Paranoide Schizophrenie
Definition
Paranoide Schizophrenie
Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form der Schizophrenie, bei der hauptsächlich Positivsymptome (z.B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen) und kaum Negativsymptome auftreten.
Paranoide Schizophrenie
Ätiologie
Paranoide Schizophrenie
Die Ursachen der paranoiden Schizophrenie sind:
- genetische Disposition mit polygenem Erbanlage
- Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell (berücksichtigt neurobiologische, psychologische und soziale Faktoren)
- Kommunikationstheorie: Einfluß einer "dominanten schizophrenogenen Mutter"
- high-expressed-emotion-Familien
- Prämorbide schizoide Persönlichkeit
- Überaktivität dopaminerger D2-Rezeptoren im mesolimbischen System
Paranoide Schizophrenie Epidemiologie zu:
Paranoide Schizophrenie
Epidemiologie
Paranoide Schizophrenie
Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form der Schizophrenie.
- Prävalenz für Schizophrenie weltweit: 0,5-1,6%
- Erkrankungsgipfel: 15.-35. Lj.
- Männer erkranken etwa 3–4 Jahre früher als Frauen
Paranoide Schizophrenie Differentialdiagnosen zu:
Paranoide Schizophrenie
Differentialdiagnosen
Paranoide Schizophrenie
- Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Akute schizophreniforme Störung
- Undifferenzierte Schizophrenie
- Katatone Schizophrenie
- Schizophrenie vom hebephrenem Typ
- Klassische adulte Hämochromatose
- Maternale Phenylketonurie
- Morbus Gaucher
- Morbus Niemann-Pick
- Morbus Wilson
- Schizophrenia simplex
- Schizoide Persönlichkeitsstörung
Paranoide Schizophrenie Anamnese zu:
Paranoide Schizophrenie
Anamnese
Paranoide Schizophrenie
Bei der paranoiden Schizophrenie sind folgende Informationen von Bedeutung:
Prodromal Symptome
- Leistungsschwäche?
- Kontaktschwäche?
- Konzentrationsstörung?
- Neigung zu hypochondrischen Beschwerden?
Obligate Symptome
- Feste Wahnvorstellungen?
- Halluzinationen (akustische)?
Ausschließende Symptome
- Affektstörungen?
- Störungen des Willens (Antrieb)?
- Sprachstörungen?
- Katatonie (Starre, beharrliches Schweigen)?
Paranoide Schizophrenie Diagnostik zu:
Paranoide Schizophrenie
Diagnostik
Paranoide Schizophrenie
Zur diagnostischen Abklärung der paranoiden Schizophrenie sind relevant:
Leitsymptome nach ICD-10 der Schizophrenie:
- Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung
- Kontroll- oder Beeinflussungswahn; Gefühl des Gemachten bzgl. Körperbewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen
- Kommentierende oder dialogische Stimmen
- Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer Wahn (bizarrer Wahn)
- Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität
- Gedankenabreißen oder -einschiebungen in den Gedankenfluss
- Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien, Negativismus oder Stupor
- Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekte
Für die Diagnose Schizophrenie ist mindestens 1 eindeutiges Symptom (≥2, wenn weniger eindeutig) der Gruppen 1–4 oder mindestens 2 Symptome der Gruppen 5–8 erforderlich. Diese Symptome müssen fast ständig während 1 Monats oder länger deutlich vorhanden gewesen sein.
Zusatzdiagnostik:
- Eine komplette körperliche und neurologische Untersuchung, ggf. mit testpsychologischer Untersuchung in den Bereichen Exekutivfunktionen, Gedächtnisleistungen und Aufmerksamkeit
- ein Blutbild und Differentialblutbild
- die Bestimmung des C-reaktiven Proteins
- Leberwerte
- Nierenwerte
- TSH
- Drogen-Screening
- eine orientierende strukturelle Bildgebung des Gehirns (CT/MRT) (1)
Entscheidungspfad
- Weitreichende Beeinträchtigung des Realitätsempfindens
- Ausschluß organischer Faktoren
- Ausschluß belastender Anlässe
- mindestens 2 Wochen schizophrene Symptome
- Ausschluß einer depressiven Episode oder Manie mit psychotischen Symptomen
- mindestens 1 Monat psychotische Symptome
Paranoide Schizophrenie Klinik zu:
Paranoide Schizophrenie
Klinik
Paranoide Schizophrenie
Die paranoide Schizophrenie kann folgende Symptome zeigen:
- Halluzinationen (akustische, optische, taktile)
- Wahn (Verfolgungswahn, Beziehungswahn, Verarmungswahn, Größenwahn, Schuldwahn)
- Ich-Störungen (Gedankeneingebung, -entzug, -ausbreitung, Willensbeeinflussung)
Paranoide Schizophrenie Therapie zu:
Paranoide Schizophrenie
Therapie
Paranoide Schizophrenie
Die therapeutischen Möglichkeiten bei der paranoiden Schizophrenie umfassen Folgendes:
akute Manifestation
- Risperidon: Anfangsdosis 2 mg/d oral, Erhaltdosis 4-6 mg/d
- Flupentixol: Anfangsdosis 2-10 mg/d oral, Erhaltdosis 10-60 mg/d
- Haloperidol: Anfangsdosis 5-10 mg/d oral, Höchstdosis 100 mg/d oral
subakute Manifestation
- Perazin 100-200 mg/d oral oder
- Perphenazin 10-20 mg/d oral oder
- Fluphenazin 1-3 mg/d oral oder
- Haloperidol 1-3 mg/d oral
- Dosisverdopplung nach 1 Woche
- Erhöhung um Startdosis nach 2 Wochen
- Dosissteigerung nach 1-2 Wochen
- Bei Älteren und Empflindlichen niedriger dosieren
Sedierungsbedarf
- Thioridazin 1- 3 x100 mg/d oral
Langzeittherapie
- Risperidon 2-6 mg/d oral
- Flupentixol 2-15 mg/d oral
- Haloperidol 2-20 mg/d oral
Rezidivprophylaxe
- Niedrige Dosis entsprechend 200-300 mg Chlorpromazinäquivalent über 3-5 Jahre
Compliancestörung
- Haloperidol depot 1ml/4 Wochen i.m.
Begleitende Therapiemaßnahmen:
- Psychoedukation
- kognitive Verhaltenstherapie
- Familienintervention und Zusammenarbeit mit Angehörigen
- Training sozialer Fertigkeiten
- Ergotherapie
Paranoide Schizophrenie Komplikationen zu:
Paranoide Schizophrenie
Komplikationen
Paranoide Schizophrenie
Nebenwirkungen der Pharmakotherapie bei der paranoiden Schizophrenie:
- extrapyramidal-motorische Störungen: Akathisie (Trippelmotorik, innere Unruhe, Reizbarkeit und Dysphorie), Dystonie, Parkinsonoid
- Dyskinesien
- Gewichtszunahme
- Gynäkomastie
- Galaktorrhöe
- Hypotonie
- Herzrhythmusstörungen
- anticholinerge Wirkung: Mundtrockenheit, Glaukom-Anfall (Erhöhung des Augeninnendrucks), Obstipation
- Gefahr der zerebraler Krampfanfälle (Reduktion der Krampfschwelle)
Paranoide Schizophrenie Zusatzhinweise zu:
Paranoide Schizophrenie
Zusatzhinweise
Paranoide Schizophrenie
Die Prognose der paranoiden Schizophrenie ist günstig, spricht gut auf medikamentöse Therapie an.
Die Schizophrenie ist einer der teuersten psychiatrischen Erkrankungen in Deutschland, wobei etwa 30% der Behandlungskosten bereits im ersten Jahr entstehen. [1]
Paranoide Schizophrenie Literaturquellen zu:
Paranoide Schizophrenie
Literaturquellen
Paranoide Schizophrenie
- (2005) AWMF - Leitlinie - Schizophrenie
- (2006) AWMF - Leitlinie - Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
- (2007) Möller H-J, Laux G, Kapfhammer H-P - Psychiatrieund Psychotherapie - Springer
- (2008) Klosterkötten J - Indizierte Prävention schizophrener Erkrankungen - Deutsches Ärzteblatt
- (2009) Klußmann R, Nickel M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer Verlag, Wien
- (2009) Mentzos S - Lehrbuch der Psychodynamik - Verlag Vandenhoeck & Ruprecht/BRO
- (2009) Janssen P, Joraschky P, Tress W - Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherap - Deutscher Ärzte Verlag
- (2008) Rentrop M, Müller R, Bäuml J - Klinikleitfaden Psychiatrie und Psychotherapie - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
- (2007) Rudolf - Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik - Thieme
- (2007) Arolt V, Reimer C, Dilling H - Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie - Springer
- (2006) Fritzsche K, Wirsching M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer
Paranoide Schizophrenie
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