Multiple lakunäre Infarkte

Synonyme: Multiinfarktdemenz, Vaskuläre Demenz, lakunärer Infarkt, Status lacunaris

Definition

Multiple lakunäre Infarkte

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Multiple lakunäre Infarkte sind Mikroinfarkte, die aufgrund von Embolien in den kleinen arteriellen Gefäßen entstehen. Sie betreffen nur sehr kleine Hirnregionen (max. 1x1cm) und verursachen zu Beginn häufig keine oder nur geringe Symptome. Mit der Zeit kommt es meist zur Ausbildung einer Multiinfarktdemenz.


Ätiologie

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Die Ursachen der multiplen lakunären Infarkte sind:

  • Durch Embolien diverser Endarterien kommt es zu Ischämien zahlreicher Hirnareale, vorwiegend des Marklagers und des Pons.
  • Es kommt stellenweise zur Unterbrechung afferenter und efferenter Bahnen

Risikofaktoren:

  • Arteriosklerose
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Hypertonie
  • Erhöhte Cholesterinwerte
  • Stenosen der hirnversorgenden Gefäße
  • Adipositas

Epidemiologie

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Folgende epidemiologische Daten zu multiplen lakunären Infarkten liegen derzeit vor:

  • Inzidenz: 0,7-8,1/1000 Einwohner
  • Vaskuläre Demenzen machen circa 15% aller Demenzerkrankungen aus und liegen somit auf Platz 2 hinter der Alzheimer-Demenz
  • Weitere 15% stellen eine Mischung aus Alzheimer und vaskulärer Demenz dar.
  • Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
  • Mortalität bei Multiinfarktdemenz ist etwas höher als bei der Alzheimer-Demenz. 
  • 5-Jahres-Überlebensrate: 39%

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den multiplen lakunären Infarkten sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn (auch plötzlich möglich, DD Schlaganfall)?
  • Hinweise auf einen Schlaganfall in der Vorgeschichte? Kardiovaskuläre Erkrankungen bekannt?
  • wechselnder Verlauf?
  • Verlangsamung, Antriebsmangel, Erschöpfbarkeit?
  • Defizite bei Konzentration, Aufmerksamkeit, kognitiver Leistung?
  • labile Gefühlswelt, Reizbarkeit, Ängstlichkeit?
  • nächtliche Verwirrtheit?
  • Schwindel, Benommenheit?
  • ungewollter Harnabgang?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der multiplen lakunären Infarkte sind relevant:

  • neurologische Untersuchung (fokal neurologische Defizite, TIA, PRIND)
  • Demenztests wie Demtect, MMSE, Uhrentest
  • Depression abgrenzen, z.B. Geriatric Depression Scale
  • CCT/MRT: Nachweis vaskulärer Hirnveränderungen, fleckige/diffuse ventrikelnahe Hypodensitäten, evtl. multiple Lakunen
  • internistischer Status, ev. Herzecho, Langzeit-EKG
  • Doppler/Duplex zur zerebrovaskulären Abklärung, Stenosen/Verschlüsse?
  • Labor: Ausschluss Lebererkrankung, Hypothyreose

Klinik

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Die klinische Diagnose dermultiplen lakunären Infarkte basiert auf den NINDS-AIREN-Kriterien:

 1) Demenz

Verlust ehemals vorhandener kognitiver Fähigkeiten von solcher Schwere, dass die gewohnte Alltagsbewältigung erheblich eingeschränkt wird. Dauer 6 Monate, Defizite nicht durch andere Erkrankungen erklärbar (affektive Störung, Delir, Schizophrenie etc.)

Hinzu kommen mindestens 2 der folgenden Symptome:

  • Sprachdefizite
  • Defizite bei Konzentration, Aufmerksamkeit, Orientierung
  • kognitive Leistung (Lesen/Schreiben/Rechnen) eingeschränkt, teils länger erhalten als bei Alzheimer
  • Störungen der visuell-räumlichen Wahrnehmung
  • Abnahme der motorischen Kontrolle
  • Schwindel, Benommenheit
  • Gangstörungen
  • Störungen von Abstraktions- und Handlungsfähigkeit

2) Zerebrovaskuläre Erkrankungen

  • Schlaganfälle der A. cerebri anterior und der A. cerebri posterior
  • Kleingefäßerkrankungen

3) Verknüpfung von 1) und 2)

  • Beginn max. 3 Monate nach Infarkt
  • rapide Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei den multiplen lakunären Infarkten umfassen folgendes:

  • Bezugspersonen beraten
  • kognitives Training

 Pharmakotherapie der kognitiven Symptome:

  • Nootropika, z.B. Ginkgo-biloba: 240 mg pro Tag, Nicergolin: 15-30 mg pro Tag

Für den Einsatz von Antidementiva in der Behandlung der multiplen lakunären Infarkte liegen keine ausreichenden Daten vor um eine generelle Empfehlung auszusprechen. Eine Therapie kann im Rahmen des off-label-use im Einzelfall erwogen werden. [7]

  • Antidementiva: Donepecil 5/10 mg/d, Galantamin 24mg/d, Rivastigmin 12 mg/d, Memantin 20mg/d [7]

 Therapie nicht-kognitiver Symptome:

  • Neuroleptika (bei Psychose, Unruhe): z.B. Trizyklische Neuroleptika, Dibenzepine, Benzamide und Butyrophenone
  • Antidepressiva: SSRI
  • evtl. Thrombozytenaggregationshemmer: ASS (100-300mg/d p.o.)

Komplikationen

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Bei multiplen lakunären Infarkten kommen folgende Komplikationen vor:

  • deutlich verringerte Lebenserwartung
  • Tod häufig durch Schlaganfall oder durch Folgen der Demenz (z.B. Verschlucken, zu schwache Atembewegung etc.)

Zusatzhinweise

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Zu den multiplen lakunären Infarkten liegen folgende Zusatzhinweise vor:

  • Mischformen von vaskulärer Demenz und Alzheimer-Demenz sind möglich.

Literaturquellen

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  1. (2008) - Leitlinie Vaskuläre Demenzen der DGN: http://www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_018.pdf>
  2. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  3. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  4. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  5. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  6. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  7. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  8. (2009) S 3 - Leitlinie "Demenzen" der DGN und DGPPN: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/038-013l.pdf>

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