Non-Hodgkin-Lymphome

Synonyme: NHL

Definition

Non-Hodgkin-Lymphome

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Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) sind eine heterogene Gruppe maligner Tumoren verschiedener Subpopulationen des lymphatischen Systems.


Ätiologie

Non-Hodgkin-Lymphome

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Pathogenese der Non-Hodgkin-Lymphome:

  • in der Mehrzahl der Fälle sind die Genloci der Immunglobulinketten in typspezifischen choromosomalen Translokationen involviert
  • ungehemmmte Lymphozytenteilung bei gleichzeitigem Apoptose - Ausbleiben
  • Lymphozyten verdrängen andere Zellen
  • von B - oder T - Lymphocyten ausgehend
  • Fehlender Nachweis von Hodgkin- und Sternberg- Reed Zellen
  • 30% leukämische Manifestation

Erhöhtes Risiko von Non-Hodgkin-Lymphomen:

  • bei gewissen Immundefekten (z.B. Wiskott-Aldrich-Syndrom, Ataxia teleangiectatica) und nach Organtransplantation treten NHL gehäuft auf
  • außerdem können sie bei X-gekoppeltem lymphoproliferativem Syndrom (EBV), bei HIV-, Hepatitis-C- und Helicobacterpylori-Infektionen entstehen

Epidemiologie

Non-Hodgkin-Lymphome

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Zur Epidemiologie von Non-Hodgkin-Lymphomen: 

  • 6 – 10/100 000 Fälle pro Jahr
  • Risiko bei AIDS-Pat. bis zu 1000x erhöht
  • Männer ca. 1,5-2x häufiger betroffen als Frauen der Anteil der NHL an allen kindlichen Tumoren beträgt etwa 7%
  • bei Diagnosestellung sind die Patienten durchschnittliche 9 Jahre alt

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei Non-Hodgkin-Lymphomen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Symptomatik?
  • Inspektion
  • zervikale schmerzlose Lymphknotenschwellung?
  • Atemnot?
  • palpabler Tumor (abdominal)?
  • Schmerzen (abdominal)?
  • Hepatomegalie?
  • Infektion?
  • Grunderkrankung?
  • Bestrahlung?
  • Transplantation?
  • Chemotherapie?
  • Fieber?
  • Gewichtsverlust?
  • Nachtschweiß?
  • Abgeschlagenheit?
  • Müdigkeit?
  • Blutbild
  • Genetik

Diagnostik

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Die Diagnostik von Non-Hodgkin-Lymphomen gestaltet sich wie folgt:

  • Biopsie: und histologische Untersuchung aus Lymphknoten oder Primärtumor entscheidend
  • Blutbild kann normal sein
  • Harnsäure und LDH sind oft erhöht
  • Bildgebung: Sonographie, Röntgen, Kernspintomographie betroffener Regionen
  • Knochenmarkpunktion: Ausschluss einer Knochenmarkbeteiligung (>5% Blasten)
  • Zytogenetik und Molekulargenetik: Nachweis von Translokationen und Rearrangements

Klinik

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Non-Hodgkin-Lymphome können eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • eine zervikale schmerzlose Lymphknotenschwellungist das häufigste klinische Leitsymptom
  • mediastinale Tumoren Können zu Atemnot und oberer Einflussstauung führen
  • abdominelle Tumoren fallen durch eine palpable Resistenz und Schmerzen auf
  • häufig besteht eine Hepatosplenomegalie
  • Anämiesymptome, Infektanfälligkeit
  • ggf. B-Symptomatik

Labor:


Therapie

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Zu den therapeutischen Möglichkeiten bei Non-Hodgkin-Lymphomen:

  • die Unterteilung inlymphoblastische und nicht-lymphoblastische Lymphome ist die therapiestrategisch wichtigste
  • für lymphoblastische Lymphome sind Therapiestrategien mit kontinuierlicher Zytostatikaexposition über längere Zeiträume, wie sie bei ALL angewandt werden, effektiv
  • Lymphome vom Burkitt-Typ, andere hochmaligne nichtlymphoblastische Lymphome und großzellig-anaplastische Lymphome sprechen besser auf kurze, intensive Chemotherapiekurse mit hoher Dosisintensität unter Verwendung von Kortikosteroiden, Chyclophosphamid und Methotrexat an
  • die wichtigste Kriterien zur Stratifizierung der Therapieintensität sind das Stadium, die Tumormasse und der ZNS-Befall

Übersicht:

  • Niedrigmaligne NHL Stad. I + II: kurative Radiotherapie
  • Niedrigmaligne NHL Stad. III + IV: palliative Chemotherapie 
  • Hochmaligne NHL: Polychemotherapie mit oder ohne Radiotherapie

Prognose:

  • mit einer nach o.g. Kriterien Stratifizierung Therapie haben die Kinder mit allen NHL-Formen vergleichbare Überlebenschancen
  • die Prognose ist mit einem rezidivfreien Überleben von 82% gut
  • bei Patienten mit B-NHL/B-ALL kann nach etwa 6-9 Monaten, bei großzellig-anaplastischen Lymphomen nach etwa 1 Jahr Rezidivfreiheit von einer Heilung ausgegangen werden
  • für alle NHL-Formen gilt, dass Patienten, die ein Rezidiv während der Erstbehandlung erleiden, so gut wie keine Überlebenschance haben

Komplikationen

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Bei Non-Hodgkin-Lymphomen kommen folgende Komplikationen vor:

  • Sepsis
  • thrombopenische Blutungen

Zusatzhinweise

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Stadieneinteilung (nach Ann Arbor): 

  1. Stadium I: nur eine LK - Region befallen
  2. Stadium II: mehrere LK - Regionen auf 1 Zwerchfellseite befallen
  3. Stadium III: paraaortale LK auf beiden Zwerchfellseiten befallen
  4. Stadium IV: extralymphatische Organe befallen

Klassifikation der Non-Hodgkin-Lymphome:

  • die ausgedehnten Klassifikationen, die für Lymphome im Erwachsenenalter entwickelt wurden, haben in der Pädiatrie wenig Bedeutung
  • die aktuelle WHO-Klassifikation unterscheidet Neoplasien der Vorläufer-B- und -T-Zellen sowie Neoplasien der reifen B- und T-Zellen
  • bei den meisten NHL im Kindesalter handelt es sich um hochmaligne diffuse Neoplasien
  • drei Formen werden aufgrund ihrer morphologischen, immunologischen und zytogenetischen Charakteristika unterschieden

 1. Kleinzellige Lymphome (Burkitt-Lymphome):

  • diese Untergruppe ist mit 50% am häufigsten
  • bei der endemischen Form handelt es sich um den häufigsten Tumor bei Kindern im tropischen Afrika
  • in Europa kommt fast nur die sporadische Form vor
  • eine assoziierte EBV-Infektion kommt bei der endemischen Form in >90% der Fälle, bei der sporadischen Form nur in 20% der Fälle vor
  • bei > 25% Blasten in Knochenmark spricht man von B-ALL
  • Charakteristisch ist eine Dysregulation des auf dem langen Arm von Chromosom 8 liegenden c-myc-Onkogens durch Translokationen und Juxtaposition zu einem Immunglobulingen

 2. Lymphoblastische T-Zell-Lymphome:

  • 20-25% der NHL gehören zu dieser Gruppe
  • die Zellen ähneln überwiegend T-Zellen aus dem Thymus und zu einem geringeren Anteil B-Vorläufer-Zellen
  • es besteht häufiger ein Mediastinalbefall als bei den anderen Formen
  • verschiedene Translokationen führen zu Dysregulation der Expression eines Protoonkogens infolge Juxtaposition zu einem T-Zell-Rezeptor-Gen

3. Großzellig-anaplastische Lymphome:

  • weniger als 10% der NHL bei Kindern gehören zu dieser Gruppe
  • morphologisch finden sich pleomorphe anaplastische Zellen, die CD30 (Ki-1-Antigen) exprimieren
  • immunologisch werden T-und Null-Typ unterscheiden
  • ätiologisch wurden unterschiedliche Translokationen identifiziert, die zu Fusionsgenen führen

Stadieneinteilung

  • Die NHL-Stadien bei Kindern werden z.B. nach der modifizierten St.-Jude-Klassifikation eingeteilt

Literaturquellen

Non-Hodgkin-Lymphome

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  1. F. Kaestner, J. Warzok, C. Zechmann - Innere Medizin - Urban & Fischer
  2. Classen, Diehl, Kochsiek - Innere Medizin - Urban & Fischer
  3. Roche - Lexikon Medizin - Urban & Fischer
  4. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  5. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  6. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  7. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  9. A.C. Muntau - Intensivkurs Pädiatrie - Urban u. Fischer
  10. V. Schumpelick, N. Bleese, U. Mommsen - Kurzlehrbuch Chirurgie - Thieme Verlag

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