Nächtliche Enuresis

Synonyme: Enuresis nocturna

Definition

Nächtliche Enuresis

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Als Enuresis bezeichnet man unwillkürlichen Harnabgang. Primäre Enureseis nocturna ist ein persistierendes regelmäßiges nächtliches Einnässen, sekundäre Enuresis nocturna isi ein Wiederauftreten nächtlichen Bettnässens.


Ätiologie

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Die Ursachen der nächtlichen Enuresis sind:

  • Maturationshemmung des Miktionsreflexes
  • genetische/familiäre Disposition
  • Schlafstörungen mit gestörter Perzeption des Miktionsreflexes
  • abnorme Trinkgewohnheiten
  • ADH - Sekretionsstörungen
  • psychogene Störungen

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Enuresis sind folgende Daten bekannt:

  • Enuresis diurna: Mädchen > Jungen
  • Enuresis nocturna: Jungen > Mädchen
  • 80%: Enuresis nocturna
  • die Spontanheilungsrate beträgt jährlich 15% bis zur Pubertät
  • die Prävalenz liegt dann unter 2%
  • die Enuresis kann selten bis ins Erwachsenenalter persistieren

Inzidenz der Enuresis:

  • 25-33% der 4 jährigen Kindern
  • 15% der 5-6 jährigen Kindern
  • 5-7% der 7 jährigen Kindern
  • 1% der 15 Jährigen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei nächtlicher Enuresis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Symptomatik?
  • Familienanamnese?
  • psychologische Anamnese?
  • Alter des Kindes?
  • Grunderkrankungen?
  • Medikamente?
  • Schlafgewohnheiten?
  • Zeit ohne Einnässen?
  • Trinkverhalten?

Diagnostik

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Folgenden Untersuchungstechniken können bei nächtlicher Enuresis angewendet werden:

  • körperliche Untersuchung

Miktionstagebuch:

  • nach einer Anleitung werden für 2 Wochen das Trinken (Uhrzeit, Volumen), die Miktion (Uhrzeit, Volumen) und die Defäkation (Uhrzeit) dokumentiert
  • weiterhin dokumentiert werden der Zeitpunkt von Drangsymptomen und Harninkontinenz.

Urin:

  • Sediment und Kultur zum Ausschluss eines Harnwegsinfektes

Ultraschall:

  • Detektion von Miktionsstörungen (Dicke der Harnblasenwand? Restharn?)
  • Ausschluss von pathologischen Befunden am oberen Harntrakt (Nierengröße? Harnstau? Parenchymnarben?)

Weiterführende Diagnostik:

  • bei auffälligen Befunden in den vorangegangenen Untersuchungen oder bei frustraner Therapie sind weiterführende Untersuchungen notwendig: Harnstrahlmessung mit Beckenboden-EMG, MCU, Urodynamik, Nierenszintigraphie, Urogramm, Zystoskopie

Klinik

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Das nächtliche Bettnässen ist die einzige Beschwerde der nächtlichen Enuresis.


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten der nächtlichen Enuresis umfassen folgendes:

  • Miktionsprotokoll führen
  • psychologische Beratung
  • Miktionstraining
  • Einsatz der apparativen Konditionierungsbehandlung (Klingelmatte, Klingelhose, über mindestens 8-10 Wochen)

ggf. Desmopressin:

  • Dosierung: zunächst 200 μg p.o. 0-0-1 über 2 Wochen
  • nur bei fehlendem Effekt Erhöhung auf 400 μg p.o. 0-0-1 für 2 Wochen
  • bei erfolgreicher Therapie Fortsetzung der Desmopressin-Therapie für 8 Wochen
  • ausschleichen der Desmopressin-Gaben über 6 Wochen (2 Wochen jeden zweiten Tag, 2 Wochen 2x/Woche, 2 Wochen 1x/Woche)
  • die Dosisreduktion wird nur dann fortgesetzt, wenn das Kind trocken bleibt

Komplikationen

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Harnwegsinfektionen sind die häufigsten Komplikationen der nächtlichen Enuresis.

Die Enuresis ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Infolge der Enuresis kann es zu psychischen Auffälligkeiten kommen.


Zusatzhinweise

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Die nächtliche Enuresis sollte erst ab 5. Lebensjahr therapiert werden.


Literaturquellen

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  1. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  2. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  3. (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  4. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  5. Sökelnad J, Schulze H, Rübben H - Urologie -Thieme
  6. (2006) Roche - Lexikon Medizin - Urban & Fischer

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