Phobischer Attacken-Schwankschwindel

Synonyme: phobischer Attackenschwindel, Schwindel, Attacken- Schwankschwindel

Definition

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Der phobische Attacken- Schwankschwindel ist ein Schwindel der in Attacken plötzlich auftritt und zu einer Gang- und Standunsicherheit bzw. Fallneigung beitragen kann.

  • trotz wiederholter Untersuchungen bei einem HNO-Facharzt ergeben sich jedoch keine Krankheitsbefunde, die auf eine Funktionsstörung im Innenohr bzw. Gleichgewichtsorgan hinweisen
  • zur Unterscheidung zwischen einem neurologisch bzw. durch eine Innenohrproblematik ausgelöste Ursache und einer hauptsächlich psychogenen Ursache ist besonders der sog. Nystagmus-Test wichtig
  • ergeben sich also keinee Hinweise auf eine neurologische Erkrankung (z.B. durch eine Entzündung oder Durchblutungsstörung im Gross- oder Kleinhirn) oder aber einer Innenohrschädigung, kann es durchaus im Rahmen einer psychischen Belastung oder Angststörung zu Schwindelsymptomen kommen

Ätiologie

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Die Ursachen des phobischen Attacken- Schwankschwindels sind:

  • Belastungssituationen führen über eine psychogene Reaktionsbildung zum phobischen Attackenschwindel
  • häufig wird ein sekundärer Krankheitsgewinn erlangt, der die Chronifizierung der Beschwerden fördert

Epidemiologie

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Genaue epidemiologische Daten zum phobischen Attacken- Schwankschwindel sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • ist die dritthäufigste Schwindelform (nach der Neuronitis vestibularis und dem beningen paroxysmalen Lagerungsschwindel)

Differentialdiagnosen

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Anamnese

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Beim phobischen Attacken- Schwankschwindel sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Benommenheit?
  • Schwankschwindel mit Gang und Standunsicherheit, jedoch ohne organischen Befund?
  • Schwindel mit Vernichtungsangst, die aber rasch verdrängt wird, so das die normalen Tätigkeiten wieder aufgenommen werden können? -> wichtig zur Unterscheidung von organischen Schwindelformen!

Diagnostik

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Zur diagnostischen Abklärung des phobischen Attacken- Schwankschwindels sind relevant:

  • Grundlage ist eine ausführliche Anamnese sowie eine gründliche neurologische Untersuchung
  • weiterhin sollten eine Funktionsprüfung des Vestibularorgans (z.B. rotatorische Prüfung, thermische Prüfung) und ggf. eine Angiographie erfolgen
  • eine Polyneuropathie kann durch   Elektroneurographie ausgeschlossen werden

Klinik

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Der phobische Attacken- Schwankschwindel kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Patienten erleiden ihn in bestimmten sozialen Situationen (Kaufhäuser, Restaurants, Konzerte, Besprechungen, Empfänge) oder angesichts typischer auslösender Sinnesreize (Brücken, leere Räume, Treppen, Straßen, Autofahren)
  • Schwindel entspricht von seiner Erlebnisqualität her dem Höhenschwindel und ist durch die Kombination eines Benommenheitsgefühls mit subjektiver Stand- und Gangunsicherheit sowie einer Crescendo-Vernichtungsangst charakterisiert
  • im Unterschied zur Agoraphobie oder unspezifischen Panikattacken klagen die Patienten mit phobischem Attackenschwindel nicht in erster Linie über die ‘Angst’, sondern über den ‘Schwindel’, der allenfalls die schreckliche Angst ausgelöst habe
  • sie fühlen sich organisch krank
  • zum Schwindel führende Sinnesreize und Situationen können rasch konditioniert werden und sich generalisieren
  • es bildet sich ein entsprechendes Vermeidungsverhalten aus

Therapie

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim phobischen Attacken- Schwankschwindel umfassen folgendes:

  • dem Vorschlag einer Psychotherapie gegenüber sind die Patienten gewöhnlich nicht aufgeschlossen
  • Verhaltenstherapie wird empfohlen
  • wichtig ist die Aufklärung über die krankmachende Situation: die Übersensibilisierung auf das eigene Körpergleichgewicht
  • aufgrund der Ähnlichkeit mit Panickattacken kann auch der Versuch einer Therapie mit modernen Antidepressiva (SSRI- Typ) versucht werden z.B. Fluoxetin

Komplikationen

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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Beim phobischen Attacken- Schwankschwindel kommen folgende Komplikationen vor:

  • starkes Vermeidungsverhalten

Zusatzhinweise

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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  • wenn bereits eine Chronifizierung erfolgt ist, ist die Prognose eher ungünstig
  • ansonsten ist jedoch ein vollständiges Verschwinden der Beschwerden möglich, wenn die Patienten krankheitseinsichtig sind und die Therapie adäquat ist

Literaturquellen

Phobischer Attacken-Schwankschwindel

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  • Poeck,Hacke, Neurologie, Springer Verlag
  • Masuhr, Neumann, Duale Reihe Neurologie, Thieme Verlag
  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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