Lungenembolie Schweregrad I

Synonyme: Lungenarterienembolie, LAE, LE

Definition

Lungenembolie Schweregrad I

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Unter der Lungenembolie Schweregrad I wird der Verschluss von einer peripheren Pulmonalarterie durch einen Thrombus genannt, bei dem die Symptome nur kurzzeitig auftreten.


Ätiologie

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Die Ursachen von Lungenembolien sind:

  • tiefe Beinvenenthrombose
  • Tumorerkrankung
  • Thrombophilie

Epidemiologie

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Die Inzidenz der Lungenembolie beträgt 60-70:100.000/Jahr und der fulminanten Lungenembolie 1:100.000/Jahr.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Lungenembolie sind folgende Informationen von Bedeutung:
  • akute Luftnot?
  • Luftnot nach Aufstehen, körperlicher Anstrengung, Stuhlgang ?
  • Symptomatik seit wann?
  • Brustschmerz? v.a. bei Einatmung?
  • Husten? Bluthusten?
  • Ohnmacht?
  • Schwellung oder Schmerzen im Bein kürzlich?
  • Thromboembolische Ereignisse in der Vergangenheit?
  • Tumorerkrankung ?
  • Schwangerschaft ?
  • Bekannte hereditäre Thromboserisiken?
  • Immobilisierung ?

Diagnostik

Lungenembolie Schweregrad I

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Die Diagnostik der Lungenembolie umfasst:
  • klinische Untersuchung: meist unauffällig, evtl. Halsvenenstauung
  • Auskultation: gespaltener 2. Herzton, Galopprhythmus, Rasselgeräusche
  • Labor: D-Dimer, Troponin T, NT-proBNP
  • Blutgasanalyse: pO2 erniedrigt, pCO2 erniedrigt, pH erhöht
  • EKG: S1Q3, negatives T in V1-3, S-Persistenz bis V6, Sinustachykardie
  • Echokardiographie, evtl. TEE
  • CT-/-MR-Angiographie des Thorax oder- Lungen-Perfusionsszintigraphie
  • Duplexsonographie der Beine
  • ggf. Tumorsuche
  • ggf. Thrombophiliescreening

Abschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit anhand des Wells-Score:

Klinische Charakteristik  Punkte                                                                                
Klinische Zeichen einer Venenthrombose  3,0
 LAE wahrscheinlicher als andere Diagnose  3,0
 Herzfrequenz >100/min  1,5
 Immobilisation oder Operation in letzten 4 Wochen  1,5
 frühere tiefe Venenthrombose oder LAE  1,5
 Hämoptysen  1,0
 Krebserkrankung (aktiv bzw. letzte 6 Monate)  1,0

klinische Wahrscheinlichkeit für Lungenembolie

gering < 2,0                          
mittel  2,0 - 6,0
hoch  > 6,0

Klinik

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Die Lungenembolie Grad I kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

akut einsetzende Symptomatik

  • Dyspnoe, Tachypnoe, Tachykardie (90%)
  • Thoraxschmerzen (70%)
  • Angst, Beklemmungsgefühl (60%)
  • Husten, Hämoptysen (10%)
  • vegetative Symptome
  • Synkope, Schock

typisch für rezidivierende Embolien: Schwindelanfälle, kurzfristige Synkopen, unklares Fieber, Tachykardie

Schweregradeinteilung

Grad I: hämodynamsich stabil, normale RV-Funktion, normaler pulmonalarterieller Blutdruck, Sauerstoffpartialdruck >75 mmHg


Therapie

Lungenembolie Schweregrad I

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Lungenembolie Schweregrad I umfassen:

Therapieziele:

  • Verhinderung des Embolierezidivs
  • Senkung der Letalität

bereits bei Verdacht präklinisch:

  • Immobilisierung, Oberkörper hochlagern, vorsichtiger Transport in Krankenhaus
  • Sauerstoffgabe (2-6 l/min)
  • ggf. Sedierung (Diazepam 5 mg i. v. oder Midazolam i.v. in 2,5 mg-Schritten)
  • intravenöser Zugang: Heparin-Bolus 5,000-10,000 IE i. v.

nach Diagnosesicherung im Krankenhaus (Stadium I und II)

