Pathologischer Rausch

Synonyme: komplizierter Rausch

Definition

Pathologischer Rausch

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Der pathologische Rausch ist eine akute alkoholbedingte, exogene Psychose von kurzer Dauer durch verminderte Alkoholtoleranz.


Ätiologie

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Die Ursachen des pathologischen Rausches sind:

Verminderte Alkoholtoleranz bei:

  • Hirnerkrankungen
  • schweren Allgemeinerkrankungen
  • körperlicher und seelischer Erschöpfung
  • langjährigem Alkoholabusus

Eine individuelle Disposition zur Entwicklung eines pathologischen Rausches als Sonderform der akuten exogenen Psychose wird postuliert.


Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Daten zum pathologischen Rausch sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • im Verhältnis zum einfachen Rausch sehr selten

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim pathologischen Rausch sind folgende Informationen von Bedeutung:

Fremdanamnese entscheidend:

  • bekannter Alkoholabusus?
  • bekannte disponierende Vorerkrankungen?
  • Häufigkeit und Kontext der Rauschzustände?
  • übliche Trinkmenge und Art des Alkohols?
  • Fragen nach der Suchtkarriere (weiterer Substanzmissbrauch)?
  • weitere (nicht-psychotische) Symptome?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des pathologischen Rauschs sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: evtl. alkoholbedingte neurologische Schäden: vermindertes Vibrationsempfinden, Ataxie, Sensibilitätstörungen
  • psychiatrische Exploration/Evaluation: sofern möglich; Fremdanamese!
  • Labor: Blutalkoholspiegel, Drogen-Screening, Blutbild (MCV, MCH), B-Vitamine, evtl. CDT, internistische Untersuchung
  • Kontrolle der Vitalparameter: Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Temperatur

Klinik

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Der pathologische Rausch kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • häufig bereits durch niedrige Alkoholmengen ausgelöst
  • Dauer in der Regel < 1 h
  • in der Mehrzahl der Fälle Dämmerzustand
  • persönlichkeitsfremde Verhaltensstörungen
  • Aggressivität
  • Störung von Orientierung und Bewußtsein
  • Angst und Gereiztheit
  • Halluzinationen
  • Amnesie
  • Mündung in depressives Erschöpfungsstadium oder Schlaf

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim pathologischen Rausch umfassen folgendes:

  • Therapie wegen kurzer Dauer oft nicht möglich bzw. nicht nötig
  • bei Fremd- oder Selbstgefährdung: Benzodiazepine wie Diazepam oder Lorazepam

Komplikationen

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Beim pathologischen Rausch kommen folgende Komplikationen vor:

  • rauschbedingte Unzurechnungsfähigkeit/Kontrollverlust; Risiko von Unfällen etc.
  • alkoholbedingte Folgeerkrankungen: Polyneuropathie, Hirnatrophie mit Demenz, Wernicke-Enzephalopathie, Korsakow-Syndrom, Zentrake pontine Myelinolyse, Marchiafava-Bignami-Krankheit, epileptische Anfälle, Leberschäden, Malignome, Pankreatitis, Ösophagusvarizen, Kardiomyopathie

Zusatzhinweise

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  • pathologischer Rausch mit Amnesie mit forensischer Bedeutung bei Feststellung der Schuld(un)fähigkeit

Literaturquellen

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  1. (2006) Poeck K, Hacke W  – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg
  2. (2007) Gleixner C, Müller M, Wirth S  - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
  3. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  4. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  5. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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