Medikamentöse Osteoporose
Synonyme: iatrogene Osteoporose, medikamentöse Osteoporose
Definition
Medikamentöse Osteoporose
Die Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die mit niedriger Knochendichte und erhöhter Frakturgefahr einhergeht. Folgende Formen kommen vor:
Primär (95%):
- idiopathisch
- Postmenopausal (Typ I)
- Senil (Typ II)
sekundär (5%):
- endokrin (z.B. Hyperkortisolismus, Hypogonadismus, Hyperthyreose)
- Malabsorptionssyndrom
- Immobilisation
- iatrogen/medikamentös
Medikamentöse Osteoporose
Ätiologie
Medikamentöse Osteoporose
Medikamentöse Therapien, die die Ausbildung einer iatrogenen/medikamentösenOsteoporose fördern:
- Langzeittherapie mit oralen Glukokortikoide ≥7,5mg
- Prednisonäquivalent > 3 Monate
- Lanzeittherapie mit Heparin
- Antiandrogene Therapie
- Aromatasehemmer
- Glitazone (nur bei Frauen)
- Sedativa
- Orthostase - auslösende Medikamente
- Neuroleptika
- Antiepileptika
- Antidepressiva
- mehrjähriger Gebrauch von Protonenpumpeninhibitoren
allgemeine Risikofaktoren (für eine Osteoporose bzw. Stürze)
- Alter - Verdopplung des Frakturrisikos mit jeder Dekade (Frauen > 70, Männer > 80) und Geschlecht (Frauen mit doppeltem Risiko)
- frühere Wirbelkörperfrakturen
- Immobilität
- Brüche nach dem 50ten Lj.
- multiple Brüche
- frühe Menopause < 40 Jahre
- Niedriger Body-Mass-Index < 20
- Gewichtsverlust von > 10%
- vorausgegangene "Low-trauma"-Fraktur
- proximaler Femurbruch der Eltern
- Rauchen
- Alkoholismus
- Steroidtherapie systemisch/inhalativ
- Kalzium - / Vitamin D3 Mangel
- Hyperhomozysteinämie
- Vitamin B12 - / Folsäuremangel
ausserdem wird die Osteoporose durch folgende Grunderkrankungen begünstigt:
- Cushing - Syndrom
- primärer Hyperparathyreoidismus
- Hypophyseninsuffizienz oder Wachstumshormonmangel
- Hyperthyreose
- Diabetes mellitus Typ1
- rheumatoide Arthritis
- B II -Magenresektion oder Gastrektomie
- Epilepsie
- Hypogonadismus beim Mann (Serumtestosteron < 200ng/ml)
Medikamentöse Osteoporose Epidemiologie zu:
Medikamentöse Osteoporose
Epidemiologie
Medikamentöse Osteoporose
- Die Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter
- 5% sind sekundäre Osteoporosen
Medikamentöse Osteoporose Differentialdiagnosen zu:
Medikamentöse Osteoporose
Differentialdiagnosen
Medikamentöse Osteoporose
- Hyperkalzämie
- Primärer (testikulärer) Hypogonadismus
- Plasmozytom
- Plasmozytom
- Multiples Myelom
- Osteomalazie
- Tertiärer Hyperparathyreoidismus
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus
- Hyperparathyreoidismus bei Kindern
- High turnover-Osteopathie
- Osteoporose und Osteomalazie
- Low turnover-Osteopathie
- Primärer Hyperparathyreoidismus
- Idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus
- Osteomalazie
- Plasmozytom
Medikamentöse Osteoporose Anamnese zu:
Medikamentöse Osteoporose
Anamnese
Medikamentöse Osteoporose
Bei der iatrogenen oder medikamentösen Osteoporose sind folgende Informationen von Bedeutung:
Indikation für eine Basisdiagnostik nach Vorgaben der DVO( A-D in Klammern = Empfehlungsgrad):
Frauen <50Lj; Männer < 60 Lj:
- Wirbelkörperfraktur 2.-3.Grades?(D)
- mehrfache Wirbelkörperfrakturen 1.-3. Grades?(D)
- Singuläre Wirbelkörperfraktur 1. Grades? (als Einzelfallentscheidung )(D)
- Cushing-Syndrom ?(B)
- Hyperkortisolismus diagnostiziert?(D)
- Primärer Hyperparathyreoidismus diagnostiziert?(B)
- Orale Kortisontherapie ≥7,5 mg? Prednisolonäquivalent täglich > 3 Monate (A)
Frauen 50 - 60 Lj; Männer 60 - 70 Lj.:
zusätzlich
- Fraktur(en) auserhalb der Wirbelsäule nach dem 50. Lebensjahr? (als Einzelfallentscheidung) (D)
- Wachstumshormonmangel bei Hypophyseninsuffizienz?(B)
- Orale Kortisontherapie für 3 und mehr Monate? (unabhängig von der Dosis)(A)
- Therapie mit Aromatasehemmern? (als Einzelfallentscheidung) (D)
- Antiandrogene Therapie? (als Einzelfallentscheidung)(D)
- Rheumatoide Arthritis diagnostiziert? (als Einzelfallentscheidung)(D)
- Bei Frauen: Einnahme von Glitazonen?(D)
Frauen 60 - 70 Lj.; Männer 70 - 80 Lj.:
zusätzlich
- Wirbelkörperfraktur(en)? (unabhängig vom Schweregrad) (A)
- Fraktur(en)ausserhalb der Wirbelsäule nach dem 50. Lebensjahr?(A)
- Proximale Femurfraktur eines Elternteils?(B)
- Mehrfache Stürze?(A)
- Fehlende Bewegung(Immobilität)?(A-B)
- Raucher(in)?(A)
- Diabetes mellitus Typ 1?(A)
- Zustand nach Magenentfernung? (B-II-Operation oder Gastrektomie)(A)
- Epilepsie diagnostiziert / Antiepileptikatherapie?(A)
- Sturzbegünstigende Medikamente (Sedativa, Orthostase-verursachende Medikamente, Antidepressiva, Neuroleptika)?(B-D)
Bei Frauen > 70 Lj. und Männern < 80 Lj. wird grundsätzlich zur Basisdiagnostik geraten.
