Morbus Alexander

Synonyme: Alexander Krankheit, Infantile Form = Zystische Leukoenzephalopathie mit Megalenzephalie

Definition

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Morbus Alexander gehört zu den Leukodystrophien und ist eine neurologische Fehlsteuerung der kortikalen weissen Substanz.[3]

Es gibt vier verschiedene Formen des Morbus Alexander [8]:

  • Infantile Form 51%
  • Neonatale Form
  • Juvenile Form 23%
  • Adulte Form 24%

Ätiologie

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Beim Morbus Alexander liegt in 94 % [5] der Fälle eine Mutation des Chromosoms 17q21 vor. Dieses Chromosom codiert das Intermediärfilament GFAP-Gen, welches für die Bildung der Astrozyten (in der weissen Substanz) zuständig ist.

→ Defekt in der Synthese des Myelins

→ Aufheben der Blut- Hirn- Schranke

Der Morbus Alexander wird autosomal dominant vererbt.


Epidemiologie

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Morbus Alexanders ist eine sehr seltene Erkrankung. Derzeit sind ca. 450 Fälle weltweit beschrieben. [1]

In Deutschland macht der Morbus Alexander ca. 1,6 % der Leukodystrophien aus.[2]

Es gibt vier verschiedene Formen des Morbus Alexander [8]:

  • Infantile Form 51%
  • Neonatale Form
  • Juvenile Form 23%
  • Adulte Form 24%

Differentialdiagnosen

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Die Anamnese ergibt sich individuell für jede Form [8]:

1: Infantile Form:

  • Ist die Entwicklungsverzögerung innerhalb der ersten zwei Lebensjahre aufgetreten?
  • Hat ihr Kind eine Entwicklungsverzögerung in der Motorik und/ oder geistigen Entwicklung?
  • Hat das Kind einen Verlust der bisher erlernten motorischen Fertigkeiten?
  • Neigt das Kind vermehrt zu Reflexen?
  • Hat das Kind einen im Vergleich zur Altersnorm großen Kopf?
  • Hat das Kind Probleme bei der Bewegungskoordination? (Ataxie)
  • Hat das Kind einen Wasserkopf?(sekundärer Hydrozephalus)

2: Neonatale Form:

  • Sind die Störungen innerhalb der ersten Lebenswochen aufgetreten?
  • Hat das Kind einen Wasserkopf?(Hydrozephalus)
  • Hat das Kind einen erhöhten Kopf- Druck?
  • Leidet der Säugling an Krämpfen?
  • Ist das Kind motorische oder mental retardiert?
  • Ist das CSF Protein erhöht?

3: Juvenile Form:

  • Sind die Veränderungen bei dem Kind zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr aufgetreten?
  • Hat das Kind einen Verlust der intellektuellen Funktionen?
  • Hat das Kind Probleme bei der Bewegungskoordination? (Ataxie)
  • Leidet das Kind unter Krämpfen?
  • Hat das Kind einen im Vergleich zur Altersnorm großen Kopf?(Megaenzephalie)
  • Leidet das Kind unter Atembeschwerden?

4: Adulte Form:

  • es gibt keine spezifischen Symptome bei der Adulten Form.
  • Starke Variationen in den Erscheinungsbildern.
  • Häufig assoziert: Ataxie , Spastik, Dysmorphien

Diagnostik

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Die Diagnostik des Morbus Alexander umfasst folgendes [8]:

  • MRT → geschwollene weisse Substanz, Ganglien / Thalamus Abnormalitäten
  • CT → geschwollene weisse Substanz, Ganglien / Thalamus Abnormalitäten
  • Molekulargenetische Untersuchung → Suche nach der GFAP Mutation
  • Histologie von Hirngewebe → Astrozytenverlust

Klinik

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Die Klinik äußert sich abhängig von den Formen[8]:

1: Infantile Form:

  • Erstmanifestation innerhalb der ersten zwei Lebensjahre
  • progressive psychomotorische Entwicklungsverzögerung
  • Verlust der bisher erlernten motorischen Fertigkeiten
  • Hyperreflexie und Pyramidenzeichen
  • Megaenzephalie
  • Ataxie
  • sekundärer Hydrozephalus
  • Lebenserwartung: Wochen bis wenige Jahre

2: Neonatale Form:

  • Auftreten innerhalb der ersten Lebenswochen
  • Hydrozephalus
  • Erhöhter intrakranieller Druck
  • Krämpfe
  • Motorische, mentale Retardierung
  • CSF Protein erhöht
  • Tod innderhalb der ersten zwei Lebensjahre

3: Juvenile Form:

  • Erstmanifestation zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr
  • Verlust der intellektuellen Funktionen
  • Ataxie
  • Krämpfe
  • Megaenzephalie
  • Atembeschwerden
  • in seltenen Fällen können die Kinder das 20.- 30. Lebensjahr erreichen.

4: Adulte Form:

  • es gibt keine spezifischen Symptome bei der Adulten Form.
  • Starke Variationen in den Erscheinungsbildern.
  • Häufig assoziert: Ataxie , Spastik, Dysmorphien

Therapie

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Die Therapie des Morbus Alexanders ist rein symptomatisch und umfasst [8,9]:

  • Antibiotika [8,10,11] (ß Laktam) → Bei interkurrierenden Infekten kalkulierte Therapie nach Lokalisation
  • Antiepileptika → Krampfkontrolle (Carbamazepin: fokale unklare, generalisierte, tonisch-klonische Anfälle; langsam einführen; 10 mg/kg/KG ; 1. Woche:  max. 20-40 mg/KG- steigerbar. 1-2 ED/ Tag ♦ Benzodiazepine, va. Diazepam: alle Arten von Anfällen: rektal → Säugling: Gesamtdosis 2-5 mg/Tag; Kleinkind: Gesamtdosis 5-10 mg/ Tag; Schulkind: Gesamtdosis ab 10 mg/ Tag ♦ Valproat: genralisierte Anfälle, Absencen: 30 mg/kg/KG bis 600-1000 mg Gesamtdosis. ! Blutkontrollen ! ♦ Gabapentin: fokale Anfälle, tonisch- klonische Krämpfe; 30 mg/kg/Tag) [12]
  • Physiotherapie
  • Mentales Training
  • Ceftriaxone → Stagnation [9]

Sekundärprävention:

  • Eigenständige Ernährung
  • Skoliosevorbeugung
  • Schluck- Fähigkeit
  • Atem- Fähigkeit
  • Erhaltung der Mobilität
  • Psychische Therapie

Komplikationen

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Der Morbus Alexander führt immer zum Tode. Erkrankte Kinder versterben in der Regel innerhalb der ersten zehn Lebensjahre.


Zusatzhinweise

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?

Wichtig bei gesichertem Morbus Alexander ist die Sekundärprävention [8]:

  • Eigenständige Ernährung
  • Skoliosevorbeugung
  • Schluck- Fähigkeit
  • Atem- Fähigkeit
  • Erhaltung der Mobilität
  • Psychische Therapie

Pränataldiagnostik [1,6]: Amniozentese kann eine GFAP Mutation nur erknnen, wenn das Allel bekannt ist!

Bei standardisierten, nicht spezifisch nach Morbus Alexander suchenden Pränataldiagnostiken, wird die Erkrankung i.d.R. nicht erkannt.


Literaturquellen

Morbus Alexander

Bearbeitungsstatus ?
  1. (06.2010) Gorospe, JR. Alexander Disease. GeneReviews.
  2. (2005 New York) Garbern, JY. Leukodystrophies. Neurogenetics: Clinical and Scientific Advances, Lynch, DR (Ed), Taylor and Francis
  3. (2006) Neurology; Barkovich, AJ, Messing, A. Alexander disease: not just a leukodystrophy anymore.
  4. (1976) Neurology; Russo LS, Jr, Aron, A, Anderson, PJ. Alexander's disease: a report and reappraisal. 
  5. (2001) Nat Genet; Brenner, M, Johnson, AB, Boespflug-Tanguy, O, et al. Mutations in GFAP, encoding glial fibrillary acidic protein, are associated with Alexander disease.
  6. (2002) Int J Dev Neurosci; Li, R, Messing, A, Goldman, JE, Brenner, M. GFAP mutations in Alexander disease.
  7. (2000) Neuropediatrics; Springer, S, Erlewein, R, Naegele, T, et al. Alexander disease- classification revisited and isolation of a neonatal form.
  8. (2002) GeneReviews; Gorospe JR.,Pagon RA, Bird TD, Dolan CR, Stephens K.
  9. (2010) Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry; Sechi, G, Matta, M, Deiana, GA, et al. Ceftriaxone has a therapeutic role in Alexander disease. 
  10. (2005) Nature Rothstein, JD, Patel, S, Regan, MR, et al. Beta-lactam antibiotics offer neuroprotection by increasing glutamate transporter expression.
  11. (2007) Neuroscience; Lipski, J, Wan, CK, Bai, JZ, et al. Neuroprotective potential of ceftriaxone in in vitro models of stroke.
  12. (2005) Praktische Epilepsiebehandlung; Schmidt, Elger; Thieme

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen