Plexusschäden

Synonyme: radiogene Plexopathie

Definition

Plexusschäden

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Plexusschäden sind Läsionen der Nervenplexus der oberen oder unteren Extremität  bzw. deren Äste durch radioaktive Strahlung, die meist iatrogen bedingt ist.


Ätiologie

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Die Ursachen der Plexusschäden sind:

  • radioaktive Strahlung ab einer bestimmten Dosis:
  • Strahlungsquellen: therapeutische Bestrahlung von Neoplasien (Bronchial-Ca, Mamma-Ca, Ösophagus-Ca, spinale Neoplasien), selten Havarien in kerntechnischen Anlagen
  • betroffene Lokalisationen: zervikal > lumbal
  • Risiko wächst mit Einzeldosen mehr als mit Gesamtstrahlungsdosis

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Angaben zu Plexusschäden liegen nicht vor.

  • seltener als Strahlenmyelitis

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Plexusschäden sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • vorausgegangenes Trauma, Bestrahlung?
  • Dosierung und Bestrahlungsschema?
  • bekannte bösartige Vorerkrankungen?
  • weitere Ausfälle (Schluckstörungen, Heiserkeit, Sehstörungen, Atemnot)?
  • Schmerzen?
  • Sensibilitätstörungen/Lähmungen und deren Ausfallsmuster?
  • Muskelschwund?
  • Gangstörungen?
  • Ausmaß der Bewegungseinschränkung?
  • Blasen-/Mastdarmstörungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Plexusschäden sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: sichtbare Muskelatrophie, verändertes Glutealfaltenrelief, Sensibilitätstestung, Kraftprüfung, Reflexe Trendelenburg-/Duchennezeichen, Steppergang
  • Elektrophysiologie: EMG, NLG, evtl. sensible NLG; nadelmyographisch nachweisbare periodische Entladungen einzelner Einheiten
  • bildgebende Verfahren: spinales(axilläres MRT zur Abklärung der DD Neoplasie, bei V.a. Fraktur oder Raumforderung im kleinen Becken (CT-/MRT-Becken), retroperitoneale Prozesse, evtl. Myelo-CT
  • Schweißsekretionstest: bei peripherer Läsion pathologisch, unauffällig bei Wurzelläsion (vegetative Fasern treten erst nach dem Spinalganglion hinzu)

Klinik

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Plexusschäden können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Symptome abhängig von betroffenen Nerven und Höhe der Läsion

Plexus cervikobrachialis:

1.) Obere Plexuslähmung: → eher strahlenassoziiert

  • Paresen: v.a. der Armabduktion und -aussenrotation und der Ellenbogenbeugung
    Ausfall der: Mm. deltoides, supra- und infraspinatus, pectoralis, biceps, supinator und – selten – triceps → Arm hängt schlaff innen rotiert nach unten
  • selten N. phrenicus (C4) mitbetroffen → Dyspnoe
  • Sensibilitätstörung: an Schulter, Oberarmaußenseite, radialer Unterarm
  • Ausfall des BSR und des RPR, TSR meist erhalten

2,) Untere Plexuslähmung: → eher Tumorinfiltration

  • Paresen: v.a. der kleinen Handmuskeln, der langen Finger- und Handbeuger
  • Sensibilitätstörung: an ulnarer Seite der Finger, Handkante und Unterarm
  • Horner-Syndrom relativ typisch (Ptosis, Miosis, Enopthalmus)
  • Ausfall des TSR und des Trömner-Reflexes
  • evtl. Pfötchenstellung

Plexus lumbosacralis:

Paresen:

  • Plexus lumbalis (L1-L4): Paresen der Hüftbeuger, -rotatoren sowie -adduktoren und Kniestrecker, Ausfall des Adduktorenreflexes und des PSR
  • Plexus sacralis (L5-S1): ischiokrurale Muskulatur, Fußheber, Fußstrecker, Gesäßmuskeln, Ausfall des TPR und des ASR

Sensibilitätsstörungen:

  • Plexus lumbalis: laterale Hüft- und Leistenregion, lateraler Oberschenkel, gesamter OS, medialer US und Fuß
  • Plexus sacralis:Unterschenkel, Fuß- und Zehenrücken

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei den Plexusschäden umfassen folgendes:

  • keine kausale Therapie verfügbar
  • Therapieversuch mit Glukokortikoiden
  • antispastische Therapie mit Baclofen und Benzodiazepinen
  • analgetische Therapie
  • Physio- und Ergotherapie

Komplikationen

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Bei den Plexusschäden kommen folgende Komplikationen vor:

  • Muskelatrophie
  • Kontrakturen
  • Ateminsuffizienz bei Zwerchfellbeteiligung

Zusatzhinweise

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Zu den Plexusschäden liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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1. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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