Anamnese im Rahmen der Basisdiagnostik:
- Wo liegen Schmerzen vor? Seit wann? Intensität - gleichbleibend, schwankend?
- (Bewegungs-)Einschränkungen im täglichen Leben?
- Ausführliche Medikamenten - und Risikoanamnese.
Medikamentöse Osteoporose Diagnostik zu:
Medikamentöse Osteoporose
Diagnostik
Medikamentöse Osteoporose
Zur diagnostischen Abklärung der iatrogenen oder medikamentösen Osteoporose sind relevant:
Folgende Basisdiagnostik sollte bei einem 10 - Jahres - Frakturrisiko ≥ 20 % durchgeführt werden (siehe Anamnese)
- allgemeine körperliche Untersuchung - Kraft und Koordinationsmessung - Chair-Rising-Test + Tandemstandtest, Timed - up and go - Test
- Standardmethode der Knochendichtemessung: Dual Photon Absorptiometry (DXA) des Femurhalses oder des Gesamtfemurs
- Verzicht auf DXA bei multiplen typischen osteoporotischen Frakturen;
- konventionelles Röntgen der Wirbelsäule: Kasterahmenwirbel, Keil- und Fischwirbel, vorbestehende Frakturen;
- Labor (nach Frakturen; bei Hinweisen auf sekundäre Osteoporose oder laborchemische nachweisbare Risikofaktoren; bei T-Wert < -2,0):
Risikofaktoren:
- TSH ≤ 0,3mU/L
- Testosteronspiegel < 3,5 μg/l
- 25 - Hydroxyvitamin -D3 (in Einzelfällen; teuer und hohe Schwankug) ≤20 ng/ml (50nmol/l)
Differentialdiagnose:
- BSG ("alternativ" CRP - erfasst nicht das Plasmozytom) → entzündlihe Ursache
- Serum - Calcium → prim. Hyperparathyreoidismus ↑, sek. Hyperparathyreoidismus, Malabsoption ↑;
- Serum Phosphat → Niereninsuffizienz Grad IV, renaler Hyperparathyreoidismus ↑; Malabsorption ↓;
- Alkalische Phosphatase → Osteomalazie ↑;
- Kreatinin Clearance → renale Osteopathie ↓
- γ - GT → DD hepatische Erhöhung der alkalischen Phosphatase;
- Blutbild → entzündliche oder maligne Erkrankungen
- Serume Eiweisselektrophorese → Multiples Myelom
Medikamentöse Osteoporose Klinik zu:
Medikamentöse Osteoporose
Klinik
Medikamentöse Osteoporose
Die Klinik der der Osteoporose wird durch die WHO-Kriterien definiert:
Referenz ist die Peak Bone Mass (PBM) junger gesunder Frauen
- Osteopenie: Knochendichte -1,0 bis - 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert der PBM
- Osteoporose: Knochendichte < 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert der PBM
- schwere (manifeste) Osteoporose: zusätzlich Frakturen
Bei den ausserdem treten folgende Symptome auf:
- Knochenschmerzen
- Rückenschmerzen
- Frakturen/Spontanfrakturen
- Rundrücken
- Gibbusbildung
- Reduktion der Körpergröße
- Tannenbaumhautfalten
- Stürze
Medikamentöse Osteoporose Therapie zu:
Medikamentöse Osteoporose
Therapie
Medikamentöse Osteoporose
Folgende Maßnahmen kommen bei der Therapie und Prophylaxe der iatrogenen/ medikamentösen Osteoporose zum Einsatz:
kausal:
- Zugrundeliegende Medikamententherapie reduzieren/ersetzen
Primärprävention
Alle folgenden Maßnahmen bewirken einen verbesserten Knochenaufbau und -Stoffwechsel innehalb weniger Monate:
- Korrektur von Untergewicht
- Nikotinkarenz
- Bewegung
- evtl. Gehhilfen
- Ernährung 1000 mg Calcium/d
- evtl. /Calcium Supplementierung - Alfacalzidol 0,5μg 2-mal/d
- bei Vitamin D3 Mangel → 30 min Sonnenbelichtung/d für Arme und Gesicht oder Vitamin D3 Supstitution - 400-800-2000 IE Vitamin D3/d
- Programme analog zur spanischen Gesundheitsaufklärung in öffentlichen Verkehrsmitteln (nicht vom BuGMist 2002-2009 implementiert)
- strenge Indikation bzw. Umstellung von Osteoporose - fördenden Mitteln: Antiepileptika, Antidepressiva, Sedativa und andere Orthostase auslösende Medikamente, PPI, Glitazone bei Frauen Glukokortikoiden (volkstümlich abgeforderte Dexamethosonspritzen für Rückenschmerzen)
- Bei L - Thyroxin Therapie auf einen TSH Spiegel (≥0,3mU/l) hinarbeiten, sollte eine schwerere Krankheit (Schilddrüsenkarzinom) einen niedrigeren Spiegel nicht erforderlich machen.
Sekundärprävention
- Physikalische Medizin: Kraft - und Koordinationstraining zur Sturzprophylaxe
Tertiärprophylaxe
Nachgewiesene Senkung des 3 - Jahres - Frakturrisikos:
- Alendronat je nach Generika - 10 mg 1-mal/d p.o.; 70 mg 1-mal/w p.o.; auch als Kombipräparat mit 2800 oder 5600 IE Colecalziferol*
- Risendronat je nach Generika - 5 mg 1-mal/d; 35 mg 1-mal/w, evtl. + 500mg Calzium d1-6 oder + 800IE Colecalziferol d1-6*
- Ibandronat - 150mg 1-mal/m p.o. oder 3 mg i.v. 1-mal/3m
- Zoledronat bei systemischen Langzeittherapie mit Glukokortikoiden bei postmenopausalen Frauen und Männern im Risiko (09/2009) - 5 mg i.v. 1-mal/j*
- Hormonersatztherapie - Östrogene (Effektnachweis, bei KI gegen andere Medikamente; bei vasomotorisch begründeter HRT keine weitere Osteoporosetherapie)
- Raloxifen - 60mg 1-mal/d p.o.
- Parathyroidhormon - 100 μg/d s.c.
- Teriparatid (Schweiz: Label für den Mann) - 20μg/d s.c.*
- Strontiumralenat - 2g/d p.o.
* Auch für Osteoporose des Mannes zugelassen.
Differential- und Kombinationstherapie
- nicht belegt
- Verträglichkeit und Kontraindikationen führen zur in der Praxis über 3 Jahre durchführbaren Therapie
- begleitende Konzepte (Patientenführung) bestimmen nach praktischer Erfahrung ausschlaggebend die Adhärenz zu einem Therapeutikum (noch wenig explorierter Aspekt der Ergebnisqualität)
Medikamentöse Osteoporose Komplikationen zu:
Medikamentöse Osteoporose
Komplikationen
Medikamentöse Osteoporose
Zu den Komplikationen der iatrogenen/ medikamentösen Osteoporose zählen:
-
Brüche ohne adäquates Trauma (bes. Wirbelbrüche) oder nach leichten Stürzen (bes. Schenkelhalsbrüche) - 30% der Brüche bei älteren Männern und Frauen gehen mit einer Osteoporose einher.
- Wirbelbrüche gehen mit einer erhöhten Mortalität einher.
- In der Folge Pneumonien durch Immobilisierung, bei älteren Menschen häufig letal.
- Minderung der Aktivitäten des täglichen Lebens
- Pflegebedürftigkeit
- nicht-natürlicher Tod in der Kausalkette von Stürzen ( 1- Jahres Mortalität nach Hüftfrakturen und Endoprothetik → 33%)
Medikamentöse Osteoporose Zusatzhinweise zu:
Medikamentöse Osteoporose
Zusatzhinweise
Medikamentöse Osteoporose
Zur iatrogen/ medikamentösen Osteoporose junger Menschen liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.
Medikamentöse Osteoporose Literaturquellen zu:
Medikamentöse Osteoporose
Literaturquellen
Medikamentöse Osteoporose
- (2009) AWMF-Stufe 3 - Leilinie 034/003 - Empfehlungen der DVO - Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen(2008) Reiner Bartl - Osteoporose: Prävention - Dianostik - Therapie - Thieme
- (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
- (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
- (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
- (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
- (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
Medikamentöse Osteoporose
Assoziierte Krankheitsbilder zu Medikamentöse Osteoporose
- Endokrin bedingte Osteoporose
- Hyperparathyreoidismus bei Kindern
- Malabsorptionssyndrom
- Osteoporose durch Immobilisation
- Primärer Hyperparathyreoidismus
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus
- Tertiärer Hyperparathyreoidismus
- High turnover-Osteopathie
- Hyperkalzämie
- Idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus
- Multiples Myelom
- Osteomalazie
- Osteomalazie
- Plasmozytom
- Plasmozytom
- Plasmozytom
- Primärer (testikulärer) Hypogonadismus
- Low turnover-Osteopathie
- Osteoporose und Osteomalazie
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