Maligne Keimzelltumoren des Hodens

Synonyme: Hodentumor, Hodenkrebs

Definition

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Ursprung der malignen Keimzelltumoren des Hodens ist eine omnipotente Keimzelle, welche entweder zu einem Germinom (Seminom)  oder oder einem Nichtseminom (multipotente Stammzelle) entarten kann.

Die Nichtseminome, also multipotente Stammzellen können sich entweder embryonal oder extraembryonal weiterentwickeln.

  • embryonales Wachstum: reifes/unreifes Teratom
  • extraembryonales Wachstum: Chorionkarzinom, Dottersacktumor                          

Ätiologie

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Wichtigster Risikofaktor der malignen Keimzelltumoren des Hodens: Kryptorchismus (auch bei rechtzeitiger Behandlung)


Epidemiologie

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Die epidemiologischen Angaben der malignen Keimzelltumoren des Hodens sind folgendes :

  • Häufigstes Auftreten: 2. - 4. Dekade
  • Inzidenz in Deutschland: 7:100 000/Jahr
  • Beste Prognose haben Seminome!

Differentialdiagnosen

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Anamnese

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Bei den malignen Keimzelltumoren des Hodens sind folgende Informationen von Bedeutung :

  • etwas tastbar?
  • Verhärtung seit wann vorhanden?
  • ein- oder beidseitiges Auftreten?
  • Rötung, Schwellung, Überwärmung des betroffenen Hodens?
  • Schmerzen?
  • Schweregefühl?
  • Familienanamnese
  • anderweitige eigene Krankenanamnese
  • ß-Symptomatik
  • anderweitig Beschwerdenß

Diagnostik

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Folgende Untersuchungen sind bei malignen Keimzelltumoren des Hodens anzuwenden :

  • Anamnese
  • bei der Palpation harter Knoten im Hodenparenchym tastbar
  • idR schmerzlos
  • Hodensonographie (inhomogenes Muster, Begleithydrozele?)
  • präoperative Bestimmung der Tumormarker        (α- Fetoprotein, ß-HCG, LDH)


Seminome


Tumormarker:
α- Fetoprotein normal, ß-HCG nur bei 30% erhöht


Nichtseminome

Teratom

  • Vorkommen in 40%
  • Unterscheidung in reifes und unreifes
  • höherer Malignitätsgrad beim Unreifen
  • zumeist Tumormarker negativ

Embryonalkarzinom:

  • Vorkommen in 20%
  • Metastasierung lymphogen

Chorionkarzinom:

  • Vorkommen in 5%
  • Metastasierung lymphogen, aber auch frühzeitig hämatogen
  • ß-HCG positiv

Dottersackkarzinom:

  • AFP positiv
  • Metastasierung lymphogen

Teratokarzinom:

  • Mischtumor aus Embryonalkarzinom und Teratom und/oder Dottersackkarzinom

Klinik

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Die malignen Keimzelltumoren des Hodens können zur folgenden Symptomen führen :

  • Tastbare Verhärtung im Skrotalsack
  • schmerzlose Vergrößerung des Skrotum
  • Schweregefühl im Skrotum
  • Begleithydrozele

Hauptsächlich lymphogene Metastasierung in die retroperitonealen Lymphknoten.

Organmetastasen erst im Spätstadium.


Therapie

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Grundsätzlich immer operative Behandlung bei einem Verdacht auf einen Hodentumor!

  • Hodenfreilegung immer inguinal, ggf. Schnellschnitt
  • anschließend Ablatio testis
  • im Anschluß Sonographie, CT (Staging)
  • Therapie entsprechend Histologie + Staging

Therapie richtet sich nach Art des Tumors (Seminom/Nichtseminom) und der Stadieneinteilung!


Therapie des Seminoms:

Stadium I 

  • wait and see oder
  • Radiatio der parakavalen und paraaortalen Lymphknoten mit 26 Gy oder
  • Carboplatinmonotherapie

Stadium II A/B

  • 2-3 Zyklen einer PEB oder PEI Chemotherapie oder
  • Radiatio der parakavalen, paraaortalen, sowie ipsilateral iliakalen Lymphknotenstationen mit 30-36 Gy

Stadium II C/III

  • Chemotherapie und
  • retroperitoneale Lymphadenektomie

Therapie des Nichtseminoms:

Stadium I

  • wait and see bei fehlender vaskulärer Invasion oder
  • bei vaskulärer Invasion 2 Zyklen PEB
  • diagnostische, nervenschonende Lymphknotenentfernung


Stadium II A/B

  • 3-4 Zyklen mit PEB 
  • bei Residualtumoren >1 cm Resektion

Stadium II C/III

  • Chemotherapie
  • bei Residualtumoren >1 cm Resektion


Nachsorge:

  • Rezidivrate in den ersten beiden Jahren am höchsten  
  • Nachsorgetermine: 1. + 2. Jahr vierteljährlich
  • Nachsorgetermine: 3.-5. Jahr halbjährlich
  • Umfang der Nachsorge: Labor, Tumormarker (AFP, ß-HCG, LDH), Röntgenthorax, CT-Abdomen, Sonographie

Komplikationen

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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Hodentumoren können zunächst auf lymphogenem später hämatogenem Weg metastasieren.

Die 5-Jahres- Überlebensrate bei fortgeschrittenen Tumoren beträgt 50% - 90%!


Zusatzhinweise

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Jeder harte Knoten im Skrotalsack wird bis zum Beweis des Gegenteils als Hodentumor behandelt!

  • Nichtseminome sind oft Mischtumoren - Entscheidend für Therapie Tumor mit dem höchsten Malignitätsgrad!
  • Nichtseminome sind NICHT strahlensensibel sondern chemosensibel!

Bei Vorhandensein von malignen Keimzelltumoren des Hodens mit dem Patienten folgendes  besprechen:

  • Einsetzen einer Hodenprothese auf Wunsch möglich
  • Einfrieren der Samenflüssigkeit bei Kinderwunsch vor einer Chemotherapie oder beidseitigen Ablatio
  • Potenzstörungen/ retrograde Ejakulation nach einer Lymphadenektomie möglich
  • Substitutionsbehandlung bei Entfernung beider Hoden/Nebenhoden

Stadieneinteilung nach UICC- Kriterien:

Stadium I  Tumor auf Hoden beschränkt, keine
                Fernmetastasen

Stadium II retroperitoneale Lymphknotenmetastasen
                unterhalb des Zwerchfells

Stadium II A Metastasendurchmesser < 2 cm

Stadium II B Metastasendurchmesser 2-5 cm

Stadium II C Metastasendurchmesser > 5 cm

Stadium III Lymphknotenmetastasen auch oberhalb
                 des Zwerchfells + Fernmetastasen
                 außerhalb des Lymphsystems


Literaturquellen

Maligne Keimzelltumoren des Hodens

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  1. (2009) AWMF- Leitlinie - Hodenhochstand- Maldeszensus testis
  2. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  3. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  4. (2008) Sökeland J, Rübben H - Taschenlehrbuch Urologie - Thieme Verlag
  5. (2008) Emminger H, Kia T, Exaplan- Das Kompendium der klinischen Medizin Band 2 Urban & Fischer Verlag
  6. (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  7. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer

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