Parotitis

Synonyme: Ziegenpeter, Bauernwetzel, Wochentölpel, Ohrspeicheldrüsenentzündung

Definition

Parotitis

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Bei der Parotitis handelt es sich um eine Entzündung der Speicheldrüse.


Ätiologie

Parotitis

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Zu den Ursachen der Parotitis zählen:

Infektiöse Ursachen:

  • Erregereinwanderung (meist bakteriell) über den Ausführungsgang der Speicheldrüse
  • Gründe dafür können sein: reduzierter Speichelfluss, z.B. bei verminderter Nahrungszufuhr, Immundefizienz, Speichelsteinen
  • selten hämatogene Erregerausbreitung

Erreger der Parotitis:

  • Parotitis acuta: Streptokokken der Gruppe A, Staphylokokken, Anaerobier - oft Mischinfektionen
  • Parotitis epidemica: Mumpsvirus (Schutzimpfung ab dem 11.-14. Lebensmonat möglich)

Allergien

Folge einer Immunerkrankung:

  • Sjögren-Syndrom: myoepitheliale Sialadenitis
  • Heerfordt-Syndrom: epitheloidzellige Sialadenitis

Bestrahlungsfolge


Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Parotitis sind derzeit keine Daten verfügbar.


Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Parotitis

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Bei der Parotitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Welche Beschwerden bestehen? Seit wann?
  • bestehen Schmerzen? wo? Wangenschmerzen?
  • Schmerzen beim Kauen?
  • Schwellung im Gesicht aufgetreten?
  • Fieber?
  • andere Beschwerden? Bauchschmerzen? Übelkeit? Erbrechen? Kopfschmerzen?
  • Hat sich das Hören verschlechtert? Ohrenschmerzen?
  • ist die Menge an Speichel geringer geworden?
  • ähnliche Fälle in der Umgebung?
  • Impfstatus? Impfpass?
  • bereits durchgemachte Mumpserkrankung?
  • andere Vorerkrankungen bekannt? Immunschwäche? Immunerkrankungen? Speichelsteine?
  • wurde eine Bestrahlung vorgenommen?
  • welche Medikamente werden eingenommen?

Diagnostik

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Diagnostisch relevant bei der Parotitis sind:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung:
  • Inspektion und Palpation der Gl. parotis: Schwellung der Drüse? uni- oder bilateral? Konsistenz (teigig), Druckdolenz, Schwellung und Rötung des Ausführungsgangs? Eiteraustritt? Rötung der Haut? Durchbruch nach außen oder in die Mundhöhle? Abstehendes Ohrläppchen?
  • Inspektion und Palpation der Glandula submandibularis: mitbetroffen (häufig)?
  • Temperaturmessung
  • Labor: Diff-BB, CRP, BSG, serologischer Antikörpernachweis (Mumpsviren)
  • Mikrobiologie: Erregernachweis durch Abstrich nach Ausstreichen der Drüse
  • Sonographie der Speicheldrüsen, evtl. Abdomen-Sonographie (bei V.a. Mumps-Infektion)
  • Tonaudiometrie: Innenohrschwerhörigkeit bei Labyrinthitis (Komplikation)
  • evtl. zum Ausschluss von Differentialdiagnosen: Biopsie und histologische Aufarbeitung, Röntgen, MRT, CT, Funktions-Szintigraphie
  • evtl. weitere Abklärung von Komplikationen

Klinik

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Symptome der Parotitis sind:

Parotitis (acuta):                  

  • starke druckschmerzhafte Schwellung/Rötung der Parotisregion
  • Fluktuation und Induration der Drüse
  • Entleerung von Eiter über die Ausführungsgänge (Planum buccale in Höhe der 2. Molaren)
  • verminderter Speichelfluss
  • Fieber

Sonderform Parotitis epidemica:         

  • Fieber
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schwellung der Parotis
  • Häufig entzündete Mundschleimhaut
  • evtl. Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit bei Pankreatitis
  • Verschlechterung des Hörens bei Innenohrbeteiligung
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, verminderte Belastbarkeit bei Meningitis / Meningoenzephalitis

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei einer Parotitis umfassen:

Konservative Behandlung:

  • Behandlung einer Grunderkrankung, z.B. bei Immunschwäche, rheumatischen Erkrankungen
  • Stimulation der Salivation
  • Hydratation
  • Analgetika: z.B. Paracetamol: 3-4x tgl. 10-15mg/kgKG/d, max. 50mg/kgKG/d p.o. (Erwachsene)
  • Antibiotikatherapie bei Parotits acuta: z.B. 3x tgl. Cefuroxim 1,5g i.v. (Erwachsene) oder 30-100mg/kgKG i.v. in 3 ED/d (Kinder)

Chirurgische Therapiemöglichkeiten:

  • Inzision und Drainage
  • Sialadenektomie
  • Schlitzung des Speicheldrüsengangs, evtl. Drainage
  • Ggf. Speicheldrüsenendoskopie mit Therapie von Strikturen o. Entfernung von Steinen
  • Lithotripsie bei Speichelsteinen, nicht im entzündlichen Stadium

Prophylaxe der Parotitis epidemica:

  • aktive Impfung mit Lebendimpfstoff
  • meist Kombinationsimpfung (MMR)
  • 1. Impfung ab dem 11. Lebensmonat möglich, Auffrischung am besten bis zum Ende des 2. Lebensjahres (frühestens 4 Wochen nach der Erstimpfung)

Komplikationen

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Zu den Komplikationen der Parotitis zählen:

Bei der Parotitis acuta:

  • Verletzung / Mitbeteiligung benachbarter Strukturen
  • persistierende Infektion
  • Übergang in einen chronischen Verlauf
  • systemische Ausbreitung der Erreger
  • Rezidive

Bei der Sonderform Parotitis epidemica kommen folgende Komplikationen vor:

  • Meningoenzephalitis: in bis zu 70% der Fälle, kann zur Innenohrschwerhörigkeit führen
  • Mumps-Orchitis: (25 - 30%) während Pubertät, fieberhaft, meist einseitig und schmerzhaft, zusätzlich Epididymitis, kann zur Atrophie führen, bei beidseitigem Befall droht Sterilität
  • Pankreatitis: in bis zu 40% der Fälle

seltener:

  • Adnexitis
  • Thyreoiditis
  • Thymiditis
  • Chorioretinitis
  • Keratitis
  • Retinitis
  • Myokarditis
  • Nephritis
  • Polyarthritis
  • thrombozytopenische Purpura

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zur Parotitis epidemica:

  • Die Parotitis epidemica ist die häufigste Ursache für eine bleibende Schwerhörigkeit bei Kindern (Hörtest nach der Erkrankung)
  • es gibt eine wirkungsvolle Aktivimpfung gegen eine Infektion mit Mumpsviren (auch als Kombinationsimpfung MMR/MMRV verfügbar)
  • erst 9 Tage nach Beginn der Parotitis epidemica ist bei gutem Allgemeinzustand das Besuchen einer Gemeinschaftseinrichtung wieder möglich

Literaturquellen

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  1. (2008) Probst R, Grevers G, Iro H - Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde - Thieme
  2. (2005) Arnold W, Ganzer U - Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde - Thieme
  3. (2007) Sitzmann F C - Pädiatrie - Thieme
  4. (2005) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer
  5. (2008) AWMF-Leitlinie - Speicheldrüseninfektionen - Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)
  6. (2009) AWMF-Leitlinie - Speicheldrüsen Drüsenschwellung - Deutsche Röntgengesellschaft (DRG)

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