Ösophagusverätzung

Synonyme: Verätzung des Ösophagus, Speiseröhrenverätzung, Esophagusverätzung

Definition

Ösophagusverätzung

Bearbeitungsstatus ?

Bei einer Ösophagusverätzung handelt es sich um eine mehr oder minder schwere Läsion der Ösophagusschleimhaut durch Trinken ätzender Flüssigkeiten.


Ätiologie

Ösophagusverätzung

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Ursache einer Ösophagusverätzung durch Säuren oder Laugen können sein:

  • Trinken nicht gesicherter ätzender Flüssigkeit bei Kleinkindern
  • bei Kindern meist unbeabsichtigt durch Reinigungsmittel (häufigste Ursache ca. 80%)
  • Abfüllen ätzender Flüssigkeiten in Getränkeflaschen führt zu Verwechslung
  • Menge an Säure oder Lauge korrelliert mit Ösophagusschädigung
  • Säure bewirkt Koagulationsnekrose was tieferes Eindringen der Substanz im Öesophagus behindert, führt aber zu Magenschäden
  • Lauge bewirkt Kolliquationsnekrose und somit Gewebeverflüssigung, dies begünstigt Vordringen in tieferes Gewebe, wird aber im Magen durch Magensäure neutralisiert

Epidemiologie

Ösophagusverätzung

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Zur Epidemiologie der Ösophagusverätzungen ist derzeit nichts bekannt.


Differentialdiagnosen

Ösophagusverätzung

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Anamnese

Ösophagusverätzung

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Bei einer Ösophagusverätzung ist wichtig zu wissen:

  • Hergang des Vorfalls
  • evtl. Sozialanamnese
  • Welche Flüssigkeit?
  • Menge getrunkener Flüssigkeit?
  • Schmerzen retrosternal? (Hinweis auf Ösophagusperforation mit Mediastinitis)
  • Schmerzen im Oberbauch? (Hinweis auf Magenperforation mit Peritoneitis)

Diagnostik

Ösophagusverätzung

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Von diagnostischer Relevanz bei der Ösophagusverätzung ist:

  • Anamnese

Inspektion der Mundhöhle:

  • mehr oder minder starke Mitleidenschaft der Mundhöhlen- oder Lippenschleimhaut:
  • Schmerzhaft ödematöse Läsionen 
  • evtl. Blasenbildung
  • evtl. Fibrinbeläge

weitere Untersuchungen:

  • Laryngoskopie und Pharyngoskopie: Ausdehnung des Befundes
  • bei Betroffenheit des Pharynx Ösophagoskopie (cave: evtl. erhöhte Perforationsgefahr!)
  • Bei sehr ausgeprägten Verletzungen Röntgen Thorax (bei Ösophagusperforation evtl. verbreitertes Mediastinum?)
  • Röntgen Abdomen (bei Magenperforation evtl. Luft im Abdomen)
  • Palpation/Inspektion: Halsemphysem? (bei Ösophagusperforation)

Klinik

Ösophagusverätzung

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Eine Ösophagusverätzung durch Säuren oder Laugen kann sich durch folgende Symptome äußern:

  • starke Schmerzen der lädierten Bereiche
  • evtl. Schockzustand
  • evtl. Leber- und/oder Nierenschäden
  • evtl. Atemnot bei starkem Larynxödem
  • bei tiefen Verletzungen Heilung unter Narbenbildung, was zu Stenosen führen kann
  • starke Speichelsekretion, Würgen, Erbrechen
  • Dysphagie
  • Stridor, Heiserkeit, Atemnot bei Mitbeteiligung von Glottis, Kehlkopf, Trachea nach Aspiration 
  • Kreislaufzusammenbruch
  • Ätzspuren in Mund- und Rachenraum - diese können aber auch bei starken Ösophagusverätzungen fehlen

Therapie

Ösophagusverätzung

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Mögliche Therapie der Ösophagusverätzung ist:

  • Flüssigkeitssubstitution (Schockbekämpfung)
  • Sicherung der Atemwege
  • Antiobiotikaschutz
  • Analgetika
  • evtl. Magenspülung
  • evtl. Neutralisationsversuch mit z.B. Zitronensäure, Magnesia usta

Bei Perforation:

  • Nahrungskarenz!
  • Parenterale Ernährung oder Ernährung über nasogastrale Sonde (unter Sicht einführen!)
  • kleine Perforation evtl. Abwarten einer Spontanheilung
  • größere Perforation und/oder Mediastinitis → sofortige operativer Eingriff
  • nach einer Woche: Bougierung von Ösophagusstenosen überFührungsfaden
  • langfristige weitere Beobachtung (Stenosen)

Therapie der Läsionen im Oralbereich:

  • Bei Beteiligung der Lippen: corticoidhaltige Salbe
  • Mundspülung mit analgetischen Lösungen

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen der Ösophagusverätzung sind:

  • Perforation von Ösophagus und/oder Magen:
  1. Mediastinitis
  2. Pleuritis
  3. Peritoneitis
  • Ösophagusstenosen bei narbiger Abheilung

Zusatzhinweise

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Es liegen keine weiteren Hinweise zur Ösophagusverätzung vor.


Literaturquellen

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  1. (2008) Berchtold R, Bruch H-P, Trentz O - Chirurgie - Elsevier, Urban & Fischer
  2. (2006) Becker H, Encke A, Röher H-D - Visceralchirurgie - Elsevier, Urban & Fischer
  3. (2008) Largiadèr F, Saeger D, Trentz O - Checkliste Chirurgie - Thieme
  4. (2009) Speer C, Gahr M - Pädiatrie - Springer



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