Obstipation

Synonyme: Stuhlverstopfung, Verstopfung, Darmverstopfung, Verdauungsstörung, Konstipation

Definition

Obstipation

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Nach den ROM III-Kriterien [8;9] ist die funktionelle Obstipation definiert als:

  • weniger als drei Stuhlentleerungen / Woche
  • starkes Pressen bei der Stuhlentleerung
  • Gefühl einer anorektalen Blockierung
  • harter Stuhlgang
  • weicher Stuhlgang nur durch Abführmittel
  • unvollständige Stuhlentleerung
  • manuelle Unterstützung bei der Stuhlentleerung
  • nicht ausreichende Kriterien für die Diagnose eines Reizdarmsyndroms

Mindestens zwei dieser Kriterien müssen zur Diagnosestellung innerhalb von 6 Monaten an 3 Monaten erfüllt sein.


Ätiologie

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Die Ursachen der Obstipation in der Palliativmedizin:

  • faserarme Kost und  mangelnde Flüssigkeitsaufnahme mit Dehydratation
  • mangelnde Bewegung und Unterdrückung des Defäkationsreizes
  • Reizdarmsyndrom, psychovegetative Belastungen
  • Fieberhafte Erkrankungen
  • Bettlägerigkeit
  • Medikamente (z.B. Codein, Opiate, Psychopharmaka, Anti-Parkinsonmittel, Antazida, Anticholinergika, Clonidin, Verapamil, Colestyramin)
  • Hypokaliämie (v.a. durch Abführmittel)
  • Hyperkalzämie
  • Organischen Darmerkrankungen ( z.B. Adenom, Karzinom, stenosierende Divertikulitis,  Fremd-körper, Divertikulitis, M.Crohn, Fissuren, Abszesse, Rektumschleimhautprolaps, Rektozele, Hämorrhoiden)
  • Neurogene Störungen ( z.B. Diabetes mellitus, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose)
  • Hypothyreose

Epidemiologie

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Die epidemiologischen Daten der Obstipation:

  • w : m = 2 : 1
  • Opiate und Immobilität häufigste Auslöser bei Tumorpatienten

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Anamnestisch sollte bei der Obstipation folgendes eruiert werden:

  • Seit wann besteht die Verstopfung (akut oder chronisch)?
  • wie oft in der Woche kommt es zur Stuhlentleerung? 
  • Beschaffenheit des Stuhlgangs?
  • schmerzhafter Stuhlgang?
  • Bettlägerigkeit?
  • fieberhafte Erkrankungen ?
  • Umstellung der Ernährung?
  • Faserarme Ernährung?
  • Trinkmenge pro Tag?
  • Medikamenteneinnahme?
  • Nikotin- und / oder Alkoholkonsum?
  • Blut im Stuhl?
  • Gewichtsverlust?
  • Völlegefühl? 
  • Übelkeit? Erbrechen?
  • Bauchschmerzen?
  • Schmerz bei der Stuhlentleerung?
  • Blähungen?
  • Ernährungsgewohnheiten?
  • Grunderkrankungen?
  • Wieviel Bewegung?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung von Obstipationen sind relevant:

  • Genaue Anamnese
  • Abdominelle Palpation und Auskultation
  • Digitale Austastung des Rektums
  • gynäkologische Untersuchung bei Frauen
  • Laborscreening mit  Elektrolyten (Kalium, Kalzium), TSH
  • Test auf okkultes Blut im Stuhl
  • Sonografie des Abdomens
  • Abdomenübersichtsaufnahme bei Verdacht auf Ileus
  • Proktoskopie / Rektoskopie / Koloskopie
  • Evtl. Kolonkontrasteinlauf
  • Kolontransittest (zur Objektivierung und Lokalisierung der Obstipation) : Orale Aufnahme röntgendichter Marker, danach Auszählen und Lokalisieren der Marker sowie Bestimmung der Passagezeit
  • evtl. Defäkogramm und Analsphinktermanometrie (bei Verdacht auf rektale Entleerungsstörungen)

Klinik

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Die Obstipation kann eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • dauerhaft harte oder klumpige Stuhlkonsistenz
  • verminderte Stuhlfrequenz
  • Starkes, schmerzhaftes Pressen
  • schmerzhafter Stuhlgang
  • Völlegefühl, Übelkeit
  • abdominelle Schmerzen
  • Gefühl der Blockierung des Enddarmes
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung
  • evtl. Blut im Stuhl

Therapie

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Kausale Therapie

  • Behandlung auslösender Erkrankungen
  • Weglassen obstipierender Medikamente (sofern möglich)

Symptomatische Therapie

1. Allgemeinmaßnahmen ( unter  Berücksichtigung bestehender Grunderkrankungen):

  • Erklärung einer normalen Stuhlfrequenz
  • Mobilisation soweit möglich
  • Wahrnehmung des Defäkationsreizes
  • Bahnung des gastrokolischen Reflexes (ein Glas kaltes Wasser auf nüchternen Magen trinken)
  • Kolonmassage (leichte Bauchdeckenmassage entlang des Kolons morgens vor dem Aufstehen)

Da Patienten in der Pallitivmedizin weder ihre körperliche Aktivität noch ihre Flüssigkeitszufuhr steigern, bzw. ihre Nahrungsaufnahme verändern können, sollte die Indikation für Laxantien (besonders unter Opiaten) frühzeitig, auch schon prophylaktisch, gestellt werden.

2. Osmotische und salinische Laxantien

  • Lactulose (3 x 15 ml)
  • Macrogol (1-3 Btl / d)
  • Magnesiumsulfat
  • Natriumsulfat
  • Amidotrizoesäure (Gastrografin, jodhaltiges Röntgenmittel, stark laxativ, Einsatz in Ausnahmefällen)

3.Stimulierende Laxantien

  • Bisacodyl, als Suppositorium bei anorektaler Obstipation
  • Natriumpicosulfat
  • Rizinusöl
  • Glyzerin als Suppositorium
  • Klistiere mit Natriumdioctylsulfosuccinat

4. Klysmen und Einläufe

5. Methylnaltrexon (Opiod-Antagonist, seit 2008 in Deutschland zugelassen, Indikation bei Schwerkranken, die ungenügend auf andere Laxanzien ansprechen)


Komplikationen

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Bei Obstipationen kommen folgende Komplikationen vor:

  • Hämorrhoiden
  • Analfissuren
  • Rektumprolaps
  • Divertikulose, Divertikulitis
  • Entstehung von Kotsteinen (Skybala)
  • Koprostase (kompletter Stuhlverhalt)
  • Entstehung eines Ileus und Megacolons

Zusatzhinweise

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Die normale Stuhkfrequenz beträgt 1-3 x / Tag bis zu 2x / Woche.

Man unterscheidet zwei Arten der chronischen Obstipation:

  • slow transit - Obstipation = kolgene Obstipation (Transitzeit im Gastrointestinal-trakt auf >5 Tage verlängert /normal: 2- 5 Tage,es besteht kein spontaner Stuhldrang)
  • anorektale Obstipation = outlet obstruction (ständiger Stuhldrang, aber trotz Pressen und weichem Stuhl Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung durch Blockade des Analkanals)

In der Pallitaivmedizin treten mehr funktionelle Obstipationen im Vergleich zu organisch bedingten Obstipationen auf.


Literaturquellen

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  1. (2009) Dtsch Arztebl Int; 106(25): 424-31
  2. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 -Köln
  3. (2008) Larkin PJ, Sykes NP, Centeno C et al.: The management of constipation in palliative care: clinical practice recommendations. European Consensus Group on Constipation in Palliative Care. Palliat Med; 22(7): 796–807.
  4. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  5. (2007) AWMF - Leitlinien - Obstipation (Pädiatrie)
  6. (2007) Hahn J-M - Checkliste Innere Medizin - Thieme
  7. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer 
  8. (2007) Sperber AD, Shvartzman P, Friger M, Fich A., A comparative reappraisal of the Rome II and Rome III diagnostic criteria: are we getting closer to the 'true' prevalence of irritable bowel syndrome?, Eur J Gastroenterol Hepatol
  9. (2006) Chang L: From Rome to Los Angeles – The Rome III criteria for the functional GI disorders. Gastroenterology; 130: 1480–91.
  10. (2006) Longstreth GF :Functional bowel disorders. Gastroenterology, 130:1480-91
  11. (2004) Dtsch Med Wochenschrift; 129: S82-S84 (2004) Bausewein C et al: Leitfaden Palliativmedizin, 2. Auflage, München, Jena
  12. (2003) Klaschik E : Symptome in der Palliativmedizin: Obstipation, Hannover

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Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Palliativmedizin

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