplitudenabnahme (je nach histologischem Subtyp)
  • Nervenbiopsie des N. suralis

Klinik

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Die durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • überwiegend distal-symmetrisch sensomotorische Neuropathie
  • "Restless legs"-Symptome mit Brennschmerz, Kribbelparästhesien, Berührungsempindlichkeit und Bewegungsunruhe, die sich bei Herumlaufen bessert
  • Schmerzen
  • sensible Ausfälle: vermindertes Temperaturempfinden (insbesondere Kälteempfinden), Pallhypästhesie
  • trophische Hautveränderungen
  • Chloroquin typischerweise mit Hirnnervenausfällen
  • Gold typischerweise mit schmerzhafter PNP

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten der durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien umfassen folgendes:

  • keine kausale Therapie verfügbar
  • strenge Indikationsstellung auslösender Medikamente
  • Vermeidung weiterer neurotoxischer Substanzen (Alkohol, berufliche Noxen/Chemikalien, optimale Einstellung bei bekanntem Diabetes mellitus)
  • bei neuropathischen Schmerzen: Carbamazepin 200-400 mg/d, Gabapentin 300 mg/d inital bis 1800 mg/d Erhalt-Dosis (um 300 mg steigern)

Komplikationen

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Komplikationen der durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien sind:

  • Beteiligung des Rückenmarks (Myeloneuropathie)
  • Beteiligung des vegetativen Nervensystems mit Herzrhythmusstörungen, Blasen-/Mastdarmstörungen, erektiler Dysfunktion

Zusatzhinweise

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Prognose der durch Antirheumatika ausgelösten Polyneuropathien:

  • in der Regel Rückbildung oder statischer Verlauf nach Ende der Exposition

Literaturquellen

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  1. (2008) Grehl H, Reinhardt F - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Thieme Verlag

  2. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer

  3. (2007) Gleixner C, Müller M, Wirth S - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  4. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  5. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  6. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  7. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  8. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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