Migräne mit Aura

Synonyme: Hemicrania mit Aura, Migränekopfschmerz mit Aura

Definition

Migräne mit Aura

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Die Migräne mit Aura ist eine episodische Hemikranie und gehört zu den idiopathischen Kopfschmerzen. Die Migräne verursacht rezidivierende intensive Kopfschmerzanfälle, die bis zu 72 Stunden dauern können und mit verschiedenen Begleitsymptomen einhergehen. Die Aura tritt als Vorwarnung der Migräneattacke auf. Es kommt hierbei zu visuellen, seltener auch zu sensiblen Phänomenen.


Ätiologie

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Die Ursachen der Migräne mit Aura sind nicht vollständig geklärt. Es werden verschiedene Hypothesen diskutiert:

Vaskuläre Hypothese:

  • Die Erweiterung der Gefäße während eines Migräneanfalls führt zur Aktivierung von Schmerzrezeptoren des Nervus trigeminus.
  • Hierdurch würde auch der pulsierende Charakter der Schmerzen erklärt werden, nicht jedoch die zahlreichen Begleitsymptome der Migräne.

Übererregbarkeitshypothese:

  • Übererregbarkeit des Hinterhauptslappens mit einer nachfolgenden großflächigen Depolarisierung der Nervenzellen.

Neurogene Entzündung:

  • Freisetzung entzündungsfördernder Stoffe im Gehirn, die zu einer Gefäßdilatation, Aktivierung des Immunsystems und Permeabilitätsstörungen führen.

Genetik:

  • Wegen der familiären Häufung der Migräne werden genetische Ursachen der Erkrankung vermutet.

Epidemiologie

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Folgende epidemiologische Daten zur Migräne mit Aura liegen vor:

  • Migräne zählt zu den häufigsten Kopfschmerzformen
  • Die Prävalenz der Migräne liegt bei 6-8% für Männer und 12-14% für Frauen.
  • Die Lebenszeitprävalenz bei Frauen beträgt >25%
  • Am häufigsten tritt die Migräne zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Migräne mit Aura sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Wann tritt der Kopfschmerz auf? Zusammenhang mit Monatszyklus?
  • Wo tritt der Schmerz auf?
  • Welchen Charakter hat er?
  • Wie lange hält er an?
  • Durch Bewegung vermehrt?
  • Begleitend Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Überempfindlichkeit bei Gerüchen, Lärm?
  • Welche "Vorboten?" Aura, Sehstörungen, Missempfindungen, etc.?
  • Medikamenteneinnahme?
  • Erkrankungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Migräne mit Aura sind relevant:

  • in der Regel rein klinische Diagnose anhand der Beschwerden
  • Neurologischer Befund (z.B. EEG)
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT, Röntgen) können bei untypischem Verlauf indiziert sein um andere Erkrankungen auszuschliessen (DD!)
  • Ein Kopfschmerztagebuch kann bei der Diagnosefindung hilfreich sein

Klinik

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Die Migräne mit Aura kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

"Vorwarnzeichen" (Aura), die dem Kopfschmerz vorausgehen, stets reversibel, meist ca. 15 bis 30 Minuten:

  • Sehstörungen, Lichtblitze, Farben, Gesichtsfeldausfälle
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln Gesicht oder Extremitäten
  • Störungen beim Sprechen

Migräne

  • unregelmäßig auftretender anfallsweiser Kopfschmerz
  • oft an einer Kopfseite, aber auch beidseits möglich
  • meist 4 bis 72 Stunden
  • pochend, pulsierend, stechend, quälend
  • bei Bewegung vermehrt
  • Einschränkung der Leistungsfähigkeit
  • begleitend Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Migräne mit Aura umfassen folgendes:

Akuttherapie:

5-HT1B/1 D-Agonisten und Mutterkornalkaloide:

  • Triptane (nur im Beginn der Atacke):
  • Almotriptan (12,5mg p.o.)*
  • Eletriptan (40mg p.o.; max.80mg/d)*
  • Frovatriptan (2,5mg p.o.; max 5mg/d)*
  • Naratrpitan (2,5mg p.o.; max.5mg/d)**
  • Rizatriptan (10mg p.o.)*
  • Sumatriptan (25-100mg p.o.;6mg s.c.; 20mg nasal)
  • Zolmitriptan (2,5mg p.o.; 2,5mg nasal; max 10mg/d)
  • Ergotamintartrat (2mg p.o.)

* bei weiterem Anfall wiederholte Gabe nach frühestens 2h möglich

** bei weiterem Anfall wiederholte Gabe nach frühestens 4h möglich

Antiemetika:

  • Metoclopramid (10-20mg p.o.)
  • Domperidon (20-30mg p.o.)

Analgetika:

  • ASS (1000 mg)
  • Paracetamol (1000 mg)
  • Ibuprofen (400-600mg)
  • Diclofenac (50-100 mg)
  • Naproxen (500-1000 mg)
  • Metamizol (500-1000 mg)
  • Bei Kindern: Ibuprofen (10mg/kg KG), Paracetamol (15mg/kg KG)

Migräneprophylaxe:

Bei schweren Fällen mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität ist eine Migräneprophylaxe indiziert.

  • Betablocker: Propranolol (60-320mg/d) Metoprolol (100-200 mg/d)
  • Kalziumantagonist: Flunarizin (10mg/d)
  • Antikonvulsiva: Valproinsäure (20mg/kg KG), Topiramat (200-400mg/d)

Nichtmedikamentöse Verfahren:

  • Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken, Ausdauersport

Komplikationen

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Die Migräne mit Aura kann zu erheblichen psycho - sozialen Problemen, wie Einschränkung der Arbeitszeit und Depression führen.


Zusatzhinweise

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Zur Migräne mit Aura liegen derzeit keine Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie - Diagnostik und apparative Zusatzuntersuchungen bei Kopfschmerzen
  2. (2006) Poeck K, Hacke W - Neurologie - Springer Verlag
  3. (2007) Masuhr KF, Neumann M - Neurologie - Thieme Verlag, Duale Reihe
  4. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme Verlag
  5. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie - Therapie der Migräne - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-057.htm>

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