Mikrosporie

Synonyme: Tinea microsporica

Definition

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Bei der Mikrosporie handelt es sich um eine hochinfektiöse Pilzerkrankung, die vor allem die Haut des behaarten Kopfes betrifft.


Ätiologie

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Die Mikrosporie stellt eine seltene, fast reaktionslose, nicht abszedierende tiefe Follikulitis mit epidermischen Auftreten dar.

Die Infektion ist in Deutschland meldepflichtig.

Die häufigsten Erreger der Mikrosporie sind:

  • M. audouinii
  • seltener T. tonsurans u.a.

Pathogenese:

  • Die Pilzsporen finden sich lediglich außen am Haar und im Haarkortex (exotricher Befall).
  • Die Haarschäfte sind nur mäßig mechanisch geschädigt.
  • Haare sind ebenfalls befallen, sie brechen 2-3 mm über der Kopfhaut ab.

Infektionsquellen sind oft Hunde, Katzen, Meerschweinchen.

Die Erkrankung wird meist in Kindergruppen übertragen.

In den meisten Fällen handelt es sich um einen "trockenen" Verlauf (kein Nässen).


Epidemiologie

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  • Die Mikrosporie befällt fast ausschließlich präpubertäre Kinder.
  • Sie ist in Mitteleuropa die einzige Trichomykose mit epidermischem Auftreten (z.B. Schulen).
  • Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt und Gegenstände (Kämme).

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Mikrosporie sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Wann ist die Hauterkrankung erschienen?
  • Lokalisation? 
  • Was für Beschwerden: Rötung mit Juckreiz? Schmerz? Schuppige Bereiche? Haarausfall? Lymphknotenschwellungen?
  • Verlauf? Eitriger Ausflauss? (Superinfektionen?)
  • Hat sich der Befund verbreitert? 
  • Infektionsquellen? Krankheitsfälle in Kindergruppen (Schule, Kindergarten)?
  • Befallene Familienmitglieder?
  • Autoimmune Erkrankungen? Andere Grunderkrankungen?
  • Immunsuppressive Therapie?
  • Medikamenteneinnahme? Selbstmedikation? bisherige Therapie? Mit welchem Erfolg?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Mikrosporie sind relevant:

  • Anamnese
  • klinische Inspektion (Rötung, Schuppung, Kratzspuren, versteckte Herde an Gesicht, Hals, Stamm, Extremitäten)
  • Inspektion des betroffenen Hautareals mittels UV-Licht (Wood-Licht-Lampe) zur Aufdeckung klinisch nur diskret befallener Areale mit bestimmten Dermatophyten oder Malasseziaarten sowie orientierender Einordnung der Erreger.
  • Labor: Blutbild, Differentialblutbild, Entzündungsparameter
  • Mikroskopischer Nachweis von Pilzelementen (Hyphen und Sporen) im Nativpräparat
  • Materialentnahme zur mykologischen Untersuchung vom Rand schuppender Herde nach Desinfektion der Hautoberfläche (bakterielle Keime müssen eliminiert werden, da sie das Pilzwachstum in der Schale überwuchern können) → Kultur von Gewebeproben (Anzüchtung von den Keinem auf geeigneten Nährböden i.d.R. bei 28° C bzw. Raumtemperatur über 1 bis 3 - 4 Wochen, je nach dem Spezies; im Falle von Wachstum: makroskopische und mikroskopische Beurteilung auf morphologischer Basis möglich)
  • evtl. Materialgewinnung zur weiteren Labordiagnostik

Klinik

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Die Mikrosporie wird durch folgende klinische Merkmale gekennzeichnet:

  • Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Wochen
  • Multiple, kaum entzündliche, pityriasiform schuppende haarlose Stellen der Kopfhaut sind zu erkennen.
  • Die glanzlosen Haare brechen oberhalb der Kopfhaut ab (kein Haarausfall).
  • die Haarstümpfe sind daher nicht sichtbar ("schlecht gemähte Wiese")
  • An der befallenen Stelle entwickelt sich ein kreisrunder Haarausfall (Kopfhaut sieht wie mit Mehl bestäubt aus). Der Befund ist reversibel nach Beseitigung des Erregers.
  • Auftreten von schweren tiefen Entzündungen ist relativ selten.

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Mikrosporie umfassen folgendes:

Allgemeinmaßnahmen:

  • das feuchte Milieu beseitigen
  • Infektionsquelle beseitigen
  • infizierte Tiere behandeln

Topische Lokaltherapie (in Form von medizinischem Shampoo (Gel), Lösungen, Puder sowie Cremen):

  • Wirkstoffe: Ciclopirox-Olamin, Terbinafin, Clotrimazol, Miconazol, Econazol, Bifonazol
  • Ciclopirox-Olamin Lösung bzw. Creme 2 x täglich auftragen und leicht einreiben bzw. antrocknen lassen. Puder 1 – 2 x täglich aufstreuen Die Behandlungsdauer beträgt ca. 2 Wochen. Zur Vermeidung von Rückfällen wird empfohlen, die Behandlung darüber hinaus noch 1 –2 Wochen weiterzuführen.
  • Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder sollen nicht mit Puder behandelt werden. Eine Behandlung mit anderen Zubereitungsformen sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.
  • Terbinafin-Creme wird einmal täglich bei Erwachsenen oder bei Kindern > 12 Jahre (Erfahrung bei Kindern begrenzt) dünn auf der erkrankten Stelle appliziert. Vor der Applikation sind die erkrankten Hautstellen gründlich zu reinigen und abzutrocknen. Die Creme bzw. das Gel sollte auf die zu behandelnden Stellen und die umgebenden Hautpartien leicht eingerieben werden

Systemische Therapie (bei Versagen einer topischen Therapie) mit:

  • Griseofulvin mikrofein: Dosierung Erwachsene 1 x 500 mg/Tag od. 4 x 125mg/Tag, in schweren Fällen: Verdopplung der Dosis (morgens und abends je 500 mg); Kinder 1-3 x 125 mg (10mg/kg KG) 
  • Itraconazol Hartkapseln; Dosierung bei Erwachsenen und Kindern > 12 Jahre: 1-mal täglich 1 Hartkapsel (entsprechend 100 mg Itraconazol) über 2 Wochen, oder 1-mal täglich 2 Hartkapsel (entsprechend 200 mg Itraconazol) über 7 Tage; 
  • Dosierung bei Kindern (unter 12 Jahren): nur begrenzte klinische Erfahrungen; die Behandlung sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

oder

  • Fluconazol Hartkapseln; Dosierung bei Erwachsenen und Jugendlichen: 1-mal täglich 50 (-200) mg Fluconazol. Die Dauer der Anwendung beträgt 2 bis 7 Wochen. 
  • Fluconazol sollte bei Kindern unter 1 Jahr nicht angewendet werden (nur begrenzte Erfahrung). Das Medikament sollte bei Kindern unter 16 Jahren nur angewendet werden, wenn keine therapeutische Alternative zur Verfügung steht.
  • Terbinafin (Allylamine; Wirkort: Plasmamembran, Ergosterinbiosynthese-Inhibition; fungizide Wirkung); Dosierung bei Erwachsenen: 1 Tablette (250 mg) täglich über 4-6 Wochen; 
  • Dosierung bei Kindern unter 12 Jahren: nur begrenzte klinische Erfahrungen; die Behandlung sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

Komplikationen

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Die Erkrankung wird durch sehr hohe Kontagiosität gekennzeichnet!

Bei der Mikrosporie kommen folgende Komplikationen vor:

  • Bildung von schweren tiefen Entzündungsherden
  • bakterielle Superinfektionen
  • Narbenbildung
  • Alopezie

Zusatzhinweise

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Die Mikrosporie gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen in Deutschland.


Literaturquellen

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  1. (2009) P. Fritsch - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer Verlag
  2. (2010) Carlos Thomas - Atlas der Infektionskrankheiten: Pathologie- Mikrobiologie- Klinik- Therapie von C. Thomas, m. Hagedorn, L. Kolesnikova, K. Salfelder und I. Weyers unter Mitarbeit von I. Grimm - Schattauer Verlag
  3. (2009) AWMF - Leitlinie - Tinea der freien Haut
  4. (2007) K. Herrmann, U. Trinkkeller - Dermatologie und medizinische Kosmetik - Springer Verlag, 2. Auflage
  5. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  6. (2010) Rote Liste
  7. www.fachinfo.de
  8. (2003) E. Christophers, M. Ständer - Haut- und Geschlechtskrankheiten - Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 7. Auflage
  9. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer Verlag
  10. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  11. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer Verlag
  12. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer Verlag
  13. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe

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