Poliomyelitis

Synonyme: Poliomyelitis acuta anterior, Heine-Medin, Polio, Kinderlähmung

Definition

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Als Poliomyelitis bezeichnet man eine Infektionskrankheit durch Poliovirus (Typ 1-3) hervorgerufen.

Diese Erkrankung ist heute in den Industrienationen selten (oralen Lenenvakzine-Schutzimpfung).

  • Übertragung durch Schmutz-Schmier-Infektionen
  • neurotropes Virus, das sich hämatogen ausbreitet, Inkubationszeit 1-3 Wochen
  • Befall der motorischen Vorderhornzellen des Rückenmarks sowie motorischer Hirnstammkerne

Ätiologie

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Ursachen einer Poliomyelitis:

  • Das Virus wird in der Regel durch den Mund in den Körper aufgenommen und vermehrt sich im Darm
  • Von dort aus befällt es zunächst die lokalen Lymphknoten und verteilt sich nach Vermehrung über die Blutbahn
  • Dabei gelangt es bevorzugt in Nervenzellen im Vorderhorn des Rückenmarks
  • Als Reaktion auf die Infektion wandern Leukozyten ins Rückenmark ein, wobei eine Entzündung die Nervenzellen letztlich zerstört
  • Neben dem Befall des Rückenmarks ist bei der paralytischen Verlaufsform fast immer auch das Gehirn selbst mitbetroffen, v.a. im Bereich des Kleinhirns, der Brücke und des verlängregelerten Marks treten entzündliche Infiltrate und Nervenzelluntergänge auf

Epidemiologie

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Der Erreger der Poliomyelitis ist außer in Polargebieten weltweit zu finden.

Durch konsequente Impfmaßnahmen ist das häufige Auftreten der Erkrankung auf Gebiete in Afrika und Asien zurückgedrängt worden.

Die letzte Ansteckung in Deutschland erfolgte 1990.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnestisch zu erhebende Daten einer Poliomyelitis sind:

  • zunehmenden Schwächen?
  • unspezifische Krankheitszeichen (Fieber, Übelkeit, Halsschmerzen, Muskel- und Kopfschmerzen) - nur bei etwa 4-5% der Pat.
  • auftretende Lähmungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Poliomyelitis eignet sich vor allem die Lumbalpunktion:

  • Pleozytose bis 1000/3 Zellen, erst granulozytäre, dann lymphozytäre Pleozytose und leichte bis mäßige Eiweißvermehrung

Klinik

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Bei 1-2% der Patienten mit einer Poliomyelitis kommt es zu neurolog. Infektsymptomen.

Hinzu kommen Lähmungen; die Sensibilität ist nicht betroffen.

Die Poliomyelitis verläuft in 4 Stadien:

  1. Prodromalstadium, katarrhalisches, meningitisches Stadium über wenige Tage
  2. Paralytisches Stadium (schlaffe, oft asymetrische Paresen, meist spinale und bulbäre Manifestation, Faszikulationen und rasche Entwicklung von Atrophien, schließlich Atemlähmung)
  3. Reparationsstadium mit Rückbildungsmöglichkeit der Lähmungen
  4. Spätstadium

Post-Polio-Syndrom:

  • langsam progrediente Paresen und Muskelatrophien der ursprünglich betroffenen Muskelgruppen

Therapie

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Als Behandlung einer Poliomyelitis eignen sich:

orthopädische Therapie im Spätstadium:

  • Krankengymnastik
  • operative Maßnahmen (insbes. Sehnentransfer)


Post-Polio-Therpie:

  • keine kausale Therapie bekannt
  • symptomatisch mit Krankengymnastik, OPs, orthopädietechnischen Maßnahmen

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen einer Poliomyelitis sind:

orthopädische Komplikationen:

  • zunehmende Deformitäten (Genu recurvatum, Spitzfuß, Balenhohlfuß, Klumpfuß, Skolosen)
  • Muskelungleichgewicht und Kontrakturen
  • Muskelatrophien

sehr seltene Komplikation:

  • Lähmung der Atemmuskulatur

Zusatzhinweise

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Es liegen derzeit keine zusätzlichen Hinweise zur Poliomyelitis vor.


Literaturquellen

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Breusch S, Clarius M, Mau H, Sabo D (2009) - Klinikleitfaden, Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, München

Möckel E, Mitha N (2009) - Handbuch der pädiatrischen Osteopathie - Urban & Fischer, München

  • (2009) Niethard F, Pfeil J - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
  • (2010) Wülker Nikolaus - Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
  • (2005) Rössler H, Rüther Wolfgang - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (1998) Krämer J, Grifka J, Hedtmann A, Krämer R - Orthopädie - Springer
  • (1996) Zippel H - Orthopädie systematisch - Uni Med. Verlag AG
  • (1989) Weber U., Zilch H - Orthopädie mit Repetitorium - Gruyter

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