Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Synonyme: Antiepileptika-Nebenwirkung Polyneuropathie, Antidepressiva-Nebenwirkung Polyneuropathie

Definition

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelöste Polyneuropathien sind medikamentös bedingte Erkrankung des peripheren Nervensystems mit gleichzeitiger axonaler Degeneration mehrerer peripherer Nerven.


Ätiologie

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Die Ursachen der durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelösten Polyneuropathien sind:

Auslösende Antikonvulsiva/Psychopharmaka:

Thalidomid, Methaqualon, Gluthetimid, Amitriptylin, Meprobamat, Imipramin, Chlorprotixen, Nialamid, Lithium, Phenytoin, Barbiturate, Lofepramin

  • primär axonale Schädigung, weniger demyelinisierend
  • jedes Medikament potenziell neurotoxisch
  • Ausprägung abhängig von Therapiedauer und Ausmaß einer etwaigen Überdosierung
  • keine selektive Schädigung des peripheren Nervensystems, sondern Mitbeteiligung des ZNS und des vegetativen Nervensystems

Epidemiologie

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelöste Polyneuropathien sind sehr selten:

  • 2-4% aller neurologischen Patienten mit medikamentös bedingten Polyneuropathien

Differentialdiagnosen

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Bei den durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelösten Polyneuropathien sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • strumpf-/handschuhförmige Missempfindungen?
  • Muskelschwäche?
  • Schmerzen?
  • Bewegungsunruhe der Beine (Restless legs) mit mehrmaligem Erwachen nachts?
  • Blasen-/Mastdarm-/Potenz-/Schweißstörungen?
  • Medikamentenanamnese
  • Vorerkrankungen?
  • Berufsanamnese?

Diagnostik

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Zur diagnostischen Abklärung der durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelösten Polyneuropathien sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Muskeleigenreflexe abgeschwächt oder fehlend, Sensibilitätsstörungen, trophische Störungen der Beine, Bewegungsunruhe der Beine
  • Labor: BSG, Eiweißelektrophorese, Retentionsparameter: Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte, Bestimmung der Kreatinin-Clearance, Eiweißelektrophorese, TSH, Vitamin B12, Folsäure, evtl. CDT bei V.a. Alkoholabusus, Ausschluß anderer Restless-Legs-Formen wie bei Eisenmangel, Diabetes mellitus (HbA1c, BZ, oGTT)
  • Elektrophysiologie: ENG mit verminderter NLG bzw. Amplitudenabnahme (je nach histologischem Subtyp)
  • Nervenbiopsie des N. suralis

Klinik

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Die durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelösten Polyneuropathien können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Klinik, Verlauf, Verteilungsmuster sehr variabel:

  • überwiegend distal-symmetrisch sensomotorische Neuropathie
  • "Restless legs"-Symptome mit Brennschmerz, Kribbelparästhesien, Berührungsempindlichkeit und Bewegungsunruhe, die sich bei Herumlaufen bessert
  • Schmerzen
  • sensible Ausfälle: vermindertes Temperaturempfinden (insbesondere Kälteempfinden), Pallhypästhesie
  • trophische Hautveränderungen

Therapie

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Die therapeutischen Möglichkeiten der durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelösten Polyneuropathien umfassen folgendes:

  • keine kausale Therapie verfügbar
  • strenge Indikationsstellung auslösender Medikamente
  • Vermeidung weiterer neurotoxischer Substanzen (Alkohol, berufliche Noxen/Chemikalien, optimale Einstellung bei bekanntem Diabetes mellitus)
  • bei neuropathischen Schmerzen: Carbamazepin, Gabapentin

Komplikationen

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

Komplikationen der durch Antiepileptika und Antidepressiva ausgelösten Polyneuropathien sind:

  • Beteiligung des Rückenmarks (Myeloneuropathie)
  • Beteiligung des vegetativen Nervensystems mit Herzrhythmusstörungen, Blasen-/Mastdarmstörungen, erektiler Dysfunktion

Zusatzhinweise

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?
  • i.d.R. Rückbildung/statischer Verlauf nach Ende der Exposition

Literaturquellen

Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva

Bearbeitungsstatus ?

1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen