Myositis ossificans
Synonyme: Muskelverknöcherungen, heterotope Ossifikation
Definition
Myositis ossificans
Als Myositis ossificans bezeichnet man progressive Verknöcherungen in quergestreiften Muskeln.
Myositis ossificans
Ätiologie
Myositis ossificans
Ursachen der Myositis ossificans sind:
- metaplastische Knochenbildung = Knochenentwicklung im Weichteilgewebe, hier im Muskelgewebe
- generalisierte Form der Myositis ossificans (progressiva) ist gekennzeichnet durch eine langsam fortschreitende Verknöcherung der quergestreiften Muskulatur, beginnend in der Rückenmuskulatur mit Ausbreitung über den ganzen Körper; Die Prognose ist infaust
- häufigste Form = Myositis ossificans circumscripta; örtlich begrenzte Verknöcherung im Muskel; entsteht u.a. als Folge von Traumata (z.B. einmaliges Trauma, aber auch chronische Beanspruchung) oder einer Nervenschädigung (peripher oder zentral)
- auch bei Querschnittslähmungen, apoplektischen Insulten und Rückenmarkserkrankungen kann es bei entsprechender Disposition zu Verknöcherungen kommen
- Verknöcherungen finden sich z.B. in den Adduktoren bei Reitern und bei Soldaten im M. deltoideus sowie im M. pectoralis (sog. Exerzierknochen)
- auch nach Implantation von TEP´s an der Hüfte werden periartikuläre Ossifikationen beobachtet, besonders wenn intraoperativ, also iatrogen, die Weichteilgewebe stark traumatisiert werden
Myositis ossificans Epidemiologie zu:
Myositis ossificans
Epidemiologie
Myositis ossificans
- häufigste Form ist die Myositis ossificans circumscripta
- gehäuftes Vorkommen bei Sportlern (z.B. Reiter) oder Personen, die aus beruflichen Gründen einzelne Muskelpartien dauerhaft und einseitig beanspruchen
Myositis ossificans Differentialdiagnosen zu:
Myositis ossificans
Differentialdiagnosen
Myositis ossificans
- Kallusbildung bei Brüchen der Mittelfußknochen
- Geschlossene Tibiafraktur
- Riss der Quadrizepssehne
- Kongenitale Myopathien
- Lipomatose
- Knochentumoren
- Degenerative, entzündliche und andere glenohumerale Erkrankungen
- Intraartikulärer Bluterguss
- Osteomyelitis sclerosans
- Aneurysmatische Knochenzyste
- Knochenmetastasen
- Kallus
- Progressive Muskeldystrophien
- Ewing-Sarkom
- Fibrome (Haut)
- Polymyositis und Dermatomyositis
- Lipom
- Osteosarkom
Myositis ossificans Anamnese zu:
Myositis ossificans
Anamnese
Myositis ossificans
Wichtige zu erhebende Informationen der Myositis ossificans sind:
- Schmerzen?
- Schwellung überwärmt?
- besteht Fieber?
- Abgeschlagenheit? Schwäche? Gewichtsverlust?
- Bewegungseinschränkung?
- intraoperative Traumata?
- andere Traumata?
- Querschnittslähmung vorhanden?
- Apoplex?
- Rückenmarkserkrankungen bekannt?
- Hüft-TEP erhalten?
- Verlauf
- Grunderkrankungen?
- ähnliche Fälle in der Familie?
- Sozialanamnese
Myositis ossificans Diagnostik zu:
Myositis ossificans
Diagnostik
Myositis ossificans
Zur diagnostischen Abklärung der Myositis ossificans sind relevant:
- Inspektion
- Palpation (verschieblich? abgrenzbar?)
- Röntgen: wolkige oder streifenförmige Verschattungen im Muskelverlauf
- Labordiagnostik: im Frühstadium und bei noch aktiver Ossifikation ist die alkalische Phosphatase erhöht (AP↑)
- Szintigramm: positiv
- ggf. zum Ausschluss der Differentialdiagnosen: CT/MRT
Myositis ossificans Klinik zu:
Myositis ossificans
Klinik
Myositis ossificans
Auftretende Symptome der Myositis ossificans sind:
- neu aufgetretene, solide Schwellung
- Bewegungseinschränkung und Schmerzen im betroffenen Abschnitt
- die Verknöcherungen können auch völlig asymptomatisch sein
Myositis ossificans Therapie zu:
Myositis ossificans
Therapie
Myositis ossificans
Die therapeutischen Maßnahmen einer Myositis ossificans umfassen:
- während der Entstehung ist der Muskel weitgehend zu schonen
- unangepasste Übungen, Massagen und Mobilisationen fördern die Ossifikation
- Röntgenbestrahlung
- wenn Beweglichkeit wesentlich beeinträchtigt ist: operative Entfernung der Verknöcherungen, wenn möglich nur im Falle einer nicht mehr aktiven Ossifikation: AP nicht erhöht, Szintigramm unauffällig
Prophylaxe:
periartikuläre Ossifikationen bei Totalendoprothesen vermeidet man durch:
- atraumatisches Operieren
- NSAR wie z.B. Diclofenac, Indometacin
- ausgiebige intraoperative Wundspülung (Lavage)
- perioperative Röntgenbestrahlung
Myositis ossificans Komplikationen zu:
Myositis ossificans
Komplikationen
Myositis ossificans
- Einsteifung von Gelenken bei gelenkübergreifender Myositis ossificans
- lebensbedrohliche Komplikationen bei Myositis ossificans progressiva, wenn die Atemmuskulatur beteiligt ist
Myositis ossificans Zusatzhinweise zu:
Myositis ossificans
Zusatzhinweise
Myositis ossificans
Zur Myositis ossificans sind im Moment keine Zusatzinformationen verfügbar.
Myositis ossificans Literaturquellen zu:
Myositis ossificans
Literaturquellen
Myositis ossificans
- (2007) Krämer J, Grifka J - Orthopädie - Springer Verlag
- (2009) Niethard F, Pfeil J - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
- (2010) Wülker N - Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
- (2006) Schumpelick V, Bleese N, Mommsen U - Kurzlehrbuch Chirurgie - Thieme
- (2005) Rössler H, Rüther W - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
- (1998) Krämer J, Grifka J, Hedtmann A, Krämer R - Orthopädie - Springer
- (1996) Zippel H - Orthopädie systematisch - Uni Med. Verlag AG
- (1989) Weber U, Zilch H - Orthopädie mit Repetitorium - Gruyter
Myositis ossificans
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