Mukoviszidose

Synonyme: Cystische Fibrose, Zystische Fibrose, cystic fibrosis, CF

Definition

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Die Mukoviszidose ist eine autosomal-rezessive Stoffwechselerkrankung, die durch eine Dysfunktion von Chloridionenkanälen gekennzeichnet ist.


Ätiologie

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Die Ursachen der Mukoviszidose sind:

  • autosomal-rezessive Vererbung
  • Mutation des CFTR-Gens (cystic fibrosis transmembrane conductance regulator gene) auf Chromosom 7 führt zu Defekten an den Chloridkanälen der exokrinen Drüsen
  • etwa 70 % aller Patienten tragen die Mutation ΔF-508
  • abhängig von der jeweiligen Mutation ist auch die phänotypische Ausprägung der Symptomatik
  • Chloridpermeabilität epithelialer Zellmembranen ist vermindert
  • Folge ist eine erhöhte Viskosität der Sekrete zahlreicher exokriner Drüsen (Dyskrinie)

Epidemiologie

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Die Mukoviszidose ist in den USA und Europa die häufigste hereditäre Stoffwechselkrankheit:

  • Inzidenz in der westlichen Welt/weißen Bevölkerung: ca. 1: 2.500 Neugeborene
  • ca. 4% der Bevölkerung sind heterozygote Merkmalsträger (symptomlos)
  • in asiatischen Ländern liegt die Inzidenz bei etwa 1:100.000 Neugeborenen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Mukoviszidose sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Aktuelle Beschwerden? 
  • Allgemeinbefinden? Belastbarkeit?
  • häufige Atemwegsinfekte? Fieber?
  • Asthmatische Beschwerden? Luftnot? Bei Belastung?
  • lang andauernder Husten? Auswurf? Farbe? Blutig?
  • häufig Nasennebenhöhlen verstopft?
  • Bauchschmerzen?
  • ist die Haut gelb, der Stuhl hell, der Urin dunkel geworden?
  • Chronische Durchfälle/Verstopfung?
  • Fettaugen im Stuhl?
  • Ödeme? Schwellungen an den Unterschenkeln?
  • Heißhunger? Zittern? Schwächeanfälle?
  • Unfruchtbarkeit?
  • Eltern / Geschwister / Angehörige gesund?
  • Sind die Eltern blutsverwandt?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Mukoviszidose sind neben der gründlichen Anamneseerhebung folgende Punkte relevant:

  • Pilokarpin-Iontophorese-Schweißtest: Cl-Gehalt des Schweißes >60 mmol/l
  • Neugeborenen-Screening: Trypsin im Serum erhöht
  • alternative Möglichkeit: Albumin im Mekonium (↑) bestimmen
  • molekulargenetische Untersuchung des CFTR-Gens

Hinweis: Mit Hilfe der Chorionzottenbiopsie kann schon pränatal die Diagnose Mukoviszidose gestellt werden.


Klinik

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Die Hauptsymptome der Mukoviszidose sind:

  • Malassimilation: voluminöse Durchfälle (Fettstühle) bzw. Obstipation, geblähtes Abdomen, Perzentilenknick durch Entwicklungsverzögerung
  • exokrine Pankreasinsuffizienz
  • bronchopulmonale Beteiligung: Dyspnoe und produktiver Husten, chronische Hypoxie, Komplikationen durch rezidivierende Infekte
  • Beteiligung von Leber und Gallenwegen
  • Gedeihstörung

Die Ausprägung der Klinik ist stark variabel und abhängig von der zugrunde liegenden Mutation.


Therapie

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Eine kausale Therapie der Mukoviszidose ist heute (noch) nicht möglich. Die therapeutischen Möglichkeiten bei Mukoviszidose umfassen:

1. Therapie der Atemproblematik:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Atemtherapie und Atemgymnastik: Drainage des Bronchialschleims
  • Inhalationstherapie mit Kochsalz-Lösung, zusätzlich mit Mukolytika (z.B. DNAse)
  • Antibiotische Behandlung (je nach individuellem Verlauf als Dauertherapie oder intermittierend) z.B. mit Cephalosporinen (3. Generation), Chinolonen, Aminoglykosiden (oral)
  • bei allergischer bronchopulmonaler Aspergillose (ABPA) inhalative und systemische Steroide, zusätzlich Antimykotika
  • ggf. Lungen- oder Herz-Lungen-Transplantation

2. Therapie der gastrointestinalen Problematik:

  • Ernährungsberatung
  • Pankreasenzym-Substitution
  • Eiweißreiche, hochkalorische, ballaststoffreiche Ernährung
  • Substitution fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K)
  • Bei Bedarf Diabetestherapie mit Insulin
  • Urodesoxycholsäure verbessert denn Galleabfluss
  • Sklerosierung von Ösophagusvarizen

3. Sonstiges:

  • Physiotherapie
  • Es sollte stets auf eine ausreichende Zufuhr von Kochsalz geachtet werden. Starker Salzverlust beim Schwitzen!
  • Die langfristige Anbindung an eine Mukoviszidose-Sprechstunde eines größeren Zentrums ist in jedem Fall anzustreben
  • regelmäßige Kontrollen (z.B. alle 3 Mon. bei komplikationslosem Verlauf) und Therapieoptimierungen ermöglichen ein höheres Maß an Lebensqualität
  • Eingehen auf psychosoziale Probleme des Patienten

Komplikationen

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Komplikationen der Mukoviszidose sind:

  • Mekoniumileus bei der Geburt in 10% der Fälle
  • Rektumprolaps
  • Invagination
  • Im späteren Lebensalter distales intestinales Obstruktionssyndrom in 20% der Fälle
  • exokrine Pankreasinsuffizienz mit Diarrhoe (Fettstühle) und Malassimilation (Maldigestion + Malabsorption)
  • sekundäre endokrine Pankreasinsuffizienz (z.B. Diabetes mellitus)
  • broncho-pulmonale Beteiligung variabel, häufig rezidivierende Infekte u.a. mit gram-negativen Problemkeimen (z. B. S. aureus, Pseudomonas aeruginosa, Burkholderia cepacia, Stenotrophomonas maltophilia) 
  • ABPA = allergische bronchopulmonale Aspergillose
  • chronischer Husten und Dyspnoe
  • Bronchiektasen
  • Hämoptoen
  • Obstruktives Emphysem
  • Pneumothorax
  • respiratorische Insuffizienz
  • pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale
  • Cholestase, Ikterus, Leberfibrose
  • Cholelithiasis, Cholezystitis, Cholangitis
  • 10% biliäre Leberzirrhose im Erwachsenenalter
  • Ösophagusvarizen und -blutung
  • Caput medusae
  • Dystrophie
  • Kachexie
  • Gedeihstörung
  • großer Salzverlust bei vermehrtem Schwitzen
  • Infertilität bei Männern, bei Frauen verminderte Fertilität

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zur Mukoviszidose:

  • Fortschritte in der Therapie der Mukoviszidose haben die Lebenserwartung der Patienten in den letzten Jahren stetig verbessert.
  • Sie liegt heute bei etwa 40 Jahren.
  • Häufigste Todesursache sind kardiopulmonale Komplikationen.

Literaturquellen

Mukoviszidose

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  1. (2007) Mayatepek E - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer
  2. (2006) Sitzmann F C - Duale Reihe - Pädiatrie - Thieme
  3. (2008) Kiess W, Merkenschlager A, Pfäffle R, Siekmeyer W - Therapie in der Kinder und Jugendmedizin - Elsevier, Urban & Fische
  4. (2006) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag
  5. (2009) AWMF-Leitlinien - Molekulargenetische Diagnostik der Cystischen Fibrose - Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik e. V.
  6. (2005) AWMF-Leitlinien - Mukoviszidose (Cystische Fibrose): Ernährung und
    exokrine Pankreasinsuffizienz - Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE)

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