Pancoast-Tumor

Synonyme: Sulcus-Superior-Tumor

Definition

Pancoast-Tumor

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Der Pancoast-Tumor ist ein speziell gelegener Tumor der Lungenspitze mit möglicher, typischer Infiltration des Halsplexus  und Notwendigkeit der operativen Resektion bei lokalisiertem Wachstum.


Ätiologie

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Die Ursachen des Pancoast- Tumors sind: [2]

  • Rauchen
  • Asbest
  • Narben in der Lunge
  • chronische Exposition gegenüber Metallen (Nickel, Gold)
  • genetische Belastung

Pathohistologie:

  • Plattenepithelkarzinom (50%)
  • Adenokarzinom (25%)
  • Kleinzelliges Bronchialkarzinom (3%)

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Daten zum Pancoast-Tumor sind zur Zeit nicht verfügbar. [2]

  • Bronchialkarzinom: häufigste Krebserkrankung des Mannes, zweithäufigste bei Frauen
  • Pancoast-Tumore machen 1-3% aller Lungentumore aus.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Pancoast- Tumor sind folgende Informationen von Bedeutung: [3]

  • Rauchen? Wieviel? Seit wann?
  • operative Eingriffe an der Lunge?
  • Tuberkulose bekannt?
  • Schmerzen in der oberen Extremität? Schulter?
  • Sensibilitätsstörungen?
  • Blutiger Husten?
  • Nachtschweiß?
  • Gewichtsabnahme?
  • Einschränkungen beim Atmen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des Pancoast- Tumors sind relevant: [1] Das Staging erfolgt meist wie bei anderen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen.

1. Körperliche Untersuchung

  • Schmerzen in Arm und Finger; insbesondere Ringfinger (C8)
  • Atrophiezeichen und Muskelschwäche
  • Anhidrose
  • Visusprüfung: Ptosis, Miosis, Endophtalmus

2. Labor

3. Röntgen-Thorax

  • Verdichtung der Lungenspitze (apikaler Rippenbegleitschatten)
  • Rippendestruktion (in 30%)

4. CT:

  • Weichteildichte Tumorbildung im Bereich der Lungenspitze mit Infiltrationszeichen der naheliegenden Strukturen (Plexus, Gefäße, Rippen, Wirbelsäule)
  • TNM-Staging: Thorax und Schädel

oder MRT:

  • ähnliche Ergebnisse wie mit CT
  • Weichteil- und Thoraxinfiltration ist manchmal präziser darstellbar als im CT (allerdings kontrovers diskutiert)
  • TNM-Staging: Thorax und Schädel

4. Transthorakale Biopsie

  • Zur definitiven histologischen Bestimmung und Staging
  • Fluoroskopie- oder CT-gesteuert

evtl. Mediastinoskopie:

  • Im Falle von Lymphknotenbeteiligung (>1cm) im CT, sollte mittels der Mediastinoskopie Biopsien entnommen werden.

Klinik

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Der Pancoast- Tumor kann eine oder mehrere der folgenden klinischen Symptome zeigen: [1,2,3]

  • Einseitiger Schulterschmerz mit Einstrahlung in Arm und Rücken (90%)
  • Seltener: Thoracic-outlet-Syndrom (Schmerzen, Kribbeln, Sensibilitätsstörungen)
  • Horner-Syndrom (Ptosis, Miosis, Endophthalmus, Anhidrose) (25-30%)
  • Blutiger Husten
  • Nachtschweiß
  • Gewichtsabnahme (25-35% [8])
  • Einschränkungen beim Atmen
  • Supraklavikuläre Lymphknoten-Vergrößerung in 25-35% [8]
  • Neuropathie des Zwerchfells oder der Stimmbänder (Recurrens) [8]

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Pancoast- Tumor umfassen folgendes: [4] Die Therapie entspricht dabei meist der bei anderen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen.

Wenn keine Metastasen vorhanden sind:

Präoperative Radiatio

  • fraktioniert; 30-40 Gy für 2-4 Wochen

und Präoperative Chemotherapie [6]

  • Induktionstherapie

dann: Chirurgischer Eingriff

  • 3-5 Wochen nach Radiochemotherapie
  • En-bloc Resektion oder via anterioren transzervikalen Zugang [5]
  • Contraindikation: A. subclavia Infiltration, Wirbelkörperpenetration (+/- Rückenmark)

bei nichtoperablen Tumoren: Radiochemotherapie

beim Vorliegen von Metastasen:

Primäre palliative Strahlentherapie [7]

  • Im Falle von nicht resezierbaren, stark symptomatischen Tumoren
  • 5x 4Gy, 10x 3 Gy oder 2x 25 Gy für 4-6 Wochen

+ evtl. Chemotherapie

  • zur Erleichterung der Symptomatik

Komplikationen

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Beim Pancoast- Tumor kommen folgende Komplikationen vor: [2]

  • Atelektase
  • Metastasierung (Gehirn, Leber, Lymph Knoten, Niere)
  • Chirurgische Schädigung der Halsweichteile (Mortalität: 3-5%)
  • Liquoraustritt
  • Chronische Schmerzen
  • Letaler Ausgang des Tumors

Zusatzhinweise

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Staging:

  • Infiltration der Pleura parietalis und Thoraxwand → T3
  • Im Falle von mediastinaler und zervikaler Penetration → T4

Prognose:

  • 5-jährige Überlebenschance: 30% [1]

Literaturquellen

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  1. (2009) Michael Galanski,Sabine Dettmer,Marc Keberle,Jan Patrick Opherk,Kristina RingePareto - Reihe Radiologie Thorax  - Thieme, Stuttgart
  2. (2008) Davis GA, Knight SR. Pancoast tumors. Neurosurg Clin N Am. Oct ;19(4):545-57, v-vi.
  3. (2006) Rusch VW. Management of Pancoast tumours. Lancet Oncol. Dec ;7(12):997-1005.
  4. (2010) Uchino K, Tauchi S, Tanaka Y, Nakai R, Tane S, Yoshimura M. [Treatment of superior sulcus tumor]. Kyobu Geka. Jan ;63(1):18-22.
  5. (1993) Dartevelle PG, Chapelier AR, Macchiarini P, Lenot B, Cerrina J, Ladurie FL, et al. Anterior transcervical-thoracic approach for radical resection of lung tumors invading the thoracic inlet. J Thorac Cardiovasc Surg. Jun ;105(6):1025-34.
  6. (2007) Marra A, Eberhardt W, Pottgen C, Theegarten D, Korfee S, Gauler T, et al. Induction chemotherapy, concurrent chemoradiation and surgery for Pancoast tumour. Eur Respir J. Jan ;29(1):117-26.
  7. (2006) Eberhard Aulbert,Friedemann Nauck,Lukas Radbruch - Lehrbuch der Palliativmedizin herausgegeben - Schattauer, Stuttgart
  8. (1997) Arcasoy SM, Jett JR - Superior pulmonary sulcus tumors and Pancoast's syndrome - N Engl J Med. 337(19):1370.


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