Lues

Synonyme: Syphilis, veraltet: Franzosenkrankheit, harter Schanker, spezifische Laryngitis

Definition

Lues

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Manifestation der Syphilis (=Lues) im Larynxbereich. Diese kann in allen drei Stadien der Syphilis auftreten (siehe Klinik).


Ätiologie

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Ursachen einer Lues sind:

  • Erreger der Syphilis ist das zu den Spirochäten gehörende Bakterium Treponema pallidum
  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit infizierter Person
  • Übertragung von der Mutter auf das Kind (Konatale Lues)

Epidemiologie

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Die Inzidenz in Deutschland für Syphilis/Lues beträgt insgesamt 4:100.000:

  • Davon sind etwa 5% primär im oralen Bereich betroffen
  • Männer sind 10 mal häufiger betroffen als Frauen
  • Insgesamt gibt es eine Häufung in den Großstädten
  • 4 von 5 Neuerkrankungen werden bei homosexuellen Männern diagnostiziert

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Lues ist wichtig zu wissen:

  • Risikoverhalten?
  • Verlauf der Symptome?
  • Sexualpartner (der Mutter bei Lues connata)?

Diagnostik

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Diagnostische Relevanz hat bei der Lues allgemein:

  • Anamnese
  • HNO-Inspektion: Absuchen des Oral- und Pharyngealbereich nach typischen Zeichen (siehe Klinik)
  • Palpation: im Primästadium lokal, im Sekundärstadium generalisiert schmerzlos geschwollene Lymphknoten.
  • Erregernachweis
  1. direkt aus dem Sekret des Primäraffektes
  2. oder aus Effloreszenzen des sek. Stadiums
  3. oder serologisch IgM-19s-Agglutinationstest
  4. Treponema-pallidum-Hämagglutinations- (TPHA-)Test
  • HIV-Test
  • ggf. Hör- und Gleichgewichtsprüfung
  • Untersuchung von Sexualpartnern
  • Interdisziplinäres Konsil (Dermatologie, evtl. Neurologie)

Klinik

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Symptomatik der Lues:

Stadium I

  • Lymphknotenvergrößerung
  • intraoral: unteres Lippenrot, Zunge, Gingiva, Gaumen
  • schmerzloses dunkelrotes, leicht erhabenes, induriertes Ulkus

Stadium II

  • düster rote, fleckförmige Enantheme ("Plaques muqueuses") der Schleimhaut, später grauweiße Trübung, Blutung nach Ablösen nekrotischer Oberfläche
  • Gaumen gummös verändert
  • Glossitis interstitialis luica
  • stark entzündete Tonsillen
  • feuchte Mundwinkel
  • Exanthem, Pharyngitis

Stadium III (nekrotisierende Läsionen)

  • Gaumenperforation
  • Nasenhöhlenperforation
  • Gaumendestruktion, Uvula

Therapie

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Therapeutische Maßnahmen bei der Lues sind:

  • Untersuchung von Sexualpartnern
  • Aufklärung über Ansteckungsgefahr und Prävention
  • Antibiose:

Frühsyphilis (1) (bis zu 1 Jahr nach Infektion):

  • Benzathin-Benzylpenicillin 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio.I.E.).
  • Alternativ bei Penicillinallergie:
  1. Doxycyclin 2x100mg/Tag p.o.; 14 Tage
    oder
  2. Erythromycin 4x0,5g /Tag p.o., 14 Tage

Bemerkung:

  • Zur Prophylaxe einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann 30-60 Minuten vor der Antibiose 1mg Prednisolonäquivalent/kg KG p.o. gegeben werden.

Spätsyphilis (1) (mehr als 1 Jahr nach Infektion):

Empfehlung:

  • Benzathin-Benzylpenicillin 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio.I.E.) Tag 1, 8, 15

Bei Penicillinallergie:

  • Doxycyclin 2x100mg/Tag p.o.; 28 Tage
  • Erythromycin 4x500mg/Tag i.v. 28 Tage

Alternativen:

  • Ceftriaxon 2g/Tag i.v. Kurzinfusion 30 min, 14 Tage

Neurosyphilis (1): 

Empfehlung:

  • Penicillin G kristalloide Lsg.
    6x 3-4 Mio IE/Tag i.v. , mindest. 14 Tage oder 3x 10 oder 5x5 Mio IE/Tag i.v., mindestens 14 Tage
  • oder Ceftriaxon
    1x 2g/Tag i.v. über 10-14 Tage (initial 4g) **

Alternative (3. Wahl):

  • Doxycyclin 4x 200mg/Tag über 28 Tage (K.I.: Kinder, Schwangere)

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen der Lues sind:

  • Neurosyphilis mit ev. persistierenden neurologischen Schäden
  • Hör- und Gleichgewichtsstörungen
  • Aneurismaruptur
  • bei Penicillinallergie: anaphylaktischer Schock
  • Nebenwirkung der Penicillintherapie: Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Zusatzhinweise

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Weiterhin ist bei der Lues wichtig zu wissen:

  • Die Krankheit ist bei positivem Erregernachweis ohne Namensnennung meldepflichtig
  • Das Sekret des Primäraffektes sowie die Effloreszenzen im Sekundärstadium sind hochinfektiös (Handschuhe tragen!)

Prognose

  • bei rechzeitiger Behandlung gut, im tertiärem Stadium können Schäden persistieren

Literaturquellen

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  1. Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft - Diagnostik und Therapie der Syphilis
  2. (2005) Arnold W, Ganzer U - Chekliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde - Thieme Verlag
  3. (2006) Groß U - Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie - Thieme Verlag
  4. (2008) Zener H - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie,Rehabilitation - Schattauer Verlag
  5. (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  6. (2003) Werner, Lippert - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  7. (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG
  8. (1990) Ganz Herausgegeben - Lehrbuch Hals-Nasen-Ohren Heilkunde - Walter De Gruyter

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