Osteochondrosis dissecans

Synonyme: dissezierende Osteochondrose, Osteochondritis dissecans, Morbus Panner

Definition

Osteochondrosis dissecans

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Als Osteochondrosis dissecans bezeichnet man eine idiopathische Knochen-Knorpel-Nekrose (aseptisch) konvexer Gelenksflächen.


Ätiologie

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Die Ätiologie der Osteochondrosis dissecans ist ungeklärt.

In Diskussion:

  • konstitutionelle Faktoren, mikrotraumatische Genese
  • Fälle von familiären Auftretens
  • tritt immer an konvexen Gelenkflächen auf

Stadieneinteilung:

  1. Initialstadium: Knochennekrose - keine Knorpelbeteiligung, keine Abgrenzbarkeit zum umgebenden Knochen
  2. Sklerosestadium: Knorpel mitbetroffen - Sklerosesaum als Demarkationslinie
  3. Dissektat in situ: Knochen-Knorpelfragtment abgelöst aber noch in korrekter Lage
  4. Dissektion: Knochen-Knorpelfragment frei im Gelenk (Gelenkmaus)

Typische Gelenkbefälle:

  1. Kniegelenk (medialer Kondylus)
  2. Talusrolle
  3. Capitulum radialis humeri

Epidemiologie

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Epidemiologische Daten einer Osteochondrosis dissecans:

  • tritt v.a. bei Jugendlichen während und nach der Pubertät auf
  • Jungen häufiger betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Wichtige zu erhebende Informationen der Osteochondrosis dissecans sind:

  • Schwellungen?
  • wechselnde Beschwerdeintensität?
  • Gelenksergüsse?
  • Schmerzen bei Belastung oder in Ruhe?
  • heftiger schlagartig einsetzender Schmerz mit folgender Gelenksperre? (bei Einklemmung der Gelenkmaus)

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Osteochondrosis dissecans sind relevant:

  • klinischer Befund
  • Röntgen: Schaden typischerweise an lateraler Seite der medialen Femurkondyle, subchondrale Verdichtung mit konvexem sklerotischem Randbereich (ab Stadium II im Röntgenbild nachweisbar)
  • MRT: Quantifizierung des Schadens (Abschätzung des Knorpelzustandes) und Abbildung im frühen Stadium
  • Arthroskopie

Klinik

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Als Symptome einer Osteochondrosis dissecans treten auf:

  • Schwellung
  • diffuse Schmerzen ohne konkreten Auslöser
  • Gelenksergüsse
  • Schmerzen bei Belastung oder in Ruhe
  • eventuell Entlastungshinken
  • Druckschmerzhaftigkeit des Gelenkes

Therapie

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Die Therapie hängt im Wesentlichen ab von: Alter, Stadium, Herdgröße, Beschwerden. (MRT und Arthroskopie zur detaillierten Planung nötig).

Eine Behandlung der Osteochondrosis dissecans ist nur bei symptomatischer Erkrankung nötig.

Zufallsbefunde bedürfen keiner Behandlung.

Therapieoptionen:

konservativ:

  • physikalische Therapie und Antiphlogistika (rein symptomatisch)
  • Entlastung

operative Therapie:

  • Stadium 1: Arthroskopie mit retrograder Anbohrung des betroffenen Knorpels (Verbesserung der Blutversorgung)
  • Stadium 2: Arthroskopie mit anterograder Knorpelanbohrung
  • Stadium 3 und 4: große Dissektate werden refixiert, keinere entfernt

im Stadium 2, 3 und 4 erfolgen zusätzlich knorpelrekonstruierende Maßnahmen:

  • osteochondrale Transplantation (OCT): autologe Knorpel-Knochenzylinder werden aus unbelasteten Bereichen des Gelenkes entnommen und verpflanzt - Defekte bis etwa 1,5 cm können versorgt werden - dauerhafte Wiederherstellung
  • autologe Chondrozytentransplantation (ACT): bei größeren Defekten - Knorpelprobe wird entnommen, Zellen werden angezüchtet und später reimplantiert - verminderte Festigkeit im Vergleich zu physiologischem Knorpel

Komplikationen

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Als Komplikation einer Osteochondrosis dissecans besteht die Möglichkeit einer Gelenksperre durch Einklemmung der Maus.


Zusatzhinweise

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Zusatzinformationen der Osteochondrosis dissecans:

Prognose:

  • je jünger der Patient, desto besser (Restitutio ad integrum bei Kindern und Jugendlichen in etwa 60%) [1]
  • bei vollständiger Wiedereinheilung insgesamt gut

Literaturquellen

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  1. (2006) Breusch S, Mau H, Sabo D - Klinikleitfaden Orhopädie - Urban & Fischer
  2. (2005) Rössler H, Rüther Wolfgang - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  3. (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
  4. (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  5. (2009) Schiergens T - BASICS Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2008) Berchtold R, Bruch H.-P, Trentz O - Chirurgie ,6. Aufl. - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  7. (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
  8. (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag, Berlin
  9. (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  10. (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
  11. (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag

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