Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Synonyme: Antibiotika-Nebenwirkung Polyneuropathie, Chemotherapeutika-Nebenwirkung Polyneuropathie
Definition
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelöste Polyneuropathien sind medikamentös bedingte Erkrankungen des peripheren Nervensystems mit gleichzeitiger axonaler Degeneration mehrerer peripherer Nerven.
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Ätiologie
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Ursachen der durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien sind:
Auslösende Antibiotika/Chemotherapeutika:
Penicillin, Ampicillin, Streptomycin, Ethambutol, INH, Dapson, Chloramphenicol, Chloroquin, Gentamicin, Amphotericin, Nukleosidanaloga, HIV-Proteasehemer, Misonidazol, Metronidazol, Polymyxin, Nalidixinsäure, Sulfonamide, Nitrofurantoin
- primär axonale Schädigung, weniger demyelinisierend
- jedes Medikament potenziell neurotoxisch
- Ausprägung abhängig von Therapiedauer und Ausmaß einer etwaigen Überdosierung
- keine selektive Schädigung des peripheren Nervensystems, sondern Mitbeteiligung des ZNS und des vegetativen Nervensystems
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Epidemiologie zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Epidemiologie
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Die durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien sind selten.
- 2-4% aller neurologischen Patienten mit medikamentös bedingten Polyneuropathien
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Differentialdiagnosen zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Differentialdiagnosen
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
- Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie
- Polyneuropathie beim Sjögren-Syndrom
- Polyneuropathie bei rheumatoider Arthritis
- Polyneuropathie bei Kryoglobulinämie
- Dysproteinämische und paraneoplastische Polyneuropathien
- Polyneuropathie bei Amyloidosen
- Polyneuropathie bei akuter, intermittierender Porphyrie
- Polyneuropathie bei Vitaminmangel und Malresorption
- Diabetische Polyneuropathie
- Hepatische Polyneuropathie
- Polyneuropathie bei Urämie
- Polyneuropathie bei Schilddrüsenkrankheit
- Polyneuropathie beim systemischen Lupus erythematodes
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Anamnese zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Anamnese
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Bei den durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien sind folgende Informationen von Bedeutung:
- strumpf-/handschuhförmige Missempfindungen?
- Muskelschwäche?
- Schmerzen?
- Bewegungsunruhe der Beine (Restless legs) mit mehrmaligem Erwachen nachts?
- Blasen-/Mastdarm-/Potenz-/Schweißstörungen?
- Medikamentenanamnese
- Vorerkrankungen?
- Berufsanamnese?
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Diagnostik zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Diagnostik
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Zur diagnostischen Abklärung der durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien sind relevant:
- neurologische Untersuchung: Muskeleigenreflexe abgeschwächt oder fehlend, Sensibilitätsstörungen, trophische Störungen der Beine, Bewegungsunruhe der Beine
- Labor: BSG, Eiweißelektrophorese, Retentionsparameter: Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte, Bestimmung der Kreatinin-Clearance, Eiweißelektrophorese, TSH, Vitamin B12, Folsäure, evtl. CDT bei V.a. Alkoholabusus, Ausschluß anderer Restless-Legs-Formen wie bei Eisenmangel, Diabetes mellitus (HbA1c, BZ, oGTT)
- Elektrophysiologie: ENG mit verminderter NLG bzw. Amplitudenabnahme (je nach histologischem Subtyp)
- Nervenbiopsie des N. suralis
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Klinik zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Klinik
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Die durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:
Klinik, Verlauf, Verteilungsmuster sehr variabel:
- überwiegend distal-symmetrisch sensomotorische Neuropathie
- "Restless legs"-Symptome mit Brennschmerz, Kribbelparästhesien, Berührungsempindlichkeit und Bewegungsunruhe, die sich bei Herumlaufen bessert
- Schmerzen
- sensible Ausfälle: vermindertes Temperaturempfinden (insbesondere Kälteempfinden), Pallhypästhesie
- trophische Hautveränderungen
- Chloroquin, Ethambutol typischerweise mit Hirnnervenausfällen
- Sulfonamide typischerweise mit schmerzhafter PNP
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Therapie zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Therapie
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Die therapeutischen Möglichkeiten der durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien umfassen folgendes:
- keine kausale Therapie verfügbar
- strenge Indikationsstellung auslösender Medikamente
- Vermeidung weiterer neurotoxischer Substanzen (Alkohol, berufliche Noxen/Chemikalien, optimale Einstellung bei bekanntem Diabetes mellitus)
- bei neuropathischen Schmerzen: Carbamazepin, Gabapentin
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Komplikationen zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Komplikationen
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Komplikationen der durch Antibiotika und Chemotherapeutika ausgelösten Polyneuropathien sind:
- Beteiligung des Rückenmarks (Myeloneuropathie)
- Beteiligung des vegetativen Nervensystems mit Herzrhythmusstörungen, Blasen-/Mastdarmstörungen, erektiler Dysfunktion
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Zusatzhinweise zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Zusatzhinweise
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
- i.d.R. Rückbildung/statischer Verlauf nach Ende der Exposition
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika Literaturquellen zu:
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Literaturquellen
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
2. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart
- (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
- (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
- (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
- (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
- (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
- (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
Assoziierte Krankheitsbilder zu Polyneuropathien durch Antibiotika und Chemotherapeutika
- Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie
- Diabetische Polyneuropathie
- Polyneuropathie bei rheumatoider Arthritis
- Polyneuropathien durch Antirheumatika
- Hepatische Polyneuropathie
- Polyneuropathie bei akuter, intermittierender Porphyrie
- Polyneuropathie bei Amyloidosen
- Polyneuropathie bei Kryoglobulinämie
- Polyneuropathie bei Schilddrüsenkrankheit
- Polyneuropathie bei Urämie
- Polyneuropathie bei Vitaminmangel und Malresorption
- Polyneuropathie beim Sjögren-Syndrom
- Polyneuropathie beim systemischen Lupus erythematodes
- Polyneuropathien durch Antiepileptika und Antidepressiva
- Polyneuropathien durch Herz-Kreislaufmittel
- Zytostatika
- Dysproteinämische und paraneoplastische Polyneuropathien
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