Markschwammniere
Synonyme: engl. medullary sponge kidney, Markzystenniere, medulläre Schwammniere
Definition
Markschwammniere
Der Begriff Markschwammniere bezeichnet eine nicht vererbbare aber angeborene zystische Fehlbildung der Niere mit einer Erweiterung der Sammelrohre in den Pyramiden.
Markschwammniere
Ätiologie
Markschwammniere
Die Ursachen der Markschwammniere sind im wesentlichen unklar. Die mögliche Ursachen sind folgendes:
- Sammelrohrmissbildung mit zystischer Erweiterung und kolloidartigem Flüssigkeitsinhalt
- fehlerhafte Vereinigung der Ureterknospe mit dem Nierenblastem
- kongenitale, überwiegend beidseitige Missbildung auf Höhe der Sammelrohre im Papillenbereich
Markschwammniere Epidemiologie zu:
Markschwammniere
Epidemiologie
Markschwammniere
Zur Epidemiologie der Markschwammniere:
- Die Markschwammniere ist relativ selten und hat Prävalenz von 1 : 5.000 - 20.000
- m > w
- familiäre Häufungen
- keine Altersbindung (überwiegend aber im mittleren Lebensalter)
Markschwammniere Differentialdiagnosen zu:
Markschwammniere
Differentialdiagnosen
Markschwammniere
- Renale Papillennekrose
- Sekundärer vesikorenaler Reflux
- Nieren- und Urogenitaltuberkulose
- Hyperparathyreoidismus
- Tertiärer Hyperparathyreoidismus
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus
- Hyperparathyreoidismus bei Kindern
- Nephropathische Zystinose
- Kelchdivertikel
- Primärer Hyperparathyreoidismus
Markschwammniere Anamnese zu:
Markschwammniere
Anamnese
Markschwammniere
Bei der Markschwammniere sind folgende Informationen von Bedeutung:
- Alter?
- Genetische Erkrankung bzw. familiäre Häufung?
- Miktionsbeschwerden? (Abflussstörung, Hämaturie, Algurie, Dysurie, Pyurie Pollakisurie, Bakteriurie)
- Infektionszeichen? (Fieber, Schüttelfrost, reduzierter Allgemeinzustand, Erbrechen, Durchfall)
- Allgemeine Beschwerden? (Flanken- oder Abdominalschmerzen, Koliken, Hypertonie)
Markschwammniere Diagnostik zu:
Markschwammniere
Diagnostik
Markschwammniere
Die Diagnostik bei einer Markschwammniere gestaltet sich wie folgt:
- Klinische Untersuchung und Anamnese
- Labor (Elektrolyte und Infektparameter)
- Urinkultur bzw. Kalziumausscheidung im Harn
Sonographie:
- Uncharakteristisch und schwierig – vermehrte Echogenität
- kleine Schlagschatten an vielen Stellen der Niere
i.v.-Urographie:
- Übersichtsaufnahme charakteristisch
- KM-Aufnahme mit kontrastmittlegefüllten Markzysten und büschelartigen Pyramiden
Retrograde Darstellung (bei Zweifeln in i.v.-Urographie):
- völlig normal ohne Darstellung der erweiterten Sammelröhrchen
DD:
- Hyperparathyreoidismus
- Nierentuberkulose
- Papillennekrose
- Nephrokalzinose
- angeborene Kelchzysten
- Kelchdivertikel
- tubuläre Stase oder Reflux
Markschwammniere Klinik zu:
Markschwammniere
Klinik
Markschwammniere
Die Markschwammniere kann mit folgenden Symptomen einhergehen:
- meist asymptomatisch
- durch sekundäre Urolithiasis Harnstau, Kolik, Steinabgang, Hämaturie
- durch sekundäre Infektion Bakteriurie und Pyurie
- trotz ausgeprägter morphologischer Veränderungen kommt es nur selten zur Beeinflussung der Nierenfunktion
Markschwammniere Therapie zu:
Markschwammniere
Therapie
Markschwammniere
Die therapeutischen Möglichkeiten bei Markschwammnieren umfassen:
- Keine Behandlung bei asymptomatischem Verlauf
- Antibiotische Behandlung bei Infektion
- Dauerprophylaxe bei rezidivierendem HWI
- Ggf. Therapie der Nephrolithiasis
- bei ausgeprägtem Befund Nierenteilresektion
- Nephrektomie nur bei irreversibler Pyelonephritis, Urolithiasis und Hämaturie bei normal funktionierender kontralateraler Niere
Markschwammniere Komplikationen zu:
Markschwammniere
Komplikationen
Markschwammniere
Bei Markschwammnieren kommen folgende Komplikationen vor:
- Nephrolithiasis
- Makrohämaturie
- Rezidivierende HWI
Markschwammniere Zusatzhinweise zu:
Markschwammniere
Zusatzhinweise
Markschwammniere
Rezidivierende Steinabgänge bei Markschwammnieren sind meist Kalziumoxalatsteine oder Kalziumphosphatsteine.
Markschwammniere Literaturquellen zu:
Markschwammniere
Literaturquellen
Markschwammniere
- (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
- (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
- (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
- (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
- Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban und Fischer
- Hauri D, Jaeger P - Checkliste Urologie - Thieme Verlag
- (2006) Schmelz Sparwasser Weinder – Facharztwissen Urologie – Springer Verlag
- (2010) Gerd Herold und Mitarbeiter - Innere Medizin
- (2008) Jürgen Keil – Prüfungsvorbereitung Urologie – Thieme Verlag
- Eichenauer, J. Sandmann, H. Vanherpe – Klinikleitfaden Urologie – Urban & Fischer
- (2006) Hautmann Huland Urologie – Springer Verlag
- (2007/08) Haag, Hanhart, Müller – Gynäkologie und Urologie – Medizinische Verlags- und Informationsdienste
- D. Hauri, P. Jaeger und Mitarbeiter - Checkliste Urologie – Thieme Verlag2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
- (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
- (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
- (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
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