Morbus Meniere

Synonyme: Menière-Krankheit

Definition

Morbus Meniere

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Beim Morbus Meniere handelt es sich um eine Störung des Innenohres mit Schwindelanfälen und Hörstörungen.


Ätiologie

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Ursache eines Morbus Meniere sind:

  • Die Attacken entstehen durch eine Ruptur der Reissner-Membran infolge eines Hydrops des Labyrinthes.
  • Die Ätiologie des Hydrops ist meist idiopathisch, kann aber Folge sein von
  1. anatomisch engem ductus lymphaticus
  2. vorrangegangenes Labyrinthtrauma

Andere diskutierte Ursachen:

  • Autoimmunität
  • Ionenkanalkrankheiten
  • genetische Faktoren

Epidemiologie

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Die Lebenszeitprävalenz des Morbus Meniere  beträgt derzeit 0,51% in Europa


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Für den Morbus Meniere ist anamnestisch wichtig zu wissen:

  • Schwindel?
  • Wie oft?
  • Wie lang?
  • Schwerhörigkeit oder Hörsturz?
  • Welches Ohr?
  • Verschlechterung der Hörleistung?
  • Seit wann?
  • Tinnitus oder Ohrdruck?
  • familliäre Häufung?

Diagnostik

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Zur sicheren klinischen Diagnose des Morbus Menière müssen folgende Kriterien erfüllte sein:

  1. mindestens 2 länger als 20 Minuten dauernde Schwindelattacken
  2. Tinnitus
  3. audiometrisch nachgewiesene Schwerhörigkeit
  4. Ausschluss anderer Ursachen wie z.B.
  • Kleinhirnbrückenwinkeltumor
  • transiente Ischämien (z.B. Vertebralisdissektion, Subclavian-steal-syndrom)
  • Perilymphfistel
  • Hörsturz
  • vestibuläre Migräne

Zur Diagnostik gehören:

  • Anamnese
  • Otoskopischer Befund normal, evtl. Traumaspuren
  • audiometrischer Nachweis einer Hörstörung, meistens sind zunächt tiefe Frequenzen betroffen.
  • Akkustisch evozierte Potentiale: normal
  • Elektro- oder Videookulographie mit kalorischer Prüfung zum Nachweis eines vestibulären Defizits
  • ggf. Schädel-CT zum Ausschluss zentraler Prozesse (z.B. Kleinhirnbrückenwinkeltumor)
  • ggf. Überprüfung der Durchblutungssituation durch z.B. im Stromgebiet von
  1. Arteria vertebralis
  2. Arteria basilaris

Frühdiagnose schwierig!


Klinik

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Der Morbus Meniere präsentiert sich typischer Weise wie folgt:

  • Hörstörungen oft fluktuierend, insgesamt aber progredient.
  • Schwindelanfälle
  • Ohrgeräusche/ Tinnitus
  • diese typische Meniere-Trias tritt nur in 20 % der Fälle auf
  • typischerweise anfallsartiges Auftreten (Attacke) in unregelmäßigen Abständen (Tage bis Monate)
  • im Verlauf erkranken 50% der Betroffenen beidseitig
  • der Verlauf variiert interindividuell sehr stark
  • allgemein nehmen die Schwindelbeschwerden eher ab und die Schwerhörigkeit bis zur Taubheit zu.

Therapie

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Eine kausale Therapie des Morbus Menière ist derzeit nicht möglich.

Zur Linderung der Symptome in der Attacke:

  • Bettruhe
  • ggf. Antivertiginosa, z.B.
  1. Dimenhydrinat
  2. Meclocin
  • ggf. Sedativa, z.B. Benzodiazepine

Zur Prophylaxe der Attacken:

Betahistin

  • Betahistin (bis 24mg/d für 3-6 Monate).
  • Eine hochdosierte Therapie mit Betahistin (3 × 48 mg/d über 12 Monate) scheint der Therapie in niedrigerer Dosierung und kürzerer Behandlungsdauer  überlegen zu sein.
  • Dies wird gegenwärtig noch untersucht.

Dexamethason:

  • weniger wirksam aber besser verträglich scheint die transtympanale Verabreichung von Dexamethason zu sein.

Gentamycin:

  • Verabreichung von Gentamicin transtympanal im Abstand von mind. 4 Wochen.
  • Da diese Therapie schädlich für das Innenohr ist, sollte sie sehr vorsichtig und als ulitma ratio angewendet werden.

weitere Therapieoptionen:

  • Sakkotomie (verbessert Perilymphabfluss)
  • Durchtrennung des Nervus vestibularis
  • Labyrinthektomie

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen des Morbus Meniere sind:

  • Psychische Belastung durch unvorhersehbare Attacken
  • Vollständige Ertaubung
  • Einschränkung der Fahreignung

Zusatzhinweise

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Derzeit liegen keine weiteren Hinweise zum Morbus Meniere vor.


Literaturquellen

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  1. (2006) Boenninghaus/Lenarz - HNO - 13. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg
  2. (2008) Probst/Grevers/Iro - Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde - 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  3. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage , S. 654 ff,  Georg Thieme Verlag Stuttgart
  4. (2008) Zener H - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie,Rehabilitation - Schattauer Verlag
  5. (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  6. (2003) Werner, Lippert - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  7. (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG

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