Leukämien

Synonyme: leukemia, Blutkrebs, Leukose, Hyperleukozytose

Definition

Leukämien

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Leukämien sind maligne Erkrankungen der Leukozyten durch klonale Proliferation unreifer hämatopoetischer Stammzellen.


Ätiologie

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Mögliche Ursachen für Leukämien sind:

  • ionisierende Strahlung
  • Viren (z.B. HTLV 1 oder 2)
  • genetische Faktoren (z.B. Trisomie 21, Klinefelter-Syndrom)
  • Chemische Substanzen (z.B. Benzol)
  • Zytostatika (v.a.Alkylantien)
  • Pestizide (in Diskussion)
  • Nikotin (in Diskussion)
  • vorbestehende hämatologische Erkrankungen (myelodysplastische Syndrome, myelo-proliferative Erkrankungen, aplastische Anämie)

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Leukämien liegen folgende Daten vor:

  • 50 Erkrankungen/ 1 Million Einwohner / Jahr
  • 1 Erkrankung/ 75.000 Schwangerschaften

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Zur Anamnese der akuten Leukämien gehören:
  • seit wann besteht die Symptomatik? bereits vor der Schwangerschaft?
  • wieviele Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft erfolgte eine Remission?
  • Müdigkeit?
  • Nachtschweiß?
  • Schwäche?
  • Gewichtsverlust?
  • Knochenschmerzen?
  • Blässe?
  • Dyspnoe?
  • Lymphknotenschwellungen?
  • spontane Entstehung von Hämatomen? Petechien?
  • gehäuftes Nasenbluten?
  • vermehrtes Zahnfleischbluten?
  • Druckgefühl linker und/oder rechter Oberbauch?
  • frühere Bestrahlungen?
  • frühere Chemotherapie?
  • Grunderkrankungen?
  • Familienanamnese?

Diagnostik

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Zur Diagnose der Leukämie gehören:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung (Hepato-, Splenomegalie?, Lymphknotenstatus)
  • Labor (BB mit Diff-BB: Anämie, Leukozyten erhöht/normal/erniedrigt, Granulozytopenie, Thrombozytopenie, megaloblastäre Vorstufen, "Hiatus leucaemicus", Harnsäure ↑, LDH ↑, BSG ↑, AP ↑, Reticulozyten ↓, Bilirubin, Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte, Gerinnung, Blutgruppe)
  • Knochenmarkspunktion (vermehrter Blasten-Nachweis) mit Zytochemie, Zytogenetik und Immuntypisierung
  • Röntgen Thorax
  • Sonographie
  • ggf. Computertomographie
  • Lumbalpunktion (zum Ausschluß einer zentralen leukämischen Beteiligung)

Klinik

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Die Klinik von Leukämien kann folgende Symptome zeigen:
  • Anämiesymtome (z.B. Blässe, Schwäche, Dyspnoe)
  • Knochenschmerzen
  • Splenomegalie mit Druckschmerz linker Oberbauch
  • Hepatomegalie mit Druckschmerz rechter Oberbauch
  • Gingivaveränderungen
  • Hautveränderungen (bei leukämischer Infiltration)
  • Nachtschweiß, Schwäche, Gewichtsverlust (B-Symptomatik)
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hämatome und Petechien
  • Mundsoor
  • vermehrte Infektanfälligkeit (z.B. rezidivierende Tonsillitis)
  • neurologische Defizite

Therapie

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Zur Therapie der Leukämien gehören- vereinfacht dargestellt- folgende Maßnahmen:

  • Therapie in spezialisierten Zentren
  • keimarme Umgebung
  • spezielle Hygienemaßnahmen
  • frühzeitiger Einsatz von Breitbandantibiotika bei Infekten
  • Erythrozytensubstitution
  • Thrombozytensubstitution
  • Chemotherapie ( spezielle Therapieschemata je nach Art der Leukämie, Alter, Vorerkrankungen, auf den Einzelfall abgestimmt)
  • Knochenmarkstransplantation
  • Stammzelltransplantation
  • ggf. ZNS-Bestrahlung
  • evtl. Hormontherapie während der Chemotherapie, um spätere Unfruchtbarkeit zu vermeiden

Bei bestehender Leukämie und bis 6 Monate nach Erreichen einer Remission nach Chemotherapie sollten sichere Antikonzeptiva verwendet werden.

Die Chemotherapie muß, v.a. bei den akuten Leukämieformen, - trotz Schwangerschaft oder Kinderwunsch- wie bei Nichtschwangeren durchgeführt werden, um eine vollständige Remission zu erzielen (sonst aussichtslose Prognose).

Die Geburt, bzw. Konzeption, sollte, wenn möglich, in der Remissionsphase der Mutter erfolgen.


Komplikationen

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Zu den Komplikationen der Leukämien gehören:

  • Blutungskomplikationen der Mutter
  • schwere Infektionen der Mutter
  • Sepsis der Mutter
  • Verbrauchskoagulopathie der Mutter
  • Unfruchtbarkeit bei Ganzkörperbestrahlung vor einer Knochenmarkstransplantation
  • Wachstumsretardiertes Neugeborenes
  • Höheres Risiko für Frühgeburt
  • Mögliche neonatale Zytopenie bei Chemotherapie ab 20. SSW
  • Erhöhte Abortrate bei Chemotherapie (v.a. im 1. Trimenon)
  • Übertragung der Leukämie über die Plazenta von Mutter auf das Neugeborene möglich (in Diskussion)

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zu den Leukämien:

Häufig erfolgt in der Schwangerschaft eine verzögerte Diagnosestellung, da viele Leukämie-Symptome in der Schwangerschaft als physiologische Veränderungen vorkommen (z.B. Müdigkeit, Anämie, Zahnfleischbluten).

Einteilung der Leukämien:

  • Akute myeloische Leukämie (80% der akuten Leukämien bei Erwachsenen)
  • Akute lymphatische Leukämie (80% der akuten Leukämien bei Kindern)
  • Chronische myeloische Leukämie
  • Chronische lymphatische Leukämie

Ohne Therapie verläuft eine akute Leukämieinnerhalb kurzer Zeit letal. Chronische Leukämien verlaufen oft über mehrere Jahre und zeigen zunächst nur wenige Symptome.


Literaturquellen

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  1. (2010) Michl Marlies: Basics Hämatologie, Urban und Fischer Verlag
  2. (2009) Gruber S - BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH
  3. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  4. (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
  5. (2009) Herold G und Mitarbeiter - Innere Medizin- Köln
  6. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  7. (2008) Bühling K J, Friedmann - Intensivkurs Gynäkologie - Urban & Fischer, Elsevier
  8. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  9. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  10. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  11. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  12. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag
  13. (2000) Diedrich K, Holzgreve W, Jonat W et al.- Gynäkologie und Geburtshilfe- Springer, Heidelberg

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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