Mischhaut bis fettige Haut

Definition

Mischhaut bis fettige Haut

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Für die Mischhaut und fettige Haut ist ein konsequenter UV-Schutz notwendig, damit  unerwünschten Effekten der Sonne wie Sonnenbrand, Hautalterung oder Hautkrebs vorgebeugt wird. Die anzuwendenden Externa sollten UVA- und UVB-Schutz anbieten, sowie an die Bedürfnisse des Hauttyps angepasst sein (ausreichend hohen Lichtschutzfaktor, nicht fettend oder sehr ölhaltig).


Ätiologie

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Folgende Faktoren beeinflüssen den Hautzustand:

Anlagebedingt:

  • genetische Disposition
  • zunehmende Talgdrüsenproduktion durch Hormonumstellung z.B. in der Pubertät, während der Schwangerschaft, vor dem Einsetzten der Menstruation, etc.

Äußere Faktoren:

  • Anwendung von fettenden Externa
  • Fehl-/Mangelernährung
  • Rauchen 
  • Stress
  • Alkoholkonsum
  • Medikamente

Epidemiologie

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  • Mischhaut ist vor allem bei jungen Menschen anzutreffen (20-30 % der Jugendlichen ).
  • Der Hautzustand wird meist erst ab der Pubertät durch die Sexualhormonumstellung manifest.
  • Die Inzidenz fettiger Haut nimmt mit dem Alter stark ab.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Mischhaut bis fettiger Haut sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • bisherige Externa? Verträglichkeit?
  • Ziele und Wünsche des Patienten
  • Abklärung und Besprechung von Risikofaktoren für die Faltenbildung (u.a. Rauchen, UV-Bestrahlung)
  • Hauttyp (fett?/trocken?) - subjektives Empfinden des Patienten
  • bekannte Grunderkrankungen?
  • Erkrankungen in der Familie?
  • Vorbehandlungen mit Fillern/Botulinum-Toxin? Verträglichkeit?
  • Beruf? Hobbys?
  • Allergien?
  • Medikamentenanamnese; Lichtüberempfindlichkeit (Photosensibilisierung)?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Mischhaut bis fettige Haut sind relevant:

  • Anamnese
  • klinische Untersuchung

Klinik

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Eigenschaften der Mischhaut:

  • fettige - oftmals auch feuchte - Stirn-, Nasen-, Kinnpartie (T-Zone)
  • vergrößerte Poren im Bereich der T-Zone
  • oft Neigung zu Bildung von Mitessern und Pickeln im Bereich der T-Zone
  • übrige Haut (Haaransatz, Wangen, Hals) ist oft eher feuchtigkeitsarm bis trocken.
  • In der Regel geht die Mischhaut im Laufe des Lebens in trockene Haut über.

Klinischen Merkmale der fettigen Haut:

  • Prädilektionsstellen: am häufigsten ist die Haut in der T-Zone betroffen
  • fettende und spiegelnde Hautoberfläche
  • schlecht durchblutete, blass wirkende, grobporige, verdickte Haut
  • fettige Haare / Kopfhaut
  • Neigung zur Mitessern-, Pickelnbildung

Therapie

Mischhaut bis fettige Haut

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Mischhaut bis fettiger Haut umfassen folgendes:

Aufklärung des Patienten:

  • Aufklärung über geeignete (reichhaltige Cremes und Salbe/Fettsalben) und nicht-geeignete Externa (Lotionen, leichte Cremes, Gele). Sie sollten die natürliche Schutzbarriere der Haut erhalten und möglichst wenig potentiell allergieinduzierende Kontaktallergene enthalten (z.B. Parabene). Anwendung: 1 - 2-mal täglich  (Reinigung und Pflege). 
  • Berücksichtigung der jahreszeitlichen Schwankungen (fettärmere Externa im Sommer, fettreichere im Winter).
  • Mögliche Kontaktallergien sollten berücksichtigt werden (Epikutantestung wichtig).
  • kein Nikotinkonsum, kein Alkoholkonsum.
  • Stress vermeiden.

Reinigung und Pflege, vorbeugende Maßnahmen:

  • regelmäßige, gründliche Reinigung mit lauwarmem Wasser oder einer Lotion, damit Schmutzreste, abgestorbene Zellschichten sowie Reste kosmetischer Produkte vollständig entfernt werden. Reinigungsmilch, -lotions, -cremes: mit den Fingerkuppen sanft einmassieren, danach mit einem Kosmetiktuch vorsichtig abnehmen, den Rest evtl. mit Wasser abwaschen.
  • keine intensive Anwendung von Seifen: führt besonders bei der reiferen Haut zur Austrocknung und Schuppung, später auch zu Juckreiz, Ausschlag oder Bildung von Hautekzemen. Besonders nachteilig sind die alkalischen Seifen, weil sie den natürlichen Säuremantel der Haut zerstören.
  • milde Tenside
  • Anwendung von Cremes oder Lotionen, die entzündungshemmende und beruhigende Wirkstoffe wie z.B. Allantoin, Bisabolol, Hamamelidisextrakt, Panthenol enthalten
  • Peeling, austrockenende Masken 1-3-mal/Woche
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr: 2-3 Liter/Tag
  • Tonisierende Maßnahmen: Gesichtswasser, Waschprodukte, Tagescreme, Nachtcreme, Feuchtigkeitspflege

Sonnenschutz:

  • Sonnenschutz mit einem hohen Lichtschutzfaktor spielt eine wichtige Rolle bei den Menschen mit reiferer Haut: Sonnencremes mit ausreichendem Lichtschutzfaktor anwenden (Bemerkung: Der Sonnenschutz macht Patienten mit fettiger Haut häufig Probleme, da meist ölhaltige bzw. stark fettende Präparate verwendet werden.)
  • sonnendichte Kleidung und Kopfbedeckung tragen.
  • Sonnenbrille
  • Natürlicher Sonnenschutz: Betakarotinzufuhr: Karotten, Karottensaft; Lycopin-haltige Produkte: Tomaten, Tomatensaft
  • Primäre Photoprotektion: Sonnenschutzmittel mit chemischen UV-Schutzfiltern (Wirkungsmechanismus: Absorption der UV-Strahlung; Je nach dem Absorptionsspektrum unterscheidet man zwischen UVA-, UVB- und Breitbandfiltern; Wirkungsmaximum: nach 20-30 min; aus diesem Grund ist sinnvoll, dass man das Mittel spätenstens eine halbe Stunde bevor man in die Sonne geht aufträgt) oder Sonnenschutzmittel mit physikalischen Filtern wie z.B. Titandioxid, Zinkoxid (Wirkungseintritt: sofort, Mechanismus: Reflexation der Sonnenstrahlen).
  • Sekundäre Schutzstoffe (hautberuhigende und hautpflegende Mittel während und/oder nach einer UV-Belastung) z.B.: Dexpanthenol (hautbefeuchtende und die Epithelisierung fördernde Wirkung), Glycerin in den Sonnenschutzprodukten (hautbefeuchtende Wirkung).
  • Empfehlung: nicht mehr als 50 Sonnenbäder oder Solarienbäder pro Jahr.

Symptomatische Behandlung:

  • Bei Zeichen einer Superinfektion zusätzlich topisch antiseptisch behandeln (Lösungen, Cremes).
  • Bei deutlichen Zeichen der bakteriellen Superinfektion: systemische antibiotische Kurzzeittherapie (3-5 Tage) mit oralem Flucloxacillin (Standarddosierung: 2-4 g/Tag bei Erwachsenen bzw. 50 mg/kg/Tag bei Kindern, verteilt auf 4-6 Einzeldosen/Tag) oder Cephalosporin (Standarddosierung bei Erwachsenen: 2 x 250-500 mg (z.B. Cefuroxim) bzw. bei Kindern: 20-40 mg/kg/Tag).

Komplikationen

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Bei einem ungeeigneten UV-Schutz bei Mischhaut bis fettiger Haut können folgenden Komplikationen vorkommen:

  • Rötung
  • bakterielle Besiedlung
  • Allergische Reaktionen
  • Narbenbildung

Zusatzhinweise

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Man unterscheidet zwischen den folgenden Hauttypen [2, 17]:

  • Typ I (keltisch): extrem empfindlich; Eigenschaften: sehr helle Haut, Sommersprossen, blonde bis rote Haare, blaue oder grüne Augen; Reaktion auf UV-Exposition: immer Sonnenbrand, nie Bräunung; Eigenschutzzeit: 5-10 min.
  • Typ II (nordisch): empfindlich; Eigenschaften: helle Haut, manchmal Sommersprossen, blonde bis hellbraune Haare, blaue, graue oder grüne Augen; Reaktion auf UV-Exposition: häufig Sonnenbrände; Eigenschutzzeit: 10-20 min.
  • Typ III (europäisch, dunkel): mäßig empfindlich; Eigenschaften: helle bis hellbraune Haut, keine Sommersprossen, dunkelblonde bis braune Haare, graue oder braune Augen; Reaktion auf UV-Exposition: manchmal Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: 20-30 min.
  • Typ IV (mediterran, hell): unempfindlich; Eigenschaften: hell- bis olivbraune Haut, dunkelbraune bis schwarze Haare, dunkle Augen; Reaktion auf UV-Exposition: fast nie Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: 30-40 min.
  • Typ V (mediterran, dunkel, asiatisch): unempfindlich; Eigenschaften: braune Haut – unabhängig von Sonneneinwirkung, dunkelbraune bis schwarze Haare, dunkle Augen; Reaktion auf UV-Exposition: nie Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: ˃ 40 min.
  • Typ VI (negroid): unempfindlich; Eigenschaften: dunkelbraune bis fast schwarze Haut, schwarze Haare, dunkelbraune oder schwarze Augen; Reaktion auf UV-Exposition: nie Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: nahezu unbegrenzt hoch.

Literaturquellen

Mischhaut bis fettige Haut

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  1. (2005) G. Plewig, P. Kaudewitz, Christian A. Sander -  Fortschritte der Praktischen Dermatologie und Venerologie  - Springer Verlag 
  2. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M – Dermatologie und Venerologie – Springer Verlag, Heidelberg
  3. Bundesamt für Strahlenschutz: www.bfs.de
  4. (1998) Dr. med. Ferdinand Vennemann/Annette Jordan - Aktiv gegen Falten - Schlütersche Verlag
  5. (2003) Dirschka Th, Sommer B, Usmiano J - Leitfaden Ästhetische Medizin - Elsevier, Urban & Fischer Verlag, Jena München
  6. (2008) Jean Krutmann, Thomas Diepgen, Claudia Billmann-Krutmann - Hautalterung: Grundlagen- Prävention- Therapie - Springer Verlag, 2. Auflage
  7. (2003) Wolf-Ingo Worret, Wolfgang Gehring -  Kosmetische Dermatologie - Springer Verlag
  8. (2010) Rote Liste
  9. (2008) Sabine Ellsässer - Körperpflegekunde und Kosmetik - Springer Verlag, 2. Auflage
  10. (2005) Werner Voss, Stefan Siebrecht, Roland Jermann - Gesunde Haut - Georg Thieme Verlag
  11. (2005) Ingrid Moll - Duale Reihe, Dermatologie - Thieme Verlag, 6. Auflage
  12. (2005) Peter Altmeyer, Klaus Hoffmann - Basiswissen Dermatologie: Eine vorlesungsbegleitende Darstellung - W3l GmbH Verlag
  13. (2006) Alexander Meves - Intensivkurs Dermatologie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  14. (2005) Sterry, W. - Checkliste Dermatologie - Thieme Verlag, Stuttgart
  15. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer Verlag
  16. (2008) Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft - Polymorphe Lichtdermatose
  17. (2004) Günther H. Jacobi - Anti-Aging für Männer: Strategien für den ganzen Mann -  Georg Thieme Verlag
  18. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  19. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer Verlag
  20. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer Verlag

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