  • Einleitung einer oralen Antikoagulation
  • Phenprocoumon – 1,5-3 mg/d p.o.
  • Warfarin – 5-10 mg/d p.o.
  • Acenocoumarol – 2-12 mg/d p.o.

bis zum Erreichen der therapeutischen Dosierung  (7-10 Tage) Fortführung der Antikoagulation, z. B.:

  • Enoxaparin - 2x1mg/kg KG/d s.c.
  • Dalteparin – 1-2 x 15 mg/d s.c.
  • Certoparin – 18 mg/d s.c.
  • Fondaparinux 1x7,5 mg/d s.c.
    (bei KG100 kg 10 mg)
  • Tinzaparin - 42,2 mg/d s.c.
  • Reviparin – 13,8 mg/d s.c.

Dauer der Therapie:

  • transienter Risikofaktor 3 Monate
  • idiopathischer Genese oder Thrombophilie 6-12 Monate
  • kombinierte Thrombophilie und Antiphospholipid-AK-Syndrom 12 Monate
  • rezidivierende Thrombembolien oder aktive Krebserkrankung zeitlich unbegrenzt

Komplikationen

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Komplikationen einer Lungenembolie sind:
  • Schock
  • Pleuritis
  • Lungeninfarkt
  • Infarktpneumonie
  • Rechtsherzversagen
  • Rezidiv
  • Cor pulmonale
  • Tod

Zusatzhinweise

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Schweregradeinteilung

Grad I: hämodynamsich stabil, normale RV-Funktion, normaler pulmonalarterieller Blutdruck, Sauerstoffpartialdruck >75 mmHg

Grad II: hämodynamsich stabil, RV-Dysfunktion, meist normaler pulmonalarterieller Mitteldruck, Sauerstoffpartialdruck eventuell vermindert

Grad III: hämodynamsich instabil, Schock (syst RR 100/min), pulmonalarterieller Mitteldruck 25-30 mmHg, Sauerstoffpartialdruck

Grad IV: Reanimationspflicht, pulmonalarterieller Mitteldruck >30 mmHg, Sauerstoffpartialdruck 

Indikation zur Fibrinolyse:

  • massive Lungenembolie Stadium III und IV
  • hämodynamisch instabil, Schock, Kreislaufstillstand, RV-Dysfunktion im Echo, erhöhtes Troponin T oder NT-proBNP
  • Fehlen von Kontraindikationen

Kontraindikationen

  • Schwerwiegende Blutung (akut oder innerhalb der vergangenen 6 Monate)
  • Patienten, die gleichzeitig mit oralen Antikoagulanzien (INR >1,3) behandelt werden
  • Jede Erkrankung des zentralen Nervensystems in der Anamnese
  • Bekannte hämorrhagische Diathese
  • Große Operation, Biopsie eines parenchymatösen Organs oder schweres Trauma in den letzten zwei Monaten
  • Kürzlich erlittene Kopf- oder Schädelverletzungen
  • Längerandauernde Wiederbelebungsmaßnahmen (>2 Minuten) in den letzten zwei Wochen
  • Akute Perikarditis und/oder subakute bakterielle Endokarditis
  • Akute Pankreatitis
  • Schwere Leberfunktionsstörung einschließlich Leberversagen, Zirrhose, Pfortaderhochdruck (Ösophagusvarizen) und aktiver Hepatitis
  • Aktive peptische Ulzera
  • Arterielles Aneurysma und bekannte arteriovenöse Missbildungen
  • Neoplasma mit erhöhtem Blutungsrisiko
  • Hämorrhagischer Schlaganfall oder Schlaganfall unklarer Genese in der Anamnese
  • Bekannter ischämischer Schlaganfall oder transiente ischämische Attacke in den vergangenen 6 Monaten
  • Demenz

Literaturquellen

Lungenembolie Schweregrad I

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  1. (2010) AWMF- Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie- Leitlinien- Register 065/002 http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/065-002.htm>
  2. (2005) Harrisons Innere Medizin (16. Auflage), ABW Wissenschaftsverlag
  3. (1998) Stierle, Niederstadt- Klinikleitfaden Kardiologie (1. Auflage), Gustav Fischer Verlag Lübeck
  4. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  5. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  6. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  7. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer

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