Missed abortion (verhaltener Abort)

Synonyme: verhaltener Abort

Definition

Missed abortion (verhaltener Abort)

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Der verhaltene Abort (Missed abortion) ist die Retention einer abgestorbenen unreifen Frucht meist bis zur 20. SSW im Uterus.


Ätiologie

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Risikofaktoren Abort allgemein:

  • Alter der Mutter: in der Klinik festgestellter Abort nach Einweisung Schwangerer (Prozentsatz der Schwangerschaften, die zu einem Verlust des Fetus führten) zwischen 20 und 30 Jahren 9 bis 17%, 35 Jahre 20%, 40 Jahre 40% und 45 Jahre 80%. Insgesamt hatten 13,5% der eingewiesenen Schwangeren einen Spontanabort [4].
  • vorangegangener Spontanabort: 20% nach einem Abort, 28% nach 2 aufeinanderfolgenden Aborten und 43% nach 3 oder mehr aufeinanderfolgenden Aborten. Nach erfolgreicher 1. Schwangerschaft betrug die Rate für einen Abort in der 2. Schwangerschaft 5% [5].
  • Rauchen von >10 Zigaretten/Tag [6]
  • Alkohol
  • Kokainabusus [7]
  • NSAR-Einnahme um den Zeitpunkt der Konzeption [8]
  • Koffein >300mg/Tag [9]
  • evtl. Fieber (wird kontrovers diskutiert)
  • Langes Intervall zwischen Ovulation und Implantation [10]
  • Langes Intervall bis zur erfolgreichen Schwangerschaft [11]
  • Niedriger Wert der Folsäure im Serum (nur bei Aborten  zwischen Woche 6 und 10 bei abnormalem Karyotyp; Level ≤2.19 ng/mL) [12]
  • Gewicht der Mutter: BMI < 18,5 oder >25 [13,14]

Ätiologie Abort allgemein:

  • Chromosomale Anomalien: in einer Studie hatten 41% von 8841 Aborten chromosomale Aberrationen, davon 52% autosomale Trisomien, 19% Monosomie X, 22% Polyploidien und 7% andere [15]
  • Kongenitale Anomalien: durch genetische oder chromosomale Anomalien, Einflüsse von außen (z.B. Amniotisches-Band-Syndrom) oder Teratogene
  • Trauma (z.B. Amniozentese)
  • Uterusanomalien
  • Infektion, z.B. Listerien, Toxoplasmose, Parvovirus B19, Röteln, Herpes simplex, Zytomegalievirus, Lymphocytic Choriomeningitis Virus
  • Endokrinopathien, z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Cushing-Syndrom, PCO-Syndrom
  • evtl. Hyperkoagulopathien
  • evtl. Autoimmunerkrankungen

Epidemiologie

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Epidemiologische Daten zur Missed Abortion liegen derzeit nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei  Missed abortion sind folgende Informationen von Bedetung:
  • Welche SSW?
  • Wann letzte Vorsorgeuntersuchung?
  • Schwangerschaftsanamnese?
  • Vorerkrakungen der Mutter bekannt?
  • Kürzlich Unfall oä?
  • Medikamenten-, Alkoholeinname?
  • Blutungen seit wann?

Diagnostik

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Die Diagnostik der Missed abortion umfasst:
  1. klinische Untersuchung: Uterus klein, Zervikalkanal verschlossen
  2. Sonographie: keine Lebenszeichen nachweisbar
  3. Labor: CRP, Leukozyten, Gerinnungsparameter, HCG

Klinik

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Symptome einer Missed abortion können sein:
  • kein Uteruswachstum
  • bräunliche Schmierblutung
  • Gerinnungsstörungen
  • kein "Schwangerschaftsgefühl" mehr

Therapie

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Grundsätzlich ist bei Missed abortion sowohl eine operative als auch medikamentöse oder abwartende Behandlung möglich, wie in randomisierten Studien festgestellt wurde. Eine komplette Entleerung des Uterus nach 48 Stunden ist bei operativem Vorgehen wahrscheinlicher als bei medikamentösem und wahrscheinlicher bei medikamentösem Vorgehen als bei abwartendem Verhalten [1]
  • operativ: Dilatation und Kürettage oder Dilatation und Evakuation. Perioperative Antibiose mit Doxycyclin 100 mg 2 x am Tag der OP empfohlen (Senkung der Infektionsrte um 42% [2])
  • medikamentös: z.B. von der WHO empfohlen Misoprostol 800 mcg vaginal oder 600mcg sublingual, bis zu 2malige Wiederholung nach jeweils 3h möglich [3]. Anschließend Kontrolle mit Ultraschall.
  • abwartend: möglich bei Frauen bis ca. 14. SSW ohne Zeichen einer Infektion. Meist erfolgt eine Ausstoßung der Frucht in 3-4 Wochen nach Diagnosestellung. Anschließend Kontrolle mit Ultraschall.
immer:
  • Anti-D-Prophylaxe wenn Rh-negativ
  • 2 Wochen kein Geschlechtsverkehr und keine Tampons

Komplikationen

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Komplikationen eines  Missed abortion sind:

Dead-fetus-Syndrom:

  • Verbrauchskoagulopathie
  • Hypofibrinogenämie (<150mg/dl)

außerdem:

  • Plazentapolyp
  • Chorionepitheliom

Zusatzhinweise

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Zur Zeit gibt es keine Zusatzhinweise zur  Missed abortion.


Literaturquellen

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  1. (2005) Sotiriadis A, Makrydimas G, Papatheodorou S, Ioannidis JP - Expectant, medical, or surgical management of first-trimester miscarriage: a meta-analysis -Obstet Gynecol. 105(5 Pt 1):1104-13.
  2. (1996) Sawaya GF, Grady D, Kerlikowske K, Grimes DA - Antibiotics at the time of induced abortion: the case for universal prophylaxis based on a meta-analysis - Obstet Gynecol. 87(5 Pt 2):884-90.
  3. (2007) Gemzell-Danielsson K, Ho PC, G?mez Ponce de Le?n R, Weeks A, Winikoff B -
    Misoprostol to treat missed abortion in the first trimester - Int J Gynaecol Obstet. 99 Suppl 2:S182-5.
  4. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  5. (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  7. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  8. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  9. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  10. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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