Offene Hirnverletzung

Synonyme: offenes Schädel-Hirn-Trauma, Pneumenzephalon, offenes SHT

Definition

Offene Hirnverletzung

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Eine offene Hirnverletzung ist eine mechanische Schädigung von Hirnstrukturen mit traumatisch bedingter Eröffnung der Schädels und Mitverletzung der Dura mater.


Ätiologie

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Die Ursachen der offenen Hirnverletzung sind:

  • stumpfe Gewalt: 50-70% Verkehrsunfälle, Stürze, Arbeits- und Sportunfälle
  • perforierende Verletzung: Pfählungs-, Schuss-, Stichverletzung, extrem starker Aufprall

Einteilung nach GCS:

  1. leichtes SHT: 13-15 Punkte, Bewusstlosigkeit bis 15 Minuten
  2. mittelschweres SHT: 9-12 Punkte, Bewusstlosigkeit bis 1 h
  3. schweres SHT: 3-8 Punkte, Bewusstlosigkeit > 1 h

Epidemiologie

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Die offene Hirnverletzung ist relativ häufig.

  • Inzidenz des SHT: 200-250/100.000 pro Jahr
  • 10% schwere SHT mit 10.000 Toten pro Jahr
  • bis zum Alter von 45 Jahren häufigste Todesursache in Deutschland
  • Männer häufiger betroffen als Frauen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der offenen Hirnverletzung sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Vorangegangenes Trauma?
  • Kopfschmerzen?
  • Übelkeit und Erbrechen?
  • Erbrechen?
  • Schwindel?
  • Sehstörungen?
  • Schwerhörigkeit?
  • Gedächtnisverlust?
  • Blut oder helle Flüssigkeit aus Mund, Nase, Ohr?
  • Medikamentenanamnese
  • evtl. Fremdanamnese nötig
  • Verlauf und Entwicklung der Symptome

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der offenen Hirnverletzung sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Vigilanz nach Glasgow-Koma-Scale, Pupillo- und Okulomotorik, Kraftprüfung, Beweglichkeit, Reflexe
  • Bildgebende Verfahren: Rchädel-Rö in 2 Ebenen, Rö-HWS in 2 Ebenen + Dens axis, cCT mit Nachweis von intrakranieller Luft, evtl. intrakranielle Blutungen, H.a. auf Anstieg des intrakraniellen Drucks
  • Liquorpunktion: evtl. xanthochromer bzw. blutiger Liquor bei Kontusion
  • Labor: Blutbild, Gerinnungsparameter, β2-Transferrin-Bestimmung aus Nasensekret zum Nachweis einer Liquorrhoe
  • evtl. Hirndruckmessung mittels Ventrikelkatheter
  • Elektrophysiologie: EEG und SEP als "Prognoseuntersuchungen", nicht obligat

Klinik

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Die offene Hirnverletzung kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Verletzung des Kopfes und der Dura → "Pneumenzephalon" = Luft unter der Schädeldecke pathognomonisch für offenes SHT
  • Liquoraustritt
  • Hirnaustritt
  • Blutung/Sekretion aus Mund, Nase und/oder Ohr
  • Schädeldeformierungen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Bewusstseinsstörungen
  • Amnesie
  • Doppelbilder
  • Schwerhörigkeit
  • Brillen-/Monokelhämatom

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der offenen Hirnverletzung umfassen folgendes:

  • akut: Sicherung der Vitalfunktionen an der Unfallstelle, frühzeitige Intubation und kontrollierte Beatmung mit Schockbehandlung über großvolumigen Zugang
    • 30°-Oberkörperhochlagerung
    • Stiff-Neck-Anlage
    • systolischer Blutdruck max. 120 mmHg
    • Analgosedierung
    • Fremdkörper in situ belassen
    • steriler Verband bei blutenden Verletzungen
  • neurochirurgische Therapie: bei großem Hämatom Trepanation innerhalb von 2 h; Ausräumen der Wunde und Verschluss der Duralücke mit lyophilisierter Dura; Indikation zur operativen Versorgung von Schädelbasisfrakturen bei Mitbeteiligung von Hirnnerven oder frontobasaler Liquorfistel 
  • Antibiotika-Prophylaxe mit 3.Generations-Cephalosporinen
  • Stabilisierung und Kontrolle der Vitalfunktionen
  • Rehabilitationsbehandlung über Wochen bis Monate: frühzeitige Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie

Komplikationen

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Bei der offenen Hirnverletzung kommen folgende Komplikationen vor:

  • traumatische Meningitis
  • Hirnabszesse/Hirnphlegmone (auch noch nach 10 Jahren!)
  • traumatisch bedingte Blutungen (Epidural-/Subduralhämatom, Subarachnoidalblutung)
  • traumatische Spätepilepsie
  • Sinus-cavernosus-Fistel
  • traumatische arterielle Dissektion

Zusatzhinweise

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  • jedes offene Schädel-Hirn-Trauma ist als infiziert zu betrachten

Prognose:

  • nach schwerem SHT versterben 30-45% der Patienten
  • 2/3 der Überlebenden werden berufsunfähig
  • Kinder und Jugendliche mit besserer Prognose

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychiatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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