Neugeborenensepsis

Synonyme: Neonatale Sepsis, Blutvergiftung des Neugeborenen

Definition

Neugeborenensepsis

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Bei der Neugeborenensepsis handelt es sich um eine generalisierte bakterielle Erkrankung, die durch die klinischen Symptome einer systemischen Infektion und durch eine Bakteriämie gekennzeichnet ist. Die Neugeborenensepsis kann in ein Multiorganversagen und in einen septischen Schock münden.

Ätiologie

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Ursachen einer Neugeborenensepsis können sein:

  • Vorzeitiger Blasensprung > 18 h
  • mütterliches Fieber > 38,5 °C
  • mütterliches CRP > 20 mg/dl
  • Harnwegsinfektion oder Bakteriurie der Mutter
  • Asphyxie
  • Mekoniumaspiration
  • Frühgeburtlichkeit
  • intratracheale Beatmung des Kindes
  • Intravenöser Zugang oder zentraler Venenkatheter des Kindes
  • enterale Ernährung des Kindes

Infektionswege:

  • Hämatogen
  • Transplazentar

  • Aspiration von infiziertem Fruchtwasser

  • Kutane oder intestinale Besiedelung des Neugeborenen

  • Vertikale Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Geburt

  • Nosokomiale Infektionen: Begünstigung durch invasive Maßnahmen

Erregerspektrum:

Early-Onset-Sepsis:

Late-Onset-Sepsis:

Nosokomiale Sepsis:

  • Staphylococcus epidermidis
  • Klebsiellen
  • Pseudomonas
  • Serratia
  • Candida albicans

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Neugeborenensepsis liegen folgende Daten vor:

  • Auftreten bei 1-3 Kindern / 1000 lebend geborene Kinder [11].
  • Bei vorzeitigem Blasensprung erhöht sich die Inzidenz auf 3-5 %
  • 25% der Sepsispatienten erkranken auch an einer Meningitis
  • Es besteht eine deutlich erhöhte Morbidität und Mortalität von Früh- und Neugeborenen.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Neugeborenensepsis

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Wichtige Informationen bei der Neugeborenensepsis sind:
  • Temperaturregulationsstörungen?
  • Tachypnoe?
  • Apnoe?
  • Trinkschwäche und Erbrechen?
  • blassgraues Hautkolorit?
  • Zyanose?
  • Marmorierung?
  • kühle Peripherie?
  • Ikterus?
  • Hyperexzitabilität?
  • gespannte Fontanelle?
  • Apathie?
  • Krampfanfälle?
  • Petechien und Blutungsneigung?
  • Entzündungen der Nabelschnur?
  • Eiterbläschen der Haut?

Diagnostik

Neugeborenensepsis

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Die Diagnostik der Neugeborenensepsis umfasst:
  • körperliche Untersuchung mit Körpertemperatur, Puls- und Atemfrequenz, RR, Gewicht
  • Labor mit Blutbild (Leukozytose oder Leukozytopenie, Linksverschiebung, Thrombozytopenie), CRP (C-reaktives Protein erhöht, jedoch frühestens 8-12 h nach Beginn der klinischen Symptomatik), Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte, LDH, GOT, GPT, GGT, AP, BZ, Laktat, Gerinnung)
  • IL-6, IL-8 und Prokalzitonin im Serum steigen im Verlauf einer Sepsis deutlich früher an als das C-reaktive Protein
  • I/T-Wert (immature/total-Wert: Stabkernige/Gesamtzahl der Leukozyten > 0,2, ab dem 2. Lebenstag spezifischer Hinweis auf Infektion)
  • Blutgasanalyse
  • bakteriologische Kulturen: Haut- und Schleimhautabstriche, Urinkultur, Blutkulturen,
  • evtl. Liquorpunktion (Zellzahl, Glukose, Eiweiß
  • EKG

Klinik

Neugeborenensepsis

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Symptome einer Neugeborenensepsis können sein:
  • "schlechtes Aussehen“
  • Temperaturregulationsstörungen
  • Tachypnoe
  • Apnoe
  • Trinkschwäche und Erbrechen
  • aufgetriebenes Abdomen
  • blassgraues Hauptkolorit
  • Zyanose, Marmorierung
  • kühle Peripherie
  • Ikterus
  • Hyperexzitabilität
  • Apathie
  • Krampfanfälle
  • Petechien und Blutungsneigung
  • Durchfälle oder Verstopfung
  • Hepatosplenomegalie
  • gespannte Fontanellen
  • erniedrigter Blutdruck

Therapie

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Die Therapie einer Neugeborenensepsis besteht aus:
  • intensivmedizinische Therapie und Überwachung
  • iv. Zugang
  • Sauerstoffapplikation, ggf. Intubation und Beatmung
  • parenterale Ernährung
  • Volumensubstitution
  • BZ engmaschig kontrollieren
  • eine intravenöse antibiotische Therapie ist beim ersten klinischen Verdacht unbedingt erforderlich!
  • vor Beginn der Antibiose: mehrere Blutkulturen, Urinkultur, Liquorpunktion
  • zunächst erfolgt z.B. eine Dreifachtherapie mit einem Cephalosporin, Ampicillin und einem Aminoglykosid, falls keine Besserung zusätzlich Metronidazol (Abdeckung des anaeroben Keimspektrums)
  • bei V.a Pilzinfektion: Amphotericin B und Flucytosin oder Fluconazol
  • die antibiotische Therapie wird nach Erhalt der bakteriologischen Ergebnisse mit Resistenzprüfung an das Erregerspektrum angepasst
  • bei Meningitis erfolgt die Behandlung in doppelter Dosierung („Meningitisdosis“)
  • begleitend wird eine Candida-Prophylaxe mit Nystatin durchgeführt
  • Blutdruckstabilisierung mit Katecholaminen iv.
  • Ausgleich einer metabolischen Azidose mit Natriumbikarbonat
  • bei DIC: Vitamin K, Antithrombin III oder Fresh Frozen Plasma
  • ggf. Thrombozyten- oder Erythrozyten-konzentrate
  • engmaschige Überwachung der Nierenfunktion

Komplikationen

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Komplikationen der Neugeborenensepsis können sein:


Zusatzhinweise

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Formen der Neugeborenensepsis:

  • Early-Onset-Sepsis: Auftreten in den ersten 3 Lebenstagen, foudroyanter Verlauf (>90% der Fälle)
  • Late-Onset-Sepsis: Auftreten nach der 1. Lebenswoche (<10% der Fälle)

  • Nosokomiale Sepsis: Auftreten bei intensivmedizinisch behandelten Früh- und Neugeborenen nach dem 3. Kliniktag

Prävention der Neugeborenensepsis durch Streptokokken der Gruppe B:

  • bei Nachweis einer Besiedelung mit Streptokokken der Gruppe B in der 35.-37.SSW und/oder Vorhandensein von Risikofaktoren (drohende Frühgeburt, vorzeitiger Blasensprung, Temperatur > 38,5 °C) erhält die Schwangere eine intrapartale Chemoprophylaxe mit Penicillin G (Mittel der ersten Wahl) oder Ampicillin
  • hierdurch wird die frühe Form der Neugeborenensepsis in 89% der Fälle verhindert.

Literaturquellen

Neugeborenensepsis

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  1. (2009) Gruber S - BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH
  2. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  3. (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
  4. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  5. (2008) Bühling K J, Friedmann - Intensivkurs Gynäkologie - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  7. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  8. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  9. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  10. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag
  11. (1992) Weisman LE, Stoll BJ, Cruess DF et al.: Early onset group B streptococcal sepsis: A current assessment. Journal Pediatrics 121:428-433

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