Morbus Bowen der Genitalien

Synonyme: Anale intraepitheliale Neoplasie (AIN III), Perianale intraepitheliale Neolplasie (PAIN III)

Definition

Morbus Bowen der Genitalien

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Morbus Bowen der Genitalien [1;2]

  • Der Begriff Morbus Bowen wurde in der Leitlinie 2009 endgültig durch den Begriff der analen intraepithelialen Neoplasie (AIN) bzw. perianalen intraepithelialen Neoplasie (PAIN) ersetzt.
  • Bei einem Morbus Bowen handelt es sich nun offiziell um eine AIN III bzw. PAIN III.
  • Es handelt sich hierbei um eine hochgradige Dysplasie, die sich über alle Schichten der Epidermis erstreckt (früher: Carcinoma in situ).

Ätiologie

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Entstehung eines  Morbus Bowen der Genitalien [1;2]

  • HPV- 16
  • HPV- 18
  • HPV- 58
  • Immunschwäche ist prädisponierend
  • Koinfektionen mit Herpes Simplex, HIV
  • Wichtigster unabhängiger Risikofaktor für HPV- Infektion: Anzahl der Sexualpartner [3]
  • Nikotinabusus
  • Drogen
  • Multiparität
  • Immunsuppressive Medikamente
  • Einnahme von Sexualhormonen über lange Jahre
  • Analverkehr

Epidemiologie

Morbus Bowen der Genitalien

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Epidemiologie eines Morbus Bowen der Genitalien [1;2]

Der Begriff Morbus Bowen wurde in der Leitlinie 2009 endgültig durch den Begriff der analen intraepithelialen Neoplasie (AIN) bzw. perianalen intraepithelialen Neoplasie (PAIN) ersetzt.

Angehängt ist die Bezeichnung des Schweregrades der Dysplasie:

  • I= leichte Dysplasie: untere Epidermis; kann sich spontan zurückbilden
  • II= mittelgradige Dysplasie: untere und mittlere Epidermis; kann sich spontan zurückbilden
  • III= hochgradige Dysplasie: gesamte Epidermis; früher: Carcinoma in situ
  • Frauen sind häufiger betroffen
  • Altersgipfel um das 70. Lebensjahr

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnese bei Morbus Bowen der Genitalien

  • Welche Veränderungen hat der Patient bemerkt?
  • Wo genau befinden sich diese Veränderungen?
  • Besteht analer/ perianaler Juckreiz?
  • Bestehen Veränderungen nur anal/ perianal?
  • Gibt es andere Hautveränderungen?
  • Wann traten diese auf?
  • Wurden sie schon dermatologisch begutachtet oder behandelt?
  • Treten Blutungen auf, z.B. beim Stuhlgang?
  • Bestehen Schmerzen beim Stuhlgang?
  • Hatte der Patient in letzter Zeit eine Infektion mit Lippenherpes?
  • Kommt dies häufiger vor?
  • Hat der Patient häufig Infektionen, auch allgemein? (reduzierter Immunstatus)
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen des Patienten? (Vorsicht mit der direkten Frage nach HIV Infektion!)
  • Raucht der Patient?
  • Nimmt er regelmäßig (oder unregelmäßig) Drogen zu sich?
  • Auf welche Art? (i.v. evtl. HIV- Infektion möglich, ohne Wissen des Patienten)

Diagnostik

Morbus Bowen der Genitalien

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Diagnose eines Morbus Bowen der Genitalien [1;2]

Klinik

  • Hautveränderungen perianal/ anal
  • Harte Konsistenz der Hautveränderung

Histologie [2;4]

  • Parakeratotische oder akanthotische Epidermis
  • Starke Kernpolymorphie
  • Viele Mitosen
  • Dyskeratotische Zellen
  • Starke entzündliche Stromareaktion im Papillarkörper

Klinik

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Klinisches Erscheinungsbild eines Morbus Bowen der Genitalien [1]

Allgemein

  • Juckreiz
  • Evtl. Blutungen
  • Schmerzen bei der Defäkation

Perianal

  • Scharf begrenzte Hautveränderung
  • Wenige Zentimeter groß
  • hart
  • Braun-rot oder pigmentiert
  • Flach bis wenig erhaben
  • Evtl. erosiv

Intraanal

  • Scharf begrenzte Hautveränderung
  • Rot
  • Samtartige Oberfläche
  • leukoplakieartige (weißliche Schleimhautveränderung) Veränderungen

Therapie

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Behandlung eines Morbus Bowen der Genitalen [1;2;7]

AIN III

  • Imiquimod- Creme 5%: dreimal pro Woche nachts auftragen, nach 6- 10 Stunden abwaschen; bis 16 Wochen anwenden
  • Fluorouracil- Salbe (5-FU), z.B. 50 mg/ 1g: 1- 2 x täglich auftragen
  • Elektrokaustik
  • Photodynamische Therapie: Applikation von Aminolävulinsäure (5- ALA); dann Beleuchtung mit rotem Licht → Zellnekrose und Apoptose; mehrere Sitzungen

PAIN III

  • Exzision unter Schnittrandkontrolle
  • Histologische Kontrolle
  • Lebenslange Nachuntersuchungen

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen bei Morbus Bowen der Genitalien [1]

  • es kann ein invasiv wachsendes Plattenepithelkarzinom entstehen
  • anal: hohe Rezidivrate
  • bisher kein vermehrtes Auftreten von Zweitkarzinomen beschrieben

Zusatzhinweise

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Impfempfehlung des Robert- Koch- Institutes [5;6]

  • Tetravalenter Impfstoff gegen HPV- 6 und 11 und gegen onkogene HPV- 16 und - 18
  • Empfehlung für HPV- naive Frauen
  • Junge Mädchen und Frauen vor der sexuellen Aktivität; also 12- 17 Jährige
  • Verringerung an Krebsvorstufen je nach Impfstoff ca. 45- 70%
  • Bisher kein erhöhtes Aufkommen von schweren Komplikationen oder bleibenden Schäden durch die Impfung bekannt

Literaturquellen

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  1. Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK), Anale intraepitheliale Neoplasie (AIN) und perianale intraepitheliale Neoplasie (PAIN); AWMF Register Nr. 013/ 062, Stand 07/2009
  2. Leitlinie der Deutschen STD- Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Paul- Ehrlich- Gesellschaft; Condylomata acuminata und andere HPV- assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre; AWMF Register Nr. 059/001; Stand 07/2006
  3. Karlsson, Johnsson, Edlund et al.: Lifetime number of partner as the only independent risk factor for human papillomavirus- infection: a population based study. SexTransmDis 22: 119-126 (1995)
  4. Deutsche Leitlinie: Plattenepithelkarzinom der Haut, der Lippen und der Augenlider; Breuninger, Sebastian, Kortmann, Wolff, Bootz, Garbe; Vers. 12; 02/2005
  5. Empfehlungen der STIKO des Robert- Koch- Institutes, Epidemiologisches Bulletin 10. August 2009/ Nr. 32
  6. Konsensus: Die Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien- Zusammenfassung der deutschen S3- Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft  HPV- Management Forum de Paul- Ehrlich- Gesellschaft für Chemotherapie e.V.
  7. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main

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