Polioviren

Synonyme: Kinderlähmung, Poliomyelitis, epidemica anterior acuta, Polio, Heine-Medin-Krankheit

Definition

Polioviren

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  • Infektion mit neurotropen Viren,
  • aus der Familie der Picornaviridae

Ätiologie

Polioviren

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  • Infektion von:
  • motorischen Vorderhornzellen des Rückenmarks,
  • Nervenzellen des Stamm- , Mittelhirns,
  • Stammganglien
  • motorischer Kortex
  • drei Serotypen des Poliovirus
  • Typ I = Brunhilde, aggressivster Typ
  • Typ II = Leon
  • Typ III = Lansing
  • keine Kreuzimmunität

Epidemiologie

Polioviren

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  • 2005 weltweit 1414 Fälle
  • „poliofrei" zertifiziert: Amerika 1994, Westpazifik 2000, Europa 2002
  • letzter autochthone Poliofall in Deutschland 1990
  • letzter importierter Fall 1992
  • Die Übertragungsweg: fäkal-oral oder Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 7-14 Tage
  • wenige Stunden nach der Infektion schon infektiös
  • Virusausscheidung: im Speichel 1 Woche über Stuhl 3-6 Wochen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Polioviren

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  • Fieber?
  • Halsschmerzen?
  • Abgeschlagenheit?
  • gastroenteritische Beschwerden?
  • Meningitiszeichen?
  • Fieber um 39 °C?
  • Kopfschmerzen?
  • Nackensteifigkeit?
  • Liquorpleozytose?
  • Adynamie?
  • schlaffe Lähmung?
  • Paresen asymmetrisch?
  • proximale Muskelgruppen der unteren Extremitäten betroffen ?
  • Schweißausbrüche?
  • Tachykardie?
  • Hypertonie?

Diagnostik

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  • Virus- bzw. Nukleinsäurenachweis: Kultur bzw. PCR
  • Stuhl
  • Rachenspülwasser
  • Liquor
  • Untersuchung von 2 Blutproben im Abstand von 10-14 Tagen:
  • vierfacher Titeranstieg im Neutralisationstest oder in der Komplementbindungsreaktion sprechen für eine akute Infektion
  • Bei aseptischen Meningitis: Nachweis von Liquorpleozytose: erst Granulozytose -> später Lymphozytose

Klinik

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  • oft subklinischer Verlauf
  • Fieber
  • Halsschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • gastroenteritische Beschwerden für 1-3 Tage
  • Bei 5-10% der Infizierten: 3.-7. Tag:
  • ZNS-Infektion
  • aseptische Meningitis
  • Fieber um 39 °C
  • Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Liquorpleozytose
  • Bei 1% aller Patienten:
  • klassische paralytische Kinderlähmung
  • Adynamie
  • schlaffe Lähmung
  • Paresen asymmetrisch, oft proximale Muskelgruppen der unteren Extremitäten 
  • Wenn Rückenmarksegmente betroffen:
  • Rumpf-, Blasen- und Mastdarmmuskulatur, die Interkostalmuskulatur
  • Zwerchfell (Phrenikusparese)
  • Vegetative Begleitsymptome: Schweißausbrüche, Tachykardie, Hypertonie
  • keine Sensibilitätsstörungen
  • bulbäre, bulbopontine (Hirnnervenbeteilung) enzephalitische Form der Poliomyelitis
  • Es kann auch Jahrzehnte später zu einem „Postpoliomyelitis"-Syndrom kommen = klinische Verschlechterung mit erneutem Muskelschwund/ Ermüdungserscheinungen und Schmerzen

Therapie

Polioviren

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  • symptomatische Therapie
  • strenge Bettruhe, weil jede Belastung zu weiteren Paresen führen kann
  • Sorgfältige Pflege
  • richtige Lagerung
  • Physiotherapie
  • Analgetika und Antiphlogistika
  • intensivmedizinische Überwachung bei komplizierten Verläufen

Komplikationen

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Zusatzhinweise

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  • Prophylaxe: aktive Immunisierung mit Totimpfstoff nach Salk seit 1998

Literaturquellen

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  1. Mayatepek E. (2007) - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  2. Friedrich Carl Sitzmann (2006) - Duale Reihe - Pädiatrie - Taschenbuch-Georg Thieme Verlag
  3. Kiess, Merkenschlager, Pfäffle, Siekmeyer  (2008) -Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier, Urban & Fischer Verlag

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