Oligohydramnion

Synonyme: Oligohydramnie, verminderte Fruchtwassermenge

Definition

Oligohydramnion

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Oligohydramnion [1;2]

  • Stark verminderte Fruchtwassermenge am Geburtstermin
  • Normale Fruchtwassermenge: 500-1000 ml
  • Oligohydramnion: < 300ml oder amniotic fluid index (AFI) <5 

Ätiologie

Oligohydramnion

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Bei den meisten Frauen mit Borderline-Oligohydramnion oder leichtem Oligohydramnion kann keine Ursache gefunden werden!

Sonst können Ursachen für ein Oligohydramnion sein [1;2]:

  • Niere oder ableitende Harnwege des Kindes fehlgebildet (Potter-Syndrom, polyzystische Nieren)
  • Wachstumsretardierung → Plazentainsuffizienz
  • Übertragung → Plazentainsuffizienz
  • Präeklampsie → Plazentainsuffizienz
  • Abruptio placentae
  • (Unerkannter) vorzeitiger Blasensprung
  • Plazentathrombose oder -infarkt
  • Transfusionssyndrom bei Zwillingsschwangerschaft
  • Schwangerschaftshypertonie
  • Medikamente: ACE-Hemmer, Prostaglandinsynthasejhemmer, Trastuzumab
  • chromosomale Anomalien des Kindes
  • intrauterine Wachstumsretardierung
  • Übertragung
  • rupturierte fetale Membranen

Epidemiologie

Oligohydramnion

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  • Ein Oligohydramnion tritt bei 1,7-7 % aller Schwangerschaften auf.
  • in einer Studie an 3050 unkomplizierten Einlingsschwangerschaften ohne Anomalien lag die Rate eines Oligohydramnion (AFP < 5 cm) zwischen SSW 40 und 41 + 6  bei 11% [5]

Differentialdiagnosen

Oligohydramnion

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Oligohydramnion

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Anamnese bei Oligohydramnion

  • Wann und von wem wurde die letzte Vorsorgeuntersuchung durchgeführt?
  • Wann wurde die letzte Ultraschalluntersuchung durchgeführt?
  • Wurden dabei Auffälligkeiten bzgl. der Fruchtwassermenge festgestellt?
  • Besteht bei der Mutter ein bekannter Bluthochdruck, oder trat dieser evtl. erst während der Schwangerschaft in Erscheinung?
  • Gibt es besondere Vorerkrankungen der Mutter?
  • Gab es vorherige Schwangerschaften?
  • Wie viele?
  • Gab es vorherige Geburten?
  • Wie viele?
  • Gab es bei diesen Schwangerschaften und Geburten Komplikationen oder Auffälligkeiten des Kindes?
  • Wurden die Kinder gesund geboren?
  • Ggf. welche Behinderungen traten auf?

Diagnostik

Oligohydramnion

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Diagnose eines Oligohydramnions in der Schwangerenvorsorgeuntersuchung [1;2]

  • Zu kleiner Uterus für die angegebene Schwangerschaftswoche
  • Kindsbewegungen seltener
  • Sonographie [3] u.a. zur Sicherung der Verdachtsdiagnose
  • Kindsbewegungen gut zu tasten
  • Untersuchung jedoch schmerzhaft für Mutter
  • Kind u.U. zu klein für Gestationsalter

Klinik

Oligohydramnion

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Symptome der Mutter bei Oligohydramnion [1;2]

  • Zu kleiner Uterus für die angegebene Schwangerschaftswoche
  • Kindsbewegungen seltener
  • Kindsbewegungen gut zu tasten
  • Untersuchung jedoch schmerzhaft für Mutter

Symptome des Kindes bei Olidohydramnion [1;2]

  • Kind u.U. zu klein für Gestationsalter
  • Lungenhypoplasie mit Atemstörungen
  • Mangelhafte Entwicklung
  • Skelettdeformierungen wie z.B. Schiefhals, Klumpfüße, Verformungen des Schädels (Platzmangel)

Therapie

Oligohydramnion

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Behandlung des Oligohydramnions [1;2]

  • U.U. kann versucht werden, die Amnionhöhle mit Glukose- Kochsalz- Lösung aufzufüllen

Vorgehen unter der  Geburt bei Oligohydramnion [1;2]

  • Entbindung anstreben
  • Kontinuierliche CTG-Überwachung [4]; im Zweifel : Sectio
  • Neonatologen informieren

Komplikationen

Oligohydramnion

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Komplikationen unter der Geburt bei Oligohydramnion [1]

  • Nabelschnurkompression, dadurch
  • Dezelerationen im CTG
  • Mangelentwickeltes Kind mit Anpassungsstörungen
  • Grünes Fruchtwasser (Mekoniumabgang vor Geburt), erbsbreiartig bei zu wenig Fruchtwasser
  • Mangelversorgung des Kindes unter der Geburt
  • Kind manchmal nicht lebensfähig

Zusatzhinweise

Oligohydramnion

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Zur Zeit gibt es keine Zusatzhinweise zum Oligohydramnion.


Literaturquellen

Oligohydramnion

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  1. Hebammenkunde, Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf, 2. Überarbeitete Auflage, Herausgeber: Ch. Geist, U. Harder, A. Stiefel, Verlag de Gruyter
  2. Gynäkologie und Geburtshilfe, Manfred Stauber, Thomas Weyerstahl, Thieme Verlag 2001 
  3. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht (AG MedR); Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge, Register NR. 015/044, Stand August 2010
  4. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) und der AG für Materno- Fetale Medizin (AGMFM), Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt, Register Nr. 015/036, Stand 11/2007
  5. Locatelli A, Zagarella A, Toso L, Assi F, Ghidini A, Biffi A (2005): Serial assessment of amniotic fluid index in uncomplicated term pregnancies: prognostic value of amniotic fluid reduction. J Matern Fetal Neonatal Med. 15(4):233.

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