Mittelohrtuberkulose

Synonyme: weiße Pest, Tbc, Schwindsucht

Definition

Mittelohrtuberkulose

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Die Mittelohrtuberkulose ist Manifestation der Tuberkulose im Mittelohr. Es handelt es sich um eine meist chronische, selten akute Entzündung. Zunächst wird die Schleimhaut, später auch Knochenstrukturen befallen und zerstört.


Ätiologie

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  • Verursacher der Mittelohrtuberkulose ist das Mycobakterium tuberculosis, ein säurefestes Stäbchen.
  • Dieses wird meist durch Tröpcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen.
  • Betroffenheit des Mittelohres meist durch hämatogene Ausbreitung des Erregers im Rahmen einer Milliartuberkulose.
  • Ausbreitung des Erregers durch die Tube ins Mittelohr im Rahmen einer offenen Lungentuberkulose ebenfalls möglich.

Epidemiologie

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Gesamtinzidenz der Tuberkulose in Deutschland 2005: 7,3/100.000 Weltweit ca 2 Mio Todesfälle/Jahr Der Anteil von Tbc-Otitiden an allen chronischen Mittelohrentzündungen ist in Deutschland gering und liegt deutlich unter 1%.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Mittelohrtuberkulose ist wichtig zu wissen:

  • bekannte  Tbc-Erkrankung?
  • Kontakt mit Tbc-Kranken?
  • Schwerhörigkeit?
  • Ohrenschmerzen?
  • Otorrhö, wie riechend?
  • Gewichtsverlust?
  • Nachtschweiß?
  • Leistungsabfall?
  • erhöhte Temperatur?
  • Auswurf?
  • Symptomverlauf?

Diagnostik

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Diagnostische Bedeutung bei einer Mittelohrtuberkulose hat:

  • Anamnese

Otoskopie:

  • Trommelfellbefund:
  1. typischerweise zunächst multiple Perforation
  2. später großflächige Perforation
  • oftmals für die Symptomatik erstaunlich wenig Entzündungszeichen
  • evtl. Granulationen auf dem Promontorium (Verwechslungsgefahr mit Cholesteatom)

weitere Untersuchungen:

  • Audiometrie: Innen- und Mittelohrschwerhörigkeit meist stärker als otoskopisch vermutet.
  • Prüfen auf das Vorliegen von Komplikationen.
  • Histologie des OP-Präparates.
  • bei Verdacht mikroskopischer Nachweis von säurefesten Stäbchen aus 3 Proben, die an 3 unterschiedlichen Tagen entnommen worden sein sollten. Da dieser Nachweis falsch positiv sein kann, zusätzlich 
  • kultureller Nachweis
  • DNA Amplifikation
  • Differenzierung des Erregers
  • evtl. Resistenztest.
  • Röntgenaufnahme der Lunge in zwei Ebenen zur Beurteilung des Lungenbefalls.

Bemerkungen:

  • Als Untersuchungsmaterial eignet sich bei Lungenbefall am besten Morgensputum
  • allgemein eignen sich aber auch z.B. Biopsien und Punktate.
  • Abstriche sind weniger erfolgversprechend.

Klinik

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  1. Tbc Allgemein:
  • Primärtuberkulose betrifft meistens die Lunge 
  • Sie ist i.d.R. klinisch inapparent.
  • in 90% der Fälle vernarbt oder verkalkt der Primärkomplex und macht keine Probleme mehr
  • Nach oft jahrelangem Latenzstadium erfahren ca 10% eine endogene Reinfektion.
  • Symptome sind dann:
  1. Leistungsknick
  2. Appetitlosigkeit
  3. Gewichtsabnahme
  4. Nachtschweiß.
  • Die Sekundärtuberkulose kann in das Bronchialsystem durchbrechen (offene Tuberkulose).
  • Symptome sind dann
  1. Husten
  2. Hämoptysen
  • Es kann auch eine hämotogene Verschleppung des Erregers in prinzipiell jedes Organ stattfinden (Milliartuberkulose).

2.   Mittelohrtuberkulose

  • tritt als Milliartuberkulose oder Organtuberkulose auf. 
  • Bei akutem Verlauf rasches Fortschreiten der Symptome
  • stärkere Symptome als Otoskopie erwarten lassen würde.
  • frühes Eintreten von Komplikationen wie Fazialisparese.
  • Schmerzen können mehr oder minder stark sein.
  • Prognose bei frühzeitiger Therapie gut.

Therapie

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Therapie der Tuberkulose allgemein ist:

Bei Nachweis säurefester Stäbchen Begin mit der Therapie, nicht auf Nachweis auf Kultur warten!

  • in den ersten 2-3 Monaten tägliche Gabe einer Dreier- oder Viererkombination aus folgenden Medikamenten:
  1. Isoniacid : führend
  2. Streptomycin (SM): Aminoglykosid, bei Hörstörungen und/oder Schwindel sofort absetzen. Ototoxisch!
  3. Rifampicin: (im Verlauf Transaminasen beachten)
  4. Pyrazinamid: hepatotoxisch, hemmt die Harnsäureausscheidung (Vorsicht bei Gicht)
  5. Ethambutol
  6. etc.
  • Anschließend zusätzlich für mindestens 4 Monate 2-3 mal wöchentliche Gabe einer Zweierkombination.
  • auf keinen Fall Monotherapie wegen der Gefahr von Resistenzbildung!
  • Einnahme unter Aufsicht bei zweifelhafter Compliance.
  • Überwachung des Patienten für mindestens zwei Jahre

Therapie der Mittelohrtuberkulose ist:

  • Bei Knocheneinschmelzung Mastoidektomie mit Ausräumung von Granulationsgewebe und Knochensequestern.
  • Lokale Behandlung mit z.B. Rifampicin-haltigen Ohrentropfen
  • Tympanoplastik

Komplikationen

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Tuberkulose allgemein:

  • Meningitis
  • Encephalitis
  • verkäsende Pneumonie
  • Pleuritis, Perikarditis
  • Nephritis
  • Sepsis (Typhobazillose Landouzy)
  • letaler Ausgang

Mittelohrtuberkulose:

Subperiostalabszess Meningitis Temporallappenabszess Bezold-Mastoiditis Labyrintitis Fazialisläsion Sinusthrombose mit Sepsis


Zusatzhinweise

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  • Die Krankheit der (Mittelohr-)tuberkulose ist Meldepflichtig
  • Besonders anfällig für Tbc sind immunsupprimierte Patienten. (HIV, Diabetes, Leukämie etc.). Bei diesen Gruppen kommen auch besondere Verläufe vor.

Literaturquellen

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  1. Probst/Grevers/Iro: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  2. Groß: Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2006
  3. Hahn/Kaufmann/Schulz/Suerbaum: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg. 2008.
  4. Naumann/Helms/Herberhold (Hrsg.): Oto-Rhino-Laryngologie in Klinik und Praxis Band 1 Ohr. Georg Thieme Verlag. Stuttgart, New York. 1994.
  • (2008) Zener H - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie,Rehabilitation - Schattauer Verlag
  • (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  • (2003) Werner, Lippert - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  • (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG
  • (1990) Ganz Herausgegeben - Lehrbuch Hals-Nasen-Ohren Heilkunde - Walter De Gruyter

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