Norovirus

Synonyme: akute Gastroenteritis durch Norovirus, Norwalk Virus Infektion, Norwalk like Virus

Definition

Norovirus

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Eine Infektion mit dem Norovirus (auch Norwalk-ähnlicher Virus) aus der Familie Caliciviridae verursacht leichte bis mittelschwere Gastroenteritiden (Magen-Darm-Entzündung mit Durchfall, Erbrechen).


Ätiologie

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Die Infektion mit Norovirus wird über zwei Infektionswege übertragen:

  1. fäkal-oral
  2. aerogen

Inkubationszeit: 10-50 h


Epidemiologie

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Die Noroviren zählen zu den häufigsten Erregern akuter infektiöser Gastroenteritis:

  • bei Kindern 30% der nicht bakteriell bedingten Fälle
  • bei Erwachsenen 50%
  • bei Kleinkindern ist Norovirus, nach Rotavirus, der zweithäufigste Erreger der akuten Gastroenteritis überhaupt

Die Norovirusinfektionen :

  • kommen typischer Weise im Frühjahr und Winter vor.
  • bedingen oft kleinere Epidemien in sozialen Einrichtungen (Altenheim, Kindergarten etc.)

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Verdacht auf eine Infektion mit Noroviren sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Plötzliche Brechdurchfälle?
  • Übelkeit?
  • schweres Krankheitsgefühl?
  • Bauchkrämpfe?
  • Gliederschmerzen?
  • Muskelschmerzen?
  • Fieber?
  • Kopfschmerzen?
  • Personen im Umfeld betroffen?
  • Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung?
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung einer durch Norovirus bedingter Infektion sind relevant:

  • Stuhlprobe sinnvoll bei Patienten mit Durchfall ohne bekannte andere Ursache, bei Häufungen von Durchfall und Erbrechen in Gemeinschaftseinrichtungen
  • bei untypischer Symptomatik keine Diagnostik
  • Meldepflicht bei Norovirusnachweis
  • klinische Symptomatik

Klinik

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Die klinische Symptomatik einer durch Norovirus bedingter Infektion:

  • akute Gastroenteritis: heftiges Erbrechen und/oder oft schlagartig auftretender Durchfall
  • Bauchkrämpfe
  • allemeines Krankheitsgefühl, Mattigkeit, Kopfschmerzen
  • Kreislaufreaktionen
  • selten Fieber, eher leicht erhöhte Temperatur
  • meist nach 12 bis 60 Stunden abgeklungen
  • Gefahr der Exsikkose bei kleinen Kindern und auch Senioren
  • noch 2 Wochen später können Viren ausgeschieden werden

Die klassische Trias einer Norovirusinfektion:

  1. Akute wässrige Durchfälle
  2. Übelkeit
  3. Schwallartiges Erbrechen

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei einer durch Noroviren bedingter Infektion umfassen:

  • keine kausale Therapie
  • reichliche Flüssigkeitszufuhr, ggf. auch per Infusion (laut WHO: orale hypotone Rehydratationslösung mit Natrium gehalt von maximal 75 mmol/L)
  • evtl. krampflösende Mittel (Butylscopolamin 20-40 mg parenteral bei Erwachsenen, 0,3-0,6 mg/kg bei Kindern)
  • evtl. Antiemetika zum Erleichtern der oralen Aufnahme (Dimenhydrinat Supp 40 mg bei Kleinkindern 1-2/Tag, Kinder ab 25 kg 2-4/Tag)
  • Kost langsam wieder aufbauen
  • Hygiene: v.a. Hände und WC
  • Bettruhe anfangs sinnvoll
  • kein Aufsuchen einer Gemeinschaftseinrichtung (für Kinder unter 6 Jahren gemäß § 34 Abs.1 IfSG schon bei Verdacht verboten!)
  • Wäsche bei mindestens 60°C reinigen
  • bei schweren Verläufen v.a. kleine Kinder stationär aufnehmen

Komplikationen

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Bei der durch Norovirus bedingter Infektion kommen folgende Komplikationen vor:

  • Exikkose, die bei sehr jungen und alten Menschen zum Tod führen kann
  • chronischer Verlauf bei Immuninkompetenten

Zusatzhinweise

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Bei einer durch Noroviren bedingter Infektion sind noch folgende Informationen von Bedeutung:

  • Norovirusinfektionen sind meldepflichtig!
  • bei Patienten ohne Immunschwäche ist die Infektion selbstlimitierend im Verlauf über 1-3 Tage
  • geringe Letatität (unter 0,1%) betrifft v.a. Kleinkinder und alte Menschen

Literaturquellen

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  1. (2008) AWMF - Leitlinie - Akute infektiöse Gastroenteritis
  2. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  3. (2000) Ratgeber Infektionskrankheiten, 11. Folge: Erkrankungen durch Norwalk-like-Viren- Epidemiologisches Bulletin;4: 29-31.
  4. (2009) Deutschland erlebt das dritte Jahr in Folge eine Norovirus-Winterepidemie - Epidemiologisches Bulletin;4: 26-29.

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