Mittelhirnsyndrom

Definition

Mittelhirnsyndrom

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Akuter reversibler Ausfall der Mittelhirnfunktionen in Folge verschiedener Ursachen.


Ätiologie

Mittelhirnsyndrom

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  • schwere Traumen des Gehirns
  • seltener bei Blutungen und Sinusthrombosen
  • Hirntumoren

Pathophysiologie:

  • Hirndruckanstieg →
  • transtentorielle oder untere Einklemmung mit
  • Kompression des Mittelhirns
  • → beeinträchtiger Wachheitsgrad, Reaktionsfähigkeit auf äußere Reize, Okulomotorik und Körperhaltung

Epidemiologie

Mittelhirnsyndrom

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  • genaue epidemiologische Angaben liegen nicht vor

Differentialdiagnosen

Mittelhirnsyndrom

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Anamnese

Mittelhirnsyndrom

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Fremdanamnese entscheidend:

  • vorausgegangenes Trauma?
  • Verlauf der Symptomatik/des Bewusstseinsverlusts?
  • Blut oder helle Flüssigkeit aus Mund, Nase, Ohr?
  • bekannte Vorerkrankungen (Tumorleiden, kardiovaskuläre Vorerkrankungen)?
  • Medikamentenanamnese (Gerinnungshemmer)?

Bei Eigenanamnese Traumaanamnese:

  • Kopfschmerzen?
  • Übelkeit und Erbrechen?
  • Erbrechen?
  • Schwindel?
  • Sehstörungen?
  • Schwerhörigkeit?
  • Gedächtnisverlust?

Diagnostik

Mittelhirnsyndrom

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  • neurologische Untersuchung: Vigilanz nach Glasgow-Koma-Scale, Pupillo- und Okulomotorik, Kraftprüfung, Beweglichkeit, Reflexe, Funduskopie (Stauungspapille?)
  • Bildgebende Verfahren: Rchädel-Rö in 2 Ebenen, Rö-HWS in 2 Ebenen + Dens axis, cCT mit evtl. Nachweis intrakranieller Blutungen, H.a. auf Anstieg des intrakraniellen Drucks
  • Liquorpunktion: evtl. xanthochromer bzw. blutiger Liquor bei Kontusion; Cave: bei erhöhtem Hirndruck zurückhaltend!
  • Labor: Blutbild, Gerinnungsparameter, β2-Transferrin-Bestimmung aus Nasensekret zum Nachweis einer Liquorrhoe
  • evtl. Hirndruckmessung mittels Ventrikelkatheter
  • Elektrophysiologie: EEG und SEP als "Prognoseuntersuchungen", nicht obligat

Klinik

Mittelhirnsyndrom

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Initial:

  • benommener Patient
  • spontane/durch äußere Reize ausgelöste orale Automatismen
  • spontane Massen-/Wälzbewegungen
  • gerichtete Abwehrbewegungen auf Schmerzreiz
  • normaler Muskeltonus
  • lebhafte Eigenreflexe
  • keine pathologischen Reflexe
  • Pupillen isokor und mittelweit, prompte Lichtreaktion
  • vestibulookulärer Reflex nicht auslösbar ("Puppenaugenphänomen" negativ)

Im Verlauf:

  • zunehmende Somnolenz
  • schwache Reaktion auf äußere Reize
  • Blinzelreflex erhalten
  • Beine in Streckstellung
  • Arme mit ungerichteten Bewegungen bei Schmerzreiz
  • Rump-Myoklonien
  • leicht erhöhter Muskeltonus
  • gesteigerte Eigenreflexe
  • Pyramidenbahnzeichen positiv
  • verzögerte Pupillenreaktion
  • deutlich positiver ziliospinaler Reflex
  • Bulbi divergieren
  • deutliches Puppenaugenphänomen
  • evtl. Cheyne-Stokes-Atmung
  • hochfrequenter Puls
  • erhöhter Blutdruck
  • erhöhte Körpertemperatur

Vollbild des Mittelhirnsyndroms:

  • komatöser Patient
  • Streckstellung der Beine und der Arme
  • oft Opisthotonus
  • stark erhöhter Muskeltonus
  • fehlender ziliospinaler Reflex
  • Kornealreflex kaum noch auslösbar
  • divergente Bulbi ohne Spontanbewegungen
  • Maschinenatmung
  • Tachykardie
  • Blutdruckerhöhung
  • gesteigerte Schweißsekretion

Therapie

Mittelhirnsyndrom

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  • Therapie der zum erhöhten Hirndruck führenden Grunderkrankung/Traumas
  • Hirndrucktherapie:
    • Oberkörperhochlagerung
    • Hyperventilation
    • Osmotherapie (Mannitol, Glycerol, Tris-Puffer)
    • Glukokortikoide
  • evtl. externe Ventrikeldrainage
  • evtl. operative Dekompression ([Hemi-]Kraniektomie)
  • Überwachung der Vitalparameter auf Intensivstation:
    • kontrollierte hochnormale arterielle Oxygenierung
    • Normoglykämie
    • stabiler, ausgeglichener Elektrolyt- und Wasserhaushalt
    • normale Kreatinin- und Harnstoffwerte
    • Normothermie

Komplikationen

Mittelhirnsyndrom

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  • Übergang in ein Bulbärhirnsyndrom, dann
  • Übergang in dissoziierten Hirntod

Zusatzhinweise

Mittelhirnsyndrom

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Prognose:

  • sehr schlecht
  • allenfalls bei Enzephalitis oder Intoxikationen voll reversibel
  • Rückbildung in umgekehrter Reihenfolge der Phasen + evtl. exogene Psychose

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
  • (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  • (2009) Schiergens T - BASICS Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Berchtold R, Bruch H.-P, Trentz O - Chirurgie ,6. Aufl. - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  • (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
  • (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag, Berlin
  • (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
  • (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag

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