Mischinkontinenz

Definition

Mischinkontinenz

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Die Mischinkontinenz ist eine Mischung aus Harnbelastungs- und Harndranginkontinenz und beschreibt einen unwillkürlichen Harnverlust assoziiert mit Harndrang unter körperlicher Belastung, Niesen und Husten.


Ätiologie

Mischinkontinenz

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Die Ursachen der Mischinkontinenz hängen von Inkontinez Typ ab.

Harnbelastungsinkontinenz:

  • Insuffizienz des urethralen Schließmuskels
  • v.a. Frauen
  • unwillkürlicher Harnabgang bei körperlicher Betätigung
  • oft Zysto/Rektozele mit vaginalem Prolaps
  • Risikofaktoren: vaginale Entbindungen, hormonelle Defizite, postmenopausal bedingte Faktoren
  • beim Mann: Operationen im kleinen Becken, neurologische Erkrankungen

Harndranginkontinenz:

  • Störung liegt in der Blase selbst
  • Wasserlassen infolge von ständigem Harndrang
  • Hyperaktivität des Blasenmuskels
  • durch Tumore, Blasenentzündungen, neurologische Erkrankungen

Epidemiologie

Mischinkontinenz

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Mischinkontinenz betrifft besonders die Menschen im höheren Lebensalter:

  • 30% der Harninkontinenzen der Frau sind Mischinkontinenzen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Mischinkontinenz

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Folgende Informationen bei Mischinkontinenz sind von Bedeutung:

  • Miktionsanamnese: Harnfrequenz? Menge? Startschwierigkeiten, Kontinuierlicher/ intermittierender Miktionsverlauf, Harnstrahlqualität, Einsatz der Bauchpresse, Dysurie/Algurie, Hämaturie?
  • Wie hoch ist die Flüssigkeitsaufnahme?
  • Harnverlust bei Lachen, Pressen, Husten?
  • Gefühl von Harndrang?
  • Medikamente?
  • Operationen in der Vergangenheit? (v.a. im kleinen Becken)
  • gynäkologische Anamnese bei Frauen: vaginale Geburten, Anzahl, Komplikationen, Prolaps?
  • Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, Z.n. Apoplex, Morbus Parkinson, Demenz, Radiatio, Depression, Rückenmarksläsionen)
  • Lebensqualität/Leidensdruck

Diagnostik

Mischinkontinenz

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Zur diagnostischen Abklärung der Mischinkontinenz relevant sind:

Allgemeine Untersuchung:

  • körperliche Untersuchung
  • mentale und körperliche Leistungsfähigkeit
  • Untersuchung der äußeren Genitales
  • rektale Untersuchung
  • neurologische Untersuchung

Urinuntersuchung:

  • Teststreifen
  • bei pathologischem Befund → bakteriologische Untersuchung

Miktionstagebuch:

  • Zeitpunkt und Volumen der Miktionen
  • Zeitpunkt und Volumen der Trinkmenge
  • Harndranggefühl
  • Vorlagenverbrauch

Restharnbestimmung:

  • v.a. vor und während anticholinerger Medikation

Optionale Tests:

  • Stresstest
  • PAD-Test (Vorlagenwiegetest zu Obiektivierung und Quantifizierung des Harnverlustes)

Erweiterte Diagnostik:

  • Sonographie
  • Labor
  • Röntgenuntersuchung: Ausscheidungsurogramm
  • Urethrozystoskopie
  • Urodynamische Untersuchung

Klinik

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Die Mischinkontinenz kann ein oder mehrere der folgenden Symptomen zeigen:

  • unkontrollierter Urinverlust
  • Harndrang
  • Detrusorhyperaktivität
  • Schrumpfblasenprophylaxe
  • Katheterblock

Therapie

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Die therapeutsichen Möglichkeiten der Mischinkontinenz umfassen folgendes:

Medikamentöse Therapie:

Anticholinergika

  • Oxybutynin 3 x 5 mg p.o.
  • Propiverin 2-3 x 15 mg
  • Tolterodin 2 x 2 mg
  • Trospiumchlorid 3 x 15 mg

→  myotrope Spasmolytika

  • Flavoxat - 3-4 x 200mg/Tag p.o. (Spasmoanalgetikum, direkt myotrop relaxierend)

 → trizyklische Antidepressiva - Ihnen wird auch eine spasmolytische Wirkung beigemessen

  • Imipramin
  • Desipramin
  • Nortriptylin
  • Doxepin

physiotherapeutische Therapie:

  • Beckenbodentraining
  • Biofeedback
  • Elektrostimulation des Beckenbodens

Operative Therapie:

  • Sanierung wenn eine mechanische Obstruktion vorhanden ist
  • Indikation bei Versagen der konservativen Therapie:
  1. perurethrale Kollageninjektion (Depot-Injektionen)
  2. Schlingen-Operationen (Typ TVT - tensionfree-vaginal tape oder Typ TOT transobturatorisches Tape/Band)
  3. endoskopische Blasenhalssuspension
  4. offene Kolposuspension

Hilfsmittel:

  • Vorlagen, Schutzhosen
  • Betteinlagen

Komplikationen

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Als Komplikationen der Mischinkontinenz können auftreten:

  • Nebenwirkungen der Anticholinergika
  • Harnwegsinfektionen
  • seelische Beeinträchtingung
  • Depressionen

Zusatzhinweise

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Durch Dranginkontinenz kommt es zu starken psychischen Belastungen und Lebensqualität Beeinflussung.

Prophylaxe der Belastungsinkontinenz:

  • postpartales Beckenbodentraining

Literaturquellen

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  1. (2009) AWMF - Leitlinie - Harninkontinenz
  2. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  3. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  4. (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  5. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  6. (2006) Deuschl G - Gerontoneurologie -Thieme
  7. (2011) Palmtag H, Goepel M, Heidler H - Urodynamik - Springer
  8. (2009) Tunn R, Hanzal E, Perucchini D - Urogynäkologie in Praxis und Klinik -  Walter de Gruyter
  9. (2008) Zwergel U - Facharztprüfung Urologie - Elsevier, Urban & Fischer

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