Obstipation

Synonyme: Stuhlverstopfung, Verstopfung, Darmverstopfung, Verdauungsstörung, Konstipation

Definition

Obstipation

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Nach den ROM III-Kriterien [7;8] ist die funktionelle Obstipation definiert als:

  • weniger als drei Stuhlentleerungen / Woche
  • starkes Pressen bei der Stuhlentleerung
  • Gefühl einer anorektalen Blockierung
  • harter Stuhlgang
  • weicher Stuhlgang nur durch Abführmittel
  • unvollständige Stuhlentleerung
  • manuelle Unterstützung bei der Stuhlentleerung
  • nicht ausreichende Kriterien für die Diagnose eines Reizdarmsyndroms

Mindestens zwei dieser Kriterien müssen zur Diagnosestellung innerhalb von 6 Monaten an 3 Monaten erfüllt sein.


Ätiologie

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Die Ursachen der Obstipation:

  • faserarme Kost und mangelnde Flüssigkeitsaufnahme (funktionelle Obstipation)
  • mangelnde Bewegung und Unterdrückung des Defäkationsreizes (funktionelle Obstipation)
  • Reizdarmsyndrom
  • Fieberhafte Erkrankungen, Bettlägerigkeit, auf Reisen, Schichtarbeit  (passagere oder situative Obstipation)
  • Medikamente (z.B. Codein, Opiate, Psycho-pharmaka, Anti-Parkinsonmittel, Antazida, Anticholinergika, Clonidin, Verapamil, Colestyramin)
  • Hypokaliämie (v.a. durch Abführmittel)
  • Hyperkalzämie
  • Organischen Darmerkrankungen ( z.B. Adenom, Karzinom, stenosierende Divertikulitis,  Fremd-körper, Divertikulitis, M.Crohn, Fissuren, Abszesse, Rektumschleimhautprolaps, Rektozele, Hämorrhoiden)
  • Neurogene Störungen( z.B. Diabetes mellitus, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose)
  • Hypothyreose
  • Schwangerschaft, gynäkologische Grunderkrankungen(z.B. Adnexitis, Ovarialtumor)

Epidemiologie

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Die epidemiologischen Daten der Obstipation:

  • w : m = 2 : 1
  • gehäuft  in Industrieländern (Zivilisationskrankheit !)
  • Zunahme mit höherem Alter                        ( 20-30 % aller > 60 Jährigen )

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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  • Seit wann besteht die Verstopfung (akut oder chronisch)?
  • wie oft in der Woche kommt es zur Stuhlentleerung? 
  • Beschaffenheit des Stuhlgangs?
  • schmerzhafter Stuhlgang?
  • Vorangegangene Urlaubsreisen, Bettlägerigkeit, fieberhafte Erkrankungen ?
  • Umstellung der Ernährung?
  • Faserarme Ernährung?
  • Trinkmenge pro Tag?
  • Medikamenteneinnahme?
  • Nikotin- und / oder Alkoholkonsum?
  • Blut im Stuhl?
  • Gewichtsverlust?
  • Völlegefühl? 
  • Übelkeit? Erbrechen?
  • Bauchschmerzen?
  • Schmerz bei der Stuhlentleerung?
  • Blähungen?
  • Ernährungsgewohnheiten?
  • Grunderkrankungen?
  • Wieviel Bewegung im Alltag und in der Freizeit?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung von Obstipationen sind relevant:

  • Genaue Anamnese
  • Abdominelle Palpation und Auskultation
  • Digitale Austastung des Rektums
  • gynäkologische Untersuchung bei Frauen
  • Laborscreening mit  Elektrolyten (Kalium, Kalzium), TSH
  • Test auf okkultes Blut im Stuhl
  • Sonografie des Abdomens
  • Abdomenübersichtsaufnahme bei Verdacht auf Ileus
  • Proktoskopie / Rektoskopie / Koloskopie
  • Evtl. Kolonkontrasteinlauf
  • Kolontransittest (zur Objektivierung und Lokalisierung der Obstipation) : Orale Aufnahme röntgendichter Marker, danach Auszählen und Lokalisieren der Marker sowie Bestimmung der Passagezeit
  • evtl. Defäkogramm und Analsphinktermanometrie (bei Verdacht auf rektale Entleerungsstörungen)

Klinik

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Die Obstipation kann eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • dauerhaft harte oder klumpige Stuhlkonsistenz
  • verminderte Stuhlfrequenz
  • Starkes, schmerzhaftes Pressen
  • schmerzhafter Stuhlgang
  • Völlegefühl, Übelkeit
  • abdominelle Schmerzen
  • Gefühl der Blockierung des Enddarmes
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung
  • evtl. Blut im Stuhl

Therapie

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Kausale Therapie

  • Behandlung auslösender Erkrankungen
  • Weglassen obstipierender Medikamente
  • Bei anorektaler Obstipation Biofeedback-Training

Symptomatische Therapie

Stufenplan der Therapie bei chronischer funktioneller Obstipation:

1. Aufklärung, Allgemeinmaßnahmen ( unter  Berücksichtigung bestehender Grunderkrankungen):

  • Erklärung einer normalen Stuhlfrequenz
  • Ernährungsumstellung, Ernährungsberatung
  • Ballaststoff- und faserreiche Kost (viel Gmüse, Salat, Früchte, Trockenobst)
  • reichliche Flüssigkeitszufuhr (1,5 - 2 l pro Tag)
  • körperliche Bewegung
  • Wahrnehmung des Defäkationsreizes, Verhaltenstherapie
  • Bahnung des gastrokolischen Reflexes (ein Glas kaltes Wasser auf nüchternen Magen trinken)
  • Kolonmassage (leichte Bauchdeckenmassage entlang des Kolons morgens vor dem Aufstehen)

2. Behandlung mit Füll- und Quellmitteln über 1 Monat

  • Leinsamen, Flohsamen (viel trinken!)

3.Osmotische und salinische Laxantien

  • Lactulose (10-20 g/d)
  • Macrogol (1-2 Beutel/d)
  • Magnesiumsulfat (1 Eßlöffel)
  • Natriumsulfat (1 Eßlöffel)

4.Stimulierende Laxantien

  • Bisacodyl, als Suppositorium bei anorektaler Obstipation
  • Natriumpicosulfat
  • Sennoside
  • Glyzerin als Suppositorium
  • Klistiere mit Natriumdioctylsulfosuccinat

Komplikationen

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Bei Obstipationen kommen folgende Komplikationen vor:

  • Hämorrhoiden
  • Analfissuren
  • Rektumprolaps
  • Divertikulose, Divertikulitis
  • Entstehung vonKotsteinen (Skybala)
  • Koprostase (kompletter Stuhlverhalt)
  • Entstehung eines Ileus und Megacolons
  • evtl. erhöhtes Risiko für Kolorektale Karzinome

Zusatzhinweise

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Die normale Stuhkfrequenz beträgt 1-3 x / Tag bis zu 2x / Woche.

Man unterscheidet zwei Arten der chronischen Obstipation:

  • slow transit - Obstipation = kolgene Obstipation (Transitzeit im Gastrointestinal-trakt auf >5 Tage verlängert /normal: 2- 5 Tage,es besteht kein spontaner Stuhldrang)
  • anorektale Obstipation = outlet obstruction (ständiger Stuhldrang, aber trotz Pressen und weichem Stuhl Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung durch Blockade des Analkanals)

Literaturquellen

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  1. (2009) Dtsch Arztebl Int; 106(25): 424-31
  2. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 -Köln
  3. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  4. (2007) AWMF - Leitlinien - Obstipation (Pädiatrie)
  5. (2007) Hahn J-M - Checkliste Innere Medizin - Thieme
  6. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer 
  7. (2007) Sperber AD, Shvartzman P, Friger M, Fich A., A comparative reappraisal of the Rome II and Rome III diagnostic criteria: are we getting closer to the 'true' prevalence of irritable bowel syndrome?, Eur J Gastroenterol Hepatol
  8. (2006) Chang L: From Rome to Los Angeles – The Rome III criteria for the functional GI disorders. Gastroenterology; 130: 1480–91
  9. (2006) Longstreth GF :Functional bowel disorders. Gastroenterology, 130:1480-91
  10. (2004) Dtsch Med Wochenschrift; 129: S82-S84

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