Das med2click-Lexikon

Aminoglykoside

Aminoglykoside hemmen durch Blockade der S50 Ribosomenuntereinheit die Proteinsynthese und wirken so bakterizid. Die Substanzen sind stark hydrophil und wirken deshalb ausschliesslich extrazellulär. Ausserdem werden sie bei oraler Gabe schlecht resorbiert. Resistenzen bilden Bakterien schnell über Acetylasen. Das Wirkspektrum umfasst besonders die Enterobakteriaceen und Staphylokokken. Die Kanamycin-Gentamycin-Gruppe ist auch gegen Pseudomonaden gut wirksam. Sie eignen sich sehr gut als Kombinationspartner von Beta-laktam-Antibiotika. Alle Aminoglykoside lagern sich in Nierenrinde und Innenohr an und sind Oto- und Nephrotoxisch -  die Gabe von Schleifendiuretika, bzw. Amphotericin B oder Cisplatin erhöht das Risiko für Schäden. Die Hör- und Gleichgewichtsschäden werden mit der Zeit irreversibel. Deswegen muss bei beginnender Symptomatik sofort die Antibiotikatherapie umgestellt werden und der Serumspiegel regelmäßig gemessen werden..

Zu den Aminoglykosiden gehören drei Gruppen:

  1. Streptomycin gehört zur Kombinationstherapie der Tuberkulose. Ausserdem indiziert bei Endokarditis durch Enterokokken oder Streptokokken (mit Penicillin G), Brucellose und Tularämie (mit Tetracyklinen).
  2. Neomycingruppe - kaum noch in Gebrauch, wegen höherer oto- und nephrotoxizität. Paromomycin ist zur prophylaktischen oder therapeuthischen Darmdekontamination bei hepatischer Enzephalopathie und zur Therapie der Amöbiasis zugelassen.
  3. Kanamycin-Gentamycin-Gruppe- Gentamycin wird mit beta-Laktam-Antibiotika kombiniert bei Sepsis, Endokarditis und anderen schweren Infekten gegeben - ausserdem bei Knochen - und Weichteilinfektionen oder lokal bei Augen- und Hautinfektionen. Für die Anwendung am Knochen stehen spezielle Zement-Lösungen  und implantierbare Ketten-/Kugeln zur Verfügung. Amikacin und Tobramycin sind häufig bei Gentamycin-resistenten Keimen im gleichen Keimspektrum wirksam.

Wirkstoffe und Präparate:

  • Streptomycin (STREPTO-Fatol®) Dosierung: 12-50LJ 15mg/KgKG bei Tbc verteilt auf zwei bis drei wöchentliche Dosen bei schnell proliferierenden Erregern zwei bis drei tägliche Dosen.
  • Paromomycin (Humatin®) Tagesdosis in sechs bis achtstündlichen Intervallen. Prophylaxe der portosystemischen Enzephalopathie: Je nach Auspräg. der Symptomatik  1000-2000 mg/d. Präcoma und Coma hepaticum:  35(-75) mg/kg KG/d - in Ausnahmefällen bei intakter Nierenfunkt. 3000 mg/d - über 2-6 Tage bzw. bis zum Abklingen der Symptome. Präoperative Reduktion der Darmflora: 4 g/d über die letzten 2 präoperativen Tage; bei orthograder Darmspülung 8-10 g etwa 1 h nach Ende der Spülung und ca. 12 h vor OP. Nichtinvasiver Amöbenbefall des Darmlumens:  15-25(-100) mg/kg KG/d für mindestens 5 Tage. Bei kürzerer Behandlungszeit höhere Tagesdosis.
  • Gentamicin (z.B. Gencin®-Actavis, Genta-CT®, Gentamicin ® HEXAL SF, Gentamicin® Rotexmedica, Gentamicin B. Braun®, Gentamicin-ratiopharm®, Gentamycin-mp®, Heraeus PMMA Kette®, Septopal®, Refobacin®Bone Cement, Sulmycin®) Dosierung: Initial1,5-2 mg/kg KG i.m. oder i.v. Erhaltungsdosis: Erwachsene 3-6 mg/kg KG/d in 3 ED . Säuglinge > 1 Monat: 1,5-2,5 mg/kg KG alle 8 Std.
  • Amikacin (Amikacin Fresenius®) Dosierung ab 6 LJ: 10-15 mg/kg KG/d in 2-3 Dosen; 6 LJ.: 1x15 mg/kg KG/d. Kinder 4Wochen - 6LJ: 1x15-20 mg/kg KG/d. Dauer der Behandlung 3-10 Tage. Gesamtdosis für Erwachsene 15g, Tageshöchstdosis 1,5g (nur bei vitaler Gefahr)
  • Tobramycin ( BRAMITOB®, TOBRA-cell®, TOBI®, Tobramycin-mp®, Gernebcin®) Dosierung: Initial 1,5-2 mg /kg KG. Erhaltungsdosis: 3-6 mg/kg KG/d in 3 ED alle 8 h i.m. oder i.v. Bei unkompliziertem Harnwegsinfekt: 2-3 mg/kg/d als ED i.m. Säuglinge > 1 Monat alle 3x 1,5-2,5 mg/kg KG/d (alle 8 h). Neugeborene 2x bis zu 2,5 mg/kg KG/d (alle 12h). Vernebler entsprechende Fachinformationen dosieren.