Miktionssynkopen

Synonyme: Pressorische Synkope, Postpressorische Synkope

Definition

Miktionssynkopen

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Die Miktionssynkope ist eine akut einsetzende, reversible Bewusstlosigkeit für Sekunden bis einige Minuten mit Tonusverlust der Muskulatur durch pressorische Manöver bei Miktion.


Ätiologie

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Die Ursachen der Miktionssynkope sind:

  • insbesondere bei nächtlicher Miktion im Stehen
  • Auftreten nach Aufstehen aus dem Bett

komplexe Pathophysiologie:

  • vagotone periphere Gefäßweitstellung
  • verminderter venöser Rückstrom in Stehen
  • parasympathische Aktivität bei Miktion 
  • → vorübergehende cerebrale Ischämie

Epidemiologie

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Miktionssynkopen sind relativ selten.

  • v.a. Männer aller Altersgruppen betroffen
  • Inzidenz: 150.000 - 200.000 Patienten pro Jahr in Deutschland von Synkopen allgemein betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Miktionssynkope sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Prodromi: unsystematischer Schwindel, Schwitzen, "Schwarzwerden vor Augen", Ohrgeräusch?
  • Anamnese der typischen Situation (stehende Miktion in der Nacht)
  • Vorerkrankungen (kardial, bekannte Epilepsie)?
  • evtl. Fremdanamnese (Blasswerden, Zyanose, schlaffer Tonusverlust der Muskulatur?)

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Miktionssynkope sind relevant:

  • Anamnese entscheidend
  • neurologische Untersuchung: Zungenbiss, Einnässen als H.a. epileptischen Anfall?
  • Ausschluß von Synkopen kardialer Genese: Langzeit-RR, Langzeit-EKG, Karotis-Doppler, Herzecho
  • evtl. Schellongtest, Kipptischuntersuchung
  • auf sturzassoziierte Verletzungen hin untersuchen

Klinik

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Die Miktionssynkope kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Prodromi: unsystematischer Schwindel, Schwitzen, "Schwarzwerden vor Augen", Ohrgeräusch
  • Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden Dauer bis maximal 1 Minute
  • rasche Reorientierung
  • blasse Hautfarbe
  • Anmnesie für Phase der Bewusstlosigkeit
  • Bradykardie und weicher Puls
  • einzelne klonische Zuckungen möglich

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Miktionssynkope umfassen folgendes:

  • wenn möglich auslösende Situation = nächtliche Miktion vermeiden
  • Kreislauftraining
  • Kompressionsstrümpfe zur Verringerung des venösen Poolings
  • vermehrte NaCl-Zufuhr
  • evtl. Propranolol 3 - 4 x 10 mg/d p.o.
  • evtl. Fludrocortison

Komplikationen

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Bei der Miktionssynkope kommen folgende Komplikationen vor:

  • sturzassoziierte Verletzungen

Zusatzhinweise

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  • NB: das Auftreten einer kloniformen Synkope darf nicht zur Diagnose "Epilepsie" verleiten!

Literaturquellen

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1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

3. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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