Polyhydramnion

Synonyme: Hydramnion, Polyhydramnie, Fruchtwasservermehrung

Definition

Polyhydramnion

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Polyhydramnion [1]

  • Vermehrte Fruchtwassermenge am Geburtstermin
  • 1500 ml- 2000 ml: reichlich/ viel Fruchtwasser; Hydramnion
  • Ab 2000 ml: Polyhydramnion

Ätiologie

Polyhydramnion

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Ursachen für ein Hydramnion bzw. Polyhydramion: [1]

  • Vermehrte Produktion von Fruchtwasser
  • Verminderte Resorption durch das Kind

Ein Ployhydramnion kommt assoziiert mit diversen Erkrankungen vor:

  • idiopathisch
  • Begleiterscheinung bei Rhesusunverträglichkeiten
  • Begleiterscheinung bei Diabetes mellitus
  • Begleiterscheinung bei Mehrlingsschwangerschaften
  • Z.B. bei fetalen Infektionen (Toxoplasmose, Listeriose, Zytomegalie)
  • kongenitale Anomalien (z.B. intestinale Atresie)
  • genetische Störungen (z.B. Trisomie 18 oder 21)
  • bei fetaler Anämie
  • bei neuromuskulären Störungen des Kindes
  • bei maternaler Hyperkalzämie

Epidemiologie

Polyhydramnion

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Epidemiologische Daten zu Hydramnion bzw. Polyhydramion[1]

  • In 30% der Fälle haben die Kinder Fehlbildungen (z.B. Lippen-Kiefer- Gaumenspalte)
  • > 50% der Kinder werden nach Polyhydramnion gesund geboren
  • bei 0,7% der Geburten kommt ein Polyhydramnion vor [4]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Polyhydramnion

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Anamnese bei Hydramnion

  • Wann und von wem wurde die letzte Vorsorgeuntersuchung durchgeführt?
  • Besteht eine Mehrlingsschwangerschaft?
  • Wann wurde die letzte Ultraschalluntersuchung durchgeführt?
  • Wurden dabei Auffälligkeiten bzgl. der Fruchtwassermenge festgestellt?
  • Wurde bei der Mutter im Rahmen der Blutuntersuchungen ein negativer Rhesusufaktor festgestellt?
  • Besteht bei der Mutter ein bekannter Diabetes mellitus, oder trat dieser evtl. erst während der Schwangerschaft in Erscheinung?
  • Wurde bei der Mutter eine Untersuchung des Blutes auf Toxoplasmose durchgeführt?
  • Gibt es besondere Vorerkrankungen der Mutter?
  • Gab es vorherige Schwangerschaften?
  • Wie viele?
  • Gab es vorherige Geburten?
  • Wie viele?
  • Gab es bei diesen Schwangerschaften und Geburten Komplikationen oder Auffälligkeiten des Kindes?
  • Wurden die Kinder gesund geboren?

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Diagnostik

Polyhydramnion

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Feststellung eines Hydramnions:

Meist im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen

1. Sonographie [2]

  • zur Untersuchung der Versorgung des Kindes, Größe, auf Fehlbildungen hin. In einer Untersuchung war bei leichtem, mittlerem und schwerem Polyhydramnion die Rate an fetalen Anomalien 8, 12 bzw. 31%. Insgesamt wurden 80% der Anomalien pränatal diagnostiziert. [5]
  • Anomalien der Fruchtwassermenge: festzustellen anhand des amniotic fluid index (AFI)

Bei Feststellung eines Hydramnions bzw. Polyhydramnions kann je nach Verdacht und Klinik erfolgen:

2. Labor:

  • oraler Glukosetoleranztest (Ausschluss Diabetes)
  • Serologie bezüglich Infektionen: z.B. Syphilis, Parvovirus, Zytomegalievirus, Toxoplasmose, Röteln
  • Tests bezüglich hereditärer Anämien (Thalassämie etc.)

3. evtl. Amniozentese:

  • zur Karyotypisierung und ggf. zum Nachweis einer Infektion beim Kind
  • Rate der Aneuploidie bei Polyhydramnion ca. 10%, bei normalem Ultraschall 1% [5]

Klinik

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Symptome bei Hydramnion bzw. Polyhydramnion: [1]

  • Übermäßig gedehnter Bauch
  • Uterus druckempfindlich
  • Fundusstand weiter oben als Schwangerschaftswoche entsprechend
  • Kind schlecht zu tasten und sehr beweglich
  • Herztöne des Kindes schwer abzuleiten

Therapie

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Vorgehen bei Hydramnion bzw. Polyhydramnion: [1]

  • regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
  • ggf. Blutzuckerspiegel der Mutter besser einstellen
  • kindl. Urinproduktion kann evtl. mit Indometacin 3mg pro kg KG vermindert werden [3]
  • evtl. Reduktion der Amnionflüssigkeit (allerdings keine Studien verfügbar)

Geburt bei Hydramnion bzw. Polyhydramnion: [1]

  • meist Wehentropf nötig [3]: Oxytocin initial 1-2 milli-IE/ min i.v., Dauerinfusion alle 15 Min. um 1-2 milli-IE/ min steigern; max.20-30 milli-IE/ min.
  • ggf. Amniotomie (Eröffnung der Fruchtblase), langsames Ablassen des Fruchtwassers (immer 500-1000ml)
  • Hebamme schiebt dabei von außen Kind in Beckeneingang
  • Wehentropf nach Amniotomie abstellen!

Komplikationen

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Komplikationen bei Hydramnion [1]

  • Primäre Wehenschwäche (Uterusüberdehnung)
  • Lageanomalie
  • Nabelschnurvorfall
  • Vorzeitige Plazentalösung nach Blasensprung (Druckabfall)
  • Atonische Nachblutungen (Wehenschwäche)
  • 2-5fach erhöhte perinatale Mortalität [6]
  • während der Schwangerschaft bei der Mutter: Hypertonie, Harnwegsinfektionen
  • statistisch: höhere Rate an Sectios, geringere Apgar-Werte nach 5 Minuten, höheres Geburtsgewicht, mehr Aufnahme auf die Neugeborenen-Intensivstation []

Zusatzhinweise

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Zur Zeit gibt es keine Zusatzhinweise zum Hydramnion.


Literaturquellen

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  1. Hebammenkunde, Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf, 2. Überarbeitete Auflage, Herausgeber: Ch. Geist, U. Harder, A. Stiefel, Verlag de Gruyter
  2. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht (AG MedR); Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge, Register NR. 015/044, Stand August 2010
  3. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main
  4. Dashe JS, McIntire DD, Ramus RM, Santos-Ramos R, Twickler DM (2002): Hydramnios: anomaly prevalence and sonographic detection. Obstet Gynecol. 100(1):134.
  5. Dashe JS, McIntire DD, Ramus RM, Santos-Ramos R, Twickler DM (2002): Hydramnios: anomaly prevalence and sonographic detection. Obstet Gynecol. 100(1):134.
  6.  Magann EF, Chauhan SP, Doherty DA, Lutgendorf MA, Magann MI, Morrison JC (2007): A review of idiopathic hydramnios and pregnancy outcomes. Obstet Gynecol Surv. 62(12):795.
  7.  Magann EF, Doherty DA, Lutgendorf MA, Magann MI, Chauhan SP, Morrison JC (2010): Peripartum outcomes of high-risk pregnancies complicated by oligo- and polyhydramnios: a prospective longitudinal study. J Obstet Gynaecol Res. 36(2):268.

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