Obstruktive Bronchitis

Synonyme: Obstruktive Lungenerkrankung, obstruktive Entzündung der Bronchien

Definition

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Bei der obstruktiven Bronchitis im Kindesalter handelt es sich um eine meist durch einen viralen Infekt bedingte Obstruktion der Atemwege.


Ätiologie

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Zur Ätiologie der obstruktiven Bronchitis:

  • virale Infektionen: z.B. RS-, HMP-, Adeno-, Rhino-, Influenza- und Parainfluenzaviren
  • bakterielle Infektionen: selten

Ätiopathogenese:

Im Rahmen der Infektion entsteht eine ödematöse Schwellung der Schleimhaut sowie eine vermehrte Sekretion eines zähen Schleims in den unteren Atemwegen. Folge ist eine Verengung des Lumens, welche die Dyspnoe bedingt.


Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der obstruktiven Bronchitis:

  • etwa 50% aller Kinder erkranken in den ersten 6 Lebensjahren einmal oder mehrmals an einer obstruktiven Bronchitis
  • besonders häufig betroffen sind Kinder im Säuglings- und Kleinkindsalter
  • Geschlechterverhältnis: m:w = etwa 1:1

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Für die obstruktive Bronchitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Welche Beschwerden bestehen? Seit wann?
  • Husten? Seit wann? Wie klingt er?
  • Wird etwas ausgehustet? Aussehen: Blutig? Eitrig?
  • Luftnot? Ist das Kind blau geworden?
  • Schnupfen?
  • Halsschmerzen? Heiserkeit?
  • Fieber? Wie hoch?
  • Fieberkrampf gehabt?
  • Kopfschmerzen? Erbrechen?
  • Gliederschmerzen?
  • trinkt das Kind ausreichend?
  • Kontakt zu Tuberkulose-Patienten gehabt?
  • wurde beobachtet, dass das Kind Gegenstände eingeatmet / in den Mund gesteckt hat?
  • wurden giftige Gase oder Stäube eingeatmet?
  • Vermehrte Beschwerden nach körperlicher Belastung?
  • Grunderkrankungen bekannt? Immunschwäche? Lungenerkrankung? Herzschwäche? Neurodermitis? Asthma bronchiale?
  • Allergien bekannt?
  • Allergien anderer Familienmitglieder?
  • Kontakt zu (Haus)tieren?
  • wird zu Hause geraucht?
  • wurde das Kind regelrecht nach STIKO-Empfehlungen geimpft?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der obstruktiven Bronchitis sind relevant:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Zyanose? Luftnot? seitengleiche Atemexkursionen? Verletzungen?
  • Auskultation: trockene oder feuchte Rasselgeräusche? In- oder exspiratorisch?
  • Palpation: Stimmfremitus
  • Perkussion: abgeschwächter oder hypersonorer Klopfschall?
  • Labor: Differential-BB, CRP, BSG
  1. Virusinfekt: Leukopenie oder geringe Leukozytose ohne Linksverschiebung, CRP oft normal
  2. Bakterieller Infekt: Leukozytose mit Linksverschiebung, CRP oft erhöht
  • evtl. Erregernachweis aus Sputum oder Rachenabstrich
  • evtl. Röntgen-Thorax in 2 Ebenen: Lungenüberblähung? Pneumonie? Ausschluss anderer Differentialdiagnosen

Klinik

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Folgende Symptome können bei einer obstruktiven Bronchitis auftreten:

  • Husten: zunächst oftmals trocken, bei bakterieller (Super)infektion produktiv, dann meist gelb-grünliche Verfärbung des Sekrets
  • Dyspnoe
  • allgemeine Infektionszeichen: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit

Oftmals lang andauernder Krankheitsverlauf bei insgesamt recht guter Prognose.


Therapie

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Therapie bei der obstruktiven Bronchitis:

Symptomatische Therapie:

  • Inhalation mit Kochsalzlösungen
  • Brustumschläge
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Sekretolytika bzw. Mukolytika oder Antitussiva
  • ggf. fiebersenkende Medikamente - z.B. Paracetamol: z.B. Paracetamol oral, jeweils bis zu 4x tgl.: 125 mg (<1. LJ), 250 mg (1.-6. LJ), 500 mg (>6. LJ)
  • β2-Sympathomimetika: z.B. Salbutamol inhalativ - z.B. 1 Sprühstoß, ggf. nach 10-15 Min. wiederholen
  • Atemtherapie, Atemgymnastik

Bei bakterieller Infektion: Antibiotika-Therapie:

  • z.B. Ceftriaxon 50-75 mg/kgKG/d i.v. in 1-2 ED
  • z.B. Ampicillin 50 mg/kgKG/d p.o. in 4 ED (<20 kgKG) bzw. 250 mg p.o., 4x tgl. (>20 kgKG)
  • alternativ: Makrolide oder Doxycyclin

Komplikationen

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Komplikationen der obstruktiven Bronchitis sind:

  • bakterielle Superinfektion
  • chronische Bronchitis
  • Bronchiolitis
  • Pneumonie
  • Pleuritis
  • Lungenabszess
  • bei COPD: Exazerbation der Grunderkrankung
  • Verschlechterung einer bestehenden Lungen- oder einer anderen Grunderkrankung
  • Entwicklung eines hyperreagiblen Bronchialsystems, Asthma bronchiale
  • akute respiratorische Insuffizienz
  • Sepsis mit Multiorganversagen
  • Tod

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zur obstruktiven Bronchitis:

  • bei mehr als 3 Episoden einer obstruktiven Bronchitis wird in der Regel die Diagnose Asthma bronchiale gestellt [2]

Risikofaktoren, die Maßnahmen zur RSV-Prophylaxe rechtfertigen:

  • < 24 Lebensmonate
  • bronchopulmonale Dysplasie
  • hämodynamisch relevante Herzfehler
  • pulmonale Hypertonie

Eine Prophylaxe kann mit dem Antikörper Palivizumab durchgeführt werden.


Literaturquellen

Obstruktive Bronchitis

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  1. (2007) Mayatepek E - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  2. (2006) Sitzmann F C - Pädiatrie - Thieme Verlag
  3. (2008) Kiess W, Merkenschlager A, Pfäffle R, Siekmeyer W - Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier, Urban &Fischer Verlag
  4. (2007) Hahn J M - Checkliste Innere Medizin - Thieme
  5. (2009) Herold G - Herold Innere Medizin - Herold Verlag
  6. (2009) Arasteh K, Baenkler H W, Bieber C - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  7. (1980) Hegglin M, Siegenthaler W- Differentialdiagnose innerer Krankheiten - Thieme
  8. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  9. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag
  10. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer Verlag
  11. (2006) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag
  12. (2010) AWMF-Leitlinie - Prophylaxe von schweren RSV-Erkrankungen bei Risikokindern mit Palivizumab - Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK), der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) und der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI)
  13. (2008) AWMF-Leitlinie - Husten - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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