Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

Synonyme: Mundbodenkarzinom, Mundhöhlenkrebs

Definition

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

Bearbeitungsstatus ?

Das Plattenepithelkarzinom ist die häufigste maligne Entartung der Mundhöhle (95%).


Ätiologie

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Risikofaktoren für ein Plattenepithelkarzinom sind:

  • Rauchen
  • Alkoholabusus, v.a. "Hochprozentiges"
  • mangelnde Mundhygiene (Zahnstatus)
  • gehäuftes Vorkommen in der Familie

Nicht selten bilden sich Tumoren auf dem Boden einer Leuko- oder Erythroplakie.


Epidemiologie

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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  • 3-4% aller malignen Entartungen in der westlichen Welt sind Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle.
  • Gesamtinzidenz ca. 10/100.000 p.a. (in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen)
  • Männer sind häufiger betroffen als Frauen m:w = 3:1
  • Tritt meist im mittleren bis höheren Alter auf (Gipfel etwa zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr)

Differentialdiagnosen

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Anamnese

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Beim Plattenepithelkarzinom ist wichtig zu wissen:

  • seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Risikoverhalten?
  • Raucher?
  • Alkoholkonsum?
  • Schluckbeschwerden?
  • Blut im Speichel?
  • Blutungen bei Kontakt?
  • Schmerzen? Evtl. auch ausstrahlend?
  • Nervenausfälle? Lähmungen?
  • unangenehmer Mundgeruch?
  • Probleme beim Sprechen?

Diagnostik

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Diagnostisch relevant beim Plattenepithelkarzinom ist:

  • Anamnese

Inspektion:

  • Invasiv wachsende Neubildung
  • ulzerös oder exophytisches Wachstum
  • oft leicht blutend

Palpation:

  • bimanuelle Palpation des Tumors
  • Tiefe oft größer als visueller Befund vermuten lässt
  • Suchen nach geschwollenen Lymphknoten(-metastasen) - immer beidseits!

weitere Untersuchungen:

  • Sonographie des Mundbodens zur Bestimmung der Tumorausdehnung und zur Beurteilung von Halslymphknoten
  • Panendoskopie (Ausschluss eines Zweitkarzinoms)
  • evtl. CT oder MRT
  • evt. internistisches Konsil zur Feststellung weiterer Metastasen
  • Biopsie / chirurgische Entfernung mit histologischer Aufarbeitung der Neoplasie

Klinik

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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  • Lokalisation des Plattenepithelkarzinoms:
  1. in 75% im hinteren Anteil der Zunge gelegen, ansonsten auch
  2. Mundboden
  3. Wangenschleimhaut
  4. Zungenspitze
  • der Tumor kann unter Umständen lange asymptomatisch sein.
  • mögliche erste Symptome:
  1. Schluckbeschwerden
  2. Schmerzen
  3. blutiger Speichel
  4. Artikulationsstörungen

Therapie

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Chirurgische Therapie des Plattenepithelkarzinoms ist:

  • Wenn möglich operative Resektion.
  • Möglichst unter Einhaltung von 2 cm Sicherheitsabstand im Gesunden
  • mindestens tumorseitige Neck-dissection
  • bei Mittellinientumoren oder Lymphknotenmetastasen beidseitig.

Radiotherapie des Plattenepithelkarzinoms ist:

  • Bei T2-T3 Klassifikation, ergänzend bei Inoperabilität oder Ablehnung einer OP durch den Patienten

weitere Maßnahmen:

  • Es kann unter Umständen auch eine Radiochemotherapie oder Chemotherapie erwogen werden.
  • Lokalrezidive können eine Indikation für eine Afterloading-Therapie sein
  • Evtl. (vorübergehende) Ernährung über nasogastrale Sonde bei defektem Schluckakt.
  • Nachkontrollen.

Defektdeckung:

  • so weit wie sinnvoll und möglich Defektrekonstruktion und Defektdeckung
  1. durch Lappenplastiken
  2. Rekonstruktion der Mandibula u.a.

Komplikationen

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Mögliche Komplikationen des Plattenepithelkarzinoms sind:

  • Metastasierung
  • Inoperabilität
  • Rezidive
  • Blutungen
  • Nervenschädigungen durch invasives Wachstum
  • chronische Schmerzen, z.B. durch Glossopharyngeusparese
  • Kachexie
  • Letaler Ausgang
  • Therapiefolgen:
  1. Xerostomie
  2. Hypothyreose
  3. Osteoradionekrose
  4. Weichgewebsfibrose

Zusatzhinweise

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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Zusatzhinweise zum Plattenepithelkarzinom sind:

Bei etwa jedem 5.-6. Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle treten entweder bereits um den Zeitpunkt der Diagnosestellung herum oder im weiteren Verlauf Zweitneoplasien auf. Grund dafür sind zum Teil identische Risikofaktoren für diese Karzinome.

TNM-Klassifikation: [9]

T : Primärtumor

T1 - Tumordurchmesser < 2 cm

T2 - Tumordurchmesser 2-4 cm

T3 - Tumordurchmesser > 4 cm

T4 - infiltrierendes Wachstum, unabhängig vom Tumordurchmesser

N : Regionäre Lymphknoten:

N0 - kein Hinweis auf reg. LK-Metastasen

N1 - LK-Metastasen in einem reg. LK bis 3 cm Durchmesser (ipsilateral)

N2 / N2a - LK-Metastasen in einem reg. LK zwischen 3 und 6 cm Durchmesser (ipsilateral)

N2b - LK-Metastasen in mehreren reg. LK bis 6 cm Durchmesser (ipsilateral)

N2c - LK-Metastasen in einem oder mehreren reg. LK bis 6 cm Durchmesser (kontra- oder bilateral)

N3 - LK-Metastasen in einem oder mehreren reg. LK über 6 cm Durchmesser

M: Fernmetastasen:

M0 - keine Fernmetastasen

M1 - Fernmetastasen

Prognose abhängig von der TNM-Klassifikation. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt [1]:

  1. ohne Metastasen: 76%
  2. bei Lymphknotenmetastasen: 41%
  3. bei Metastasen unterhalb des Halses: 9%

Literaturquellen

Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle

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  1. (2008) Böcker W, Denk H, Heitz P U - Pathologie - Urban & Fischer
  2. (2005) Arnold W, Ganzer U - Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde - Thieme
  3. (2004) Hiddemann W, Huber H, Bartram C R - Die Onkologie. Teil 2: Solide Tumoren, Lymphome, Leukämien - Springer Verlag
  4. (2008) Zener H - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie, Rehabilitation - Schattauer Verlag
  5. (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  6. (2003) Werner J A, Lippert B M - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  7. (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG
  8. (1990) Ganz H - Lehrbuch Hals-Nasen-Ohren Heilkunde - De Gruyter
  9. (2006) Siewert J R - Chirurgie - Springer Verlag